Marktbericht für Edelmetalle
Für den Palladiumpreis war es eine gute Woche. Aber auch die übrigen Edelmetalle setzten ihren Aufwärtstrend fort. Nur Platin musste Verluste hinnehmen. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.
Für Palladium geht es steil bergauf
Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.
Gold profitiert und setzt Aufwärtstrend fort
Nachdem die EZB mit ihren Entscheidungen die Vorwoche dominierte, bestimmte letzte Woche die Fed die Märkte. Wie erwartet, wurden von der Fed die Zinsen nicht erhöht, jedoch stellte sich auch der Zinsausblick wesentlich zaghafter dar als bisher erwartet. So sollen in diesem Jahr noch zwei Zinserhöhungen erfolgen und damit das Zinsniveau langsam auf 3 Prozent bis 2018 steigen. Damit ist der nächstmögliche realistische Zeitpunkt einer Zinserhöhung erst auf der übernächsten Sitzung mit Pressekonferenz am 15. Juni 2016.
Gold konnte von diesem Ausblick deutlich profitieren und setzte seinen seit Anfang des Jahres andauernden Aufwärtstrend weiter fort. Die Unterstützung dieses Aufwärtstrendkanals liegt bei 1.235 US-Dollar/oz. Kurzfristiger Widerstand ist jenseits des März-Hochs über 1.280 US-Dollar/oz zu finden.
Silber profitiert stärker als Gold
Nachdem die Unterstützung bei 15,20 US-Dollar/oz gehalten hat, konnte Silber mit Unterstützung des Ausblicks eines flacheren Zinspfades durch die Federal Reserve ein neues Jahreshoch bei 16,14 US-Dollar/oz markieren. Zusätzlich half die freundliche Stimmung bei den Basismetallen, welche im Laufe der Woche auch deutlich zulegten.
Gegenüber Gold wertete Silber um weitere 2 Prozent auf, so dass sich der Gold-Silber-Ratio auf 79 reduzierte. Auch die ETF-Bestände legten um weitere 60 Tonnen leicht zu. Damit befinden diese sich bereits wieder auf dem Niveau von September letzten Jahres.
Das gute Marktsentiment für Metalle, verbunden mit dem Ausbruch aus dem seit Anfang letzten Jahres währenden Abwärtstrendkanals, lässt auf weitere Kursgewinne im Silber hoffen. Der charttechnische Widerstand liegt nun bei 16,10 US-Dollar/oz, während die Unterstützung bei 15,33 US-Dollar/oz liegt.
Gute Automobil-Absatzzahlen aus Europa stützen Platin
Platin musste seit Beginn des Monats wieder Verluste hinnehmen und fiel gegenüber den 4-Monats-Höchstwerten Anfang März bei 1.009 US-Dollar/oz mehr als 50 USD zurück. Verantwortlich hierfür schien unter anderem der schwache US-Aktien-Markt, der den gesamten PGM-Komplex in Mitleidenschaft zog.
Zwischen 950 und 1.000 US-Dollar/oz ist der Markt momentan schwer umkämpft. Mit der Fed Entscheidung den Leitzins unverändert zu lassen, konnte Platin jedoch auch im Zuge der anderen Metalle erneut an Fahrt aufnehmen: Die „Big Figure“ stand wieder im Fokus. Aufgrund von Gewinnmitnahmen fiel das Platin jedoch erneut gegen Ende der Woche auf ein Niveau von 970 US-Dollar/oz.
Die Schwammnachfrage bleibt bestehen, eine Prämie gegen Zürich wird weiterhin bezahlt. Die Netto ETF-Bestände nahmen in der Vorwoche um 38.800 Unzen zu. Das ist das deutlichste Wochenplus seit August. Auslöser waren Käufe aus Südafrika. Dort hat gerade die Wettbewerbsbehörde die Übernahme der Amplats Rustenburg Minen und den Kauf von Aquarius Platinum durch Sibanye Gold genehmigt.
Gute Nachrichten für das Platin gibt es auch vom europäischen Automarkt: Der Branchenverband ACEA verzeichnete den 30. Monat in Folge Absatzsteigerung und ein Wachstum von 10,1 Prozent in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres.
Palladium kurz vor der 600er-Marke
Nachdem Palladium erst noch einmal Schwung nehmen musste und am Dienstag erneut kurzzeitig unter 560 US-Dollar/oz handelte, ging es steil bergauf. Am Donnerstag handelten wir knapp unter 600 US-Dollar/oz.
Ist die 600er-Hürde erst einmal geknackt, besteht Raum bis auf 625 US-Dollar/oz, wo charttechnisch die nächsten Widerstände liegen. Zur Erinnerung und Einschätzung der aktuellen Position: Über 600 US-Dollar/oz haben wir zuletzt Mitte November gehandelt. Dagegen sahen wir den Tiefpreis von 450 US-Dollar/oz von Mitte Januar 2016 das letzte Mal im Juli 2010.
Wenn sich Palladium über dem 590 US-Dollar/oz Level halten kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es die 600er-Marke durchbricht. Palladium-Schwamm ist nach wie vor stark nachgefragt.
Rhodium, Ruthenium, Iridium: Hohe Umsätze bei Rhodium; Ruthenium mit deutlich gestiegener Nachfrage
Obwohl Rhodium preisseitig bisher keine Änderung vollzogen hat, gab es eine sehr umsatzstarke Woche mit vielen Anfragen von diversen Verbrauchern bzw. Anwendern. In einem engen, umkämpften Markt konnte sich der Preis letztendlich weder entscheidend in die eine noch in die andere Richtung bewegen. Falls die Nachfrage aus der Industrie, aber auch von Investoren, auf diesem Niveau bleiben sollte, dann wird sich früher oder später auch der Preis nach oben bewegen.
Die Nachfrage nach Ruthenium hat in der Berichtswoche deutlich zugelegt, aber da das Angebot ebenfalls nach wie vor äußerst groß ist und die Bereitschaft von potentiellen Verkäufern vorhanden ist, das Interesse zu bedienen, wird sich auf absehbare Zeit auf der Preisseite vermutlich wenig bis keine Veränderung zeigen.
Iridium hat sich auch wieder etwas aktiver gezeigt, ist aber leider noch nicht auf „Normalform“ zurückgekehrt. Die etwas gestiegene Nachfrage konnte bisher auch problemlos vom Markt bedient werden.





