Aufbereitung von Klärschlamm

In der Kläranlage Homburg wird seit Ende April eine Klärschlamm-Mineralisierungsanlage getestet. Mit dem Verfahren soll Phosphor in pflanzenverfügbarer Form gewonnen werden. Der Klärschlamm wird dabei carbonisiert.

Probelauf für Mineralisierungs-Anlage


In der Kläranlage Homburg werden jährlich zwischen 4.500 und 4.800 Tonnen entwässerter Klärschlamm durchgeschleust. Diese Menge will der Betreiber der Anlage, der Entsorgungsverband Saar (EVS), um mehr als 80 Prozent verringern. Gleichzeitig will der Verband Schadstoffe aus dem Klärschlamm entfernen und den Nährstoff Phosphor zurückgewinnen. Um das zu realisieren, testet der EVS derzeit eine „innovative, energieautarke und CO2-neutral arbeitende Mineralisierungsanlage“.

Das Verfahren kombiniert einen Trocken- sowie einen Mineralisierungsschritt (Pyreg-Verfahren). Zunächst werden die Klärschlämme dem Faulbehälter der Kläranlage Homburg zugeführt und ausgefault, erläutert der EVS. Neben dem Primär- und Überschussschlamm, der bei der Abwasserbehandlung der Stadt Homburg und dem Bexbacher Ortsteil Höchen anfällt, gehören dazu die Schlämme umliegender Kläranlagen sowie der Karlsberg-Brauerei (circa 40 bis 50 Prozent der Gesamtmenge).

Entwässern, Trocknen, Mineralisieren

Der ausgefaulte Schlamm werde anschließend mittels Zentrifugen auf einen Trockensubstanzgehalt von 27 bis 30 Prozent entwässert. Aus den Zentrifugen gelangt der Schlamm dann direkt in einen Niedertemperatur-Bandtrockner. Durch heiße Luft wird dort der größte Teil des enthaltenen Wassers verdampft bis der Trockensubstanzgehalt des Materials bei 80 bis 90 Prozent liegt. Bisher wurde der ausgefaulte Schlamm in zwei Nacheindickern mit zwei Zentrifugen entwässert und anschließend über Spiralförderer in einen Absetzcontainer abgeworfen. Vom Trockner gelangt der Schlamm in die Pyreg-Anlage.

In diesem zweiten Schritt passiert Folgendes: Der Klärschlamm wird in einem Doppelschneckenreaktor unter Sauerstoffmangel auf 800 Grad Celsius erhitzt. Dabei gasen die organischen Bestandteile sowie Teile der Schwermetalle aus, erklärt der EVS. Der Klärschlamm wird also nicht verbrannt, sondern carbonisiert – ähnlich wie bei der Herstellung von Holzkohle.

Unterm Strich entsteht ein Produkt, in dem die Schadstoffe im Klärschlamm deutlich reduziert, die Nährstoffe jedoch aufkonzentriert würden, so die EVS-Verantwortlichen. Das Produkt eigne sich daher für den Einsatz in der Landwirtschaft. Zudem entstehe Gas, dass in einem Flox-Brenner bei 1.250 Grad Celsius emissionsarm verbrannt werde. Die daraus erzeugte Wärme nutzt der EVS, um die Mineralisierungs-Reaktoren zu beheizen und für den Bandtrockner.

Bei Erfolg Dauerbetrieb vorgesehen

Der Entsorgungsverband Saar hat für die neue Anlage rund 2,4 Millionen Euro netto investiert. Unter anderem wurde mit dem Geld das vorhandene Schlammentwässerungsgebäude umgebaut und erweitert. Darüber hinaus flossen die Investitionen in den neuen Bandtrockner und die Pyreg-Anlage.

Wie die EVS-Verantwortlichen mitteilen, hat sich bislang gezeigt, dass die Anlage funktioniert und das entstehende Produkt die Anforderungen von Klärschlammverordnung (AbfKlärV) und Düngemittelverordnung (DüMV) erfüllt. Läuft der Probetrieb weiterhin erfolgreich, soll die Mineralisierungsanlage im Sommer dieses Jahres in den Dauerbetrieb gehen.

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