Marktbericht für Edelmetalle

Gute Konjunkturzahlen aus China haben die Edelmetallpreise beflügelt. Vor allem Silber profitierte von seinem Charakter als Industriemetall. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Palladium gewinnt an Fahrt


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold büßt Gewinne der Wochenmitte wieder ein

Der Goldpreis zeigt sich auch weiterhin gut unterstützt und erreicht mit 1.270 US-Dollar/oz am Donnerstag den höchsten Stand seit Mitte März. Auslöser für den Preisanstieg waren Kommentare von EZB-Präsident Draghi. Er betonte erneut, dass die Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockern könnte, falls dies notwendig sei.

Im Umfeld von Draghis Pressekonferenz legte der Euro gegen den US-Dollar kurzfristig auf über 1,14 zu und zog den Goldpreis mit sich. In einem volatilen Marktumfeld gaben dann aber sowohl die Gemeinschaftswährung wie auch der Goldpreis ihre Gewinne wieder ab. Zum Wochenschluss notierte Gold bei 1.231,90 US-Dollar/oz.

Auch der Goldpreis in Euro gerechnet konnte vorübergehend deutlich zulegen und handelte in der Spitze bei 35,96 Euro/g. Die Anleger im Euroraum verhielten sich ungeachtet dessen größtenteils abwartend.

Die Shanghai Gold Exchange (SGE) veröffentlichte am Dienstag erstmalig einen Referenzpreis für Gold, wenn auch in lokaler Währung. China ist der größte Konsument und Produzent des Metalls. Das neue „Fixing“ reflektiert diese Entwicklung. Aktuell sind an der Ermittlung des Referenzpreises zehn chinesische und zwei ausländische Banken beteiligt, dazu noch sechs Industrieunternehmen. Inwiefern sich das neue „Fixing“ auch international als ernstzunehmende Konkurrenz zum London Gold Price entwickelt, bleibt abzuwarten.

Geldpolitik unterstützt Silber

Während Gold zum Wochenende wieder alle Gewinne abgegeben hat, konnte Silber vor allem von seinem Charakter als Industriemetall profitieren und schloss mit 16.95 US-Dollar/oz (+4,5 Prozent) deutlich höher als in der Vorwoche.

statistic_id180057_silbernachfrage-weltweit-nach-verwendung-2011Nach guten Konjunkturzahlen aus China startete Silber zusammen mit Palladium und Platin durch bis 17,70 US-Dollar/oz, was nur wenige Cents unter dem Höchstkurs vom Mai 2015 liegt. Trotz des großen Momentums aus der diesjährigen Aufwärtsbewegung erwarten wir nicht, dass dieser Widerstand schnell überwunden werden kann.

Die ETF-Bestände, welche zuletzt im Oktober 2014 auf diesem Level waren, halten sich auf hohem Niveau und wurden letzte Woche jedoch nur noch geringfügig aufgestockt. Preisunterstützung nach unten liegt bei 16,84 US-Dollar/oz.

Das geldpolitische Umfeld bleibt unterstützend für Silber: Die Pressekonferenz der EZB brachte zwar keine wirklichen Neuigkeiten. Jedoch betonte Draghi, dass die Geldpolitik weiter expansiv bleiben wird und – falls nötig – alle notwendigen Instrumente eingesetzt werden. Gleichzeitig erwartet er im Laufe des Jahres eine negative Inflation, die erst 2017/2018 anziehen wird. Auch von der Federal Reserve wird am Mittwoch keine Erhöhung der Zinsen erwartet, zumal es nach dieser Sitzung auch keine Pressekonferenz geben wird, um einen möglichen Schritt zu erklären.

Platin touchierte vorübergehend 1.040 US-Dollar/oz

Nachdem die 1.000 US-Dollar/oz Marke gegen Ende letzter Woche noch als große Hürde angesehen werden konnte, hat uns das Metall diese Woche eines Besseren belehrt. Erneut im Zuge von Gold und dem Run in Silber konnte das Platin bis auf 1.040 US-Dollar/oz steigen.

Nach der nicht unerwarteten EZB-Entscheidung kam erstaunlicherweise Nervosität auf. Platin hält sich zumindest gegen Ende der Woche über 1.000 US-Dollar/oz. Dieser Wert scheint jetzt die Unterstützung zu bilden. 1.050 US-Dollar/oz ist die nächste Marke auf dem Weg nach oben. Die Schwammprämie hält sich weiterhin auf hohem Niveau.

Nach guten Automobil-Verkaufsstatistiken in den letzten Wochen steht das Thema Dieselabgaswerte wieder im Mittelpunkt. Hier wird hauptsächlich Platin in den Katalysatoren eingesetzt. Bei Volkswagen zeichnet sich aufgrund des Abgas-Skandals der größte Verlust der Firmengeschichte ab. Zudem werden bei mehreren Marken insgesamt 630.000 Autos zurückgerufen, um die Software zu aktualisieren.

Palladium durchbricht die 600er Marke

Zum ersten Mal nach genau einem Monat durchbricht Palladium wieder die Marke von 600 US-Dollar/oz. Die Kurve ging seit Wochenbeginn konstant nach oben mit Höchstwerten am Donnerstagnachmittag mit Kursen von 620 US-Dollar/oz.

Hatte man bis Donnerstag doch eher mit mehr oder weniger großen Widerständen bei 600 US-Dollar/oz gerechnet, nahm das Metall dann doch sehr leicht diese Marke und gewann direkt an Fahrt. Am Freitag hielt sich das Metall mit noch knapp über 600 US-Dollar/oz.

statistic_id461318_weltweite-nachfrage-nach-palladium-nach-verwendungszweck-2014Als Palladium das letzte Mal auf diesem Niveau gehandelt hat, konnte sich das Metall allerdings dort nicht nachhaltig halten und fiel dann Anfang April auf 534 US-Dollar/oz zurück. Der nächste Widerstand liegt bei 620 US-Dollar/oz. Sollten wir diese Marke auch durchbrechen, stehen die Chancen gut, dass Palladium längerfristig noch höhere Kurse sehen wird.

Die Schwammsituation ist nach wie vor angespannt, da die physische Nachfrage immer noch sehr hoch ist.

Rhodium weiter seitwärts; Ruthenium mit erhöhter Nachfrage und Iridium auch mit gesteigerten Umsätzen

Rhodium hatte eine ähnliche Performance wie in der Vorwoche: Keine Preisveränderung, aber hohe Umsätze in einem sehr engen Markt. Es gibt weiter Käufer auf aktuellem Niveau, die momentan aber noch von primären und sekundären Quellen bedient werden können. Es gibt aktuell keine Anzeichen auf größere Marktveränderungen.

Ruthenium bewegte sich analog zu Rhodium ebenfalls seitwärts, aber es gab allerdings gab es in der Berichtswoche eine deutliche Zunahme von Käufen und Anfragen. Nach wie vor ist das Angebot sehr gut, sodass sich der Markt davon unbeeindruckt zeigt.

Iridium hat in der vergangenen Woche ebenfalls deutliche Umsatzzuwächse gehabt, aber auch diese konnten problemlos bedient werden, sodass es hier ebenfalls keine großen Änderungen zu vermelden gibt.

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