Bilanz 2015
Das vergangene Geschäftsjahr verlief für ELG Haniel enttäuschend. Der Umsatz ging stark zurück, das operative Ergebnis des Edelstahlschrott-Aufbereiters brach ein. Für dieses Jahr rechnet der Mutterkonzern Haniel mit einem schwierigen Marktumfeld.
Gewinn von ELG Haniel bricht ein
Der Konzern Haniel hat seine Geschäftszahlen für 2015 vorgelegt. Während alle anderen Geschäftsbereiche nur leicht einbüßten, musste die Tochtergesellschaft ELG Haniel Federn lassen. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, verringerte sich der Umsatz aus dem Recycling von Edelstahl, Superlegierungen und Carbonfasern von 2,21 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 1,83 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Das operative Ergebnis stürzte ab von plus 59 Millionen Euro auf minus 6 Millionen Euro.
Als Grund führt der Konzern eine erheblich niedrigere Marge im Edelstahlschrottgeschäft an. Der Margenrückgang sei auf den intensiven Wettbewerb auf der Absatzseite, das hohe Einkaufspreisniveau auf der Beschaffungsseite und den Wertverlust der Vorräte durch kontinuierlich sinkende Rohstoffpreise zurückzuführen.
Wie es weiter heißt, sei der weltweite Handel mit Edelstahlschrotten von dem kontinuierlich sinkenden Preis für Nickel geprägt gewesen. Dadurch sei zum einen spürbar weniger Schrott am Beschaffungsmarkt verfügbar gewesen, da viele Lieferanten angesichts des niedrigen Preisniveaus und in Erwartung steigender Preise Schrotte zurückhielten. Zum anderen habe preisbedingt die Wettbewerbsfähigkeit von Primärnickel gegenüber den Edelstahlschrotten zugenommen. Insgesamt schlug sich diese Entwicklung negativ auf die Ausgangstonnage beim Edelstahlschrott von ELG nieder, die um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging.
Rückläufige Edelstahlproduktion
Die weltweite Edelstahlproduktion bewegte sich laut ELG erstmals seit 2009 unter dem Niveau des Vorjahres. Eine wesentliche Ursache für die rückläufigen Mengen sei die gesamtwirtschaftlich schwächere Nachfrage in China. In den beiden wichtigsten Absatzmärkten der ELG – Europa und die USA – war die Menge ebenfalls rückläufig. Die Produktion in den USA litt neben der schwächeren inländischen Nachfrage nach Edelstahlprodukten unter den vermehrten Importen aus China, wo die Hälfte des weltweiten Edelstahls produziert wird. In Europa verzeichneten die Edelstahlwerke eine schwache Nachfrage ihrer Kunden.
Hinzu kam laut Geschäftsbericht das weltweite Überangebot an Primärnickel. Dies habe zu einem historisch tiefen Nickelpreis geführt (8.700 US-Dollar pro Tonne). Darüber hinaus seien die Preise für Eisen u 40 Prozent und Chrom um 15 Prozent eingebrochen. Auch Molybdän habe einen Verlust verzeichnet.
Guter Geschäftsverlauf für Superlegierungen
Positiv entwickelte sich hingegen das Segment ELG Utica Alloys. Hierunter fasst Haniel sein Geschäft mit hochlegierten, nickelhaltige Schrotten und Titanschrotten (Superlegierungen). Die Tonnage sei im Geschäftsjahr 2015 um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen, vor allem durch neue Verträge zur Aufbereitung mit der Luftfahrtindustrie.
Demgegenüber blieb das Handelsgeschäft aufgrund der rückläufigen Nachfrage in den Industrien der Energieerzeugung und Petrochemie deutlich unter dem Vorjahr. Dennoch spricht Haniel 2015 von einer hohen Auslastung im Superlegierungsgeschäft. In der Folge seien Aufbereitungskapazitäten ausgebaut und neue Standorte etwa in Asien in Betrieb genommen worden.
Auch das Geschäftsfeld Carbon Fibre nimmt laut ELG langsam Fahrt auf. Das 2011 erworbene Geschäftsfeld entwickelte sich im Vergleich zum Vorjahr positiv. Im Fokus lag 2015 vor allem der Ausbau der Bereiche Produktentwicklung und Vertrieb.
Striktes Kostenmanagement
Für das Jahr 2016 rechnet ELG mit weiteren Unwägbarkeiten. Die weltweite Edelstahlproduktion hänge insbesondere von der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung und auch der Nachfrage nach Edelstahl in China ab, so der Konzern. Beides bliebe unsicher. In Europa werde sich die Edelstahlproduktion voraussichtlich leicht rückläufig entwickeln. Insgesamt erwartet ELG einen Anstieg der eigenen Ausgangstonnage im einstelligen Prozentbereich.
Um dem schwierigen Marktumfeld hinsichtlich Edelstahlschrott zu begegnen, setzt ELG auf striktes Kostenmanagement. In die Geschäftsfelder Superlegierungen und Karbonfasern will der Konzern hingegen weiter investieren. Bezüglich Superlegierungen rechnet ELG für 2016 mit einem stabilen Handelsgeschäft und einer hohen Nachfrage im Aufbereitungsgeschäft.
