Tourenplanung
Mit Beginn des Jahres hat der Landkreis Ahrweiler die Sammlung zusätzlicher Abfälle in Eigenregie übernommen. Im Vorfeld musste der Kreis eine sinnvolle Sammelstrategie entwickeln. Nun zieht der kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb ein erstes Fazit.
Optimale Wege dank Computertechnik
Lange Strecken, große Grundstücke, wenige Straßen und dann wieder enge Gassen: Besonders in ländlichen Gebieten wird die Tourenplanung für die Abfallsammlung zur Herausforderung. Eine Tourenplanungssoftware kann die Abfuhr optimieren. Diese Erfahrung machte auch der Abfallwirtschaftsbetrieb im Landkreis Ahrweiler (AWB) in Rheinland-Pfalz.
Der AWB hatte zum Jahresbeginn mehrere neue Sammelaufgaben übernommen. Dazu zählen die Sammlung der PPK-Fraktion mit eigenen Fahrzeugen, die Sammlung von Grünschnitt über eine Straßensammlung bei privaten Haushalten sowie die Sammlung von Problemabfällen in einer Stützpunktsammlung an 130 Tagen im Jahr. Hinzu kam auch ein Behälterwechseldienst für PPK-Sammelbehälter.
Zahlreiche Einflussfaktoren
Der Landkreis Ahrweiler weist gleich mehrere typische Merkmale für eine ländliche Gegend auf. Über die Hälfte ist bewaldet, es gibt nur wenige überregionale Straßen, dafür aber viele kleine Orte mit wenigen Einwohnern. Dort wo dichter bebaut ist, sind die Straßen dann dafür klein und eng. Rund 126.500 Einwohner leben im Kreis Ahrweiler. Dies entspricht einer Einwohnerdichte von durchschnittlich 150 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Für die Tourenplanung waren diese Umstände zu berücksichtigen, ebenso wie die Arbeitszeit des Fahrers, das Gewicht der Ware, die Fahrstrecken und die Schnelligkeit des Laders. Bei der Planung der Touren griff der AWB auf eine Tourenplanungs-Software für das ERP-System ATHOS New Line 9 zurück. Die Software war beim AWB bereits vorhanden, wie AWB-Werkleiter Sascha Hurtenbach gestern beim Kasseler Abfall- und Bioenergieforum berichtete. Die Software sei um die erforderlichen Bausteine sowie die Module der Tourenkartenhersteller erweitert worden.
Für die Entwicklung der Tourenplanung gaben die AWB-Mitarbeiter je nach Art der Leerung mehrere Rahmendaten in die Software ein: die Anzahl der bereitgestellten Gefäße bezogen auf die Gesamtquote, die Zeit für die Leerung der Gefäße, die Dauer für die Leerung des Fahrzeugs und das Gewicht des Gefäßinhalts. Weitere Determinanten sind unter anderem das Volumen der Presskammer oder die Anzahl der Personen, die als Lader arbeiten.
Daneben machten sich die Verantwortlichen Gedanken, darüber, wie eine Tour am besten zu beginnen ist. Das Ergebnis: Zunächst mit dem leeren Fahrzeug die am weitesten entfernte Leerung durchführen, da der Wage zu diesem Zeitpunkt leichter ist und daher weniger Kraftstoff verbraucht.
Auch individuelle Tourenplanung möglich
Mit all diesen Informationen gefüttert, kann das Tourenplanungssystem die bestmögliche Route berechnen. Dem Fahrer wird sodann als Arbeitshilfe ein Straßenabschnittsplan ausgedruckt. Außerdem liefert das System Informationen darüber, wie viele Fahrzeuge insgesamt notwendig sind. Laut System sind vier Fahrzeuge nötig, ein externes Vorgutachten dagegen kam zu Ergebnis, dass 2,4 Fahrzeuge notwendig wären. Schließlich wurden drei Fahrzeuge angeschafft.
Neben regelmäßigen Touren ist das IT-System auch in der Lage, individuelle Touren zu planen. Dafür sammelt zunächst ein Mitarbeiter im Vertrieb die Einzelaufträge und gruppiert sie vor. Diese werden dann in das Programm eingegeben. Das Ergebnis ist dann ein erstes Routing.
„Im nächsten Bearbeitungsschritt wird die Tour mit genauen Fahrspuren vor Ort versehen, die sodann die günstigsten Straßenrouten beinhalten. Diese Informationen liefert die interne Verknüpfung zu den Objektadressen aus der ERP-Datenbank“ erläuterte Hurtenbach. Außerdem wird die Fahrzeit nach Durchschnittswerten berechnet, um abzuschätzen, ob die Tour in einem Tag erledigt werden kann. Der Fahrer bekommt die Tour zum einen ausgedruckt und die Daten auf sein mobiles Erfassungsgerät übertragen. Stelle er beispielsweise neue Gefäße ab, scannt er diese und importiert die Daten in der ERP-System.
Drei Monate nach Einführung der Tourenplanung zog Hurtenbach in Kassel ein überwiegend positives Fazit. Alle geplanten Abfuhren funktionieren innerhalb der Plandaten. Lediglich der Kraftstoffverbrauch liege etwas höher als geplant. Für die Zukunft könne er sich vorstellen, auch die Abfallfahrzeuge mit Telematikgeräten auszustatten. So können unter anderem Tourmängel aufgezeichnet werden oder selten gefahrene Straßenabschnitte nicht vergessen werden.
Ein Problem jedoch wird Hurtenbach nicht so einfach lösen können: die Verbindungsprobleme beim Mobilfunk. Denn diese bestehen insbesondere im ländlichen Raum nach wie vor.

