Management von Entsorgungsprozessen

Viel Bürokratie und zahlreiche Rechtsvorschriften verkomplizieren den Alltag in der Abfallwirtschaft. Online-Lösungen versprechen hier Erleichterung. Doch häufig fehlen die richtigen Schnittstellen. Eine neue Datenplattform vernetzt nun verschiedene Systeme.

Digitale Lösung vom Auftragseingang bis zur Abrechnung


Unter dem Stichwort Abfallwirtschaft 4.0 präsentieren drei Unternehmen ein System aus einer Hand, dass den gesamten Entsorgungsprozess vom Auftragseingang bis zur Abrechnung digitalisiert. Ihr erklärtes Ziel: Entschlackte Prozesse, die den Entsorgern signifikant Kosten und Zeit sparen, deren Mitarbeiter entlasten sowie den Kundenservice verbessern.

Möglich sei das durch eine übergeordnete Datenplattform, die das IT-Haus Fritz & Macziol (F&M), der Anbieter des Abfallwirtschafssystems Recolog, Pro-matik, und der Telematik-Anbieter AIS Advanced Info Data Systems auf der IFAT in München vorstellen werden. Mit der Datenplattform werden die bestehenden Software-Lösungen von F&M, Pro-matik und AIS vernetzt. Sie trägt den Namen ‚Newsystem – digitale Lösungen für Abfallwirtschaft und Umwelt‘ und ist eine Entwicklung von F&M.

Die Plattform erlaubt, dass das so genannte ‚eService Portal‘ von F&M eine Echtzeitkommunikation zwischen dem Abfallwirtschaftssystem ‚Recolog‘ von Pro-matik und der App von AIS vermittelt, die in den Fahrzeugen beim Endkunden eingesetzt wird.

Vom Auftragseingang bis zur Abrechnung

Im Detail veranlasst ein Kunde über das Cloud-basierte „eService Portal“ einen Auftrag. Daraufhin  erhält das Entsorgungsunternehmen eine automatische Benachrichtigung. Der Entsorger kann dann den Auftrag annehmen und sofort an ein freies Fahrzeug weiterleiten.

Anschließend würden im Fahrzeug über die App von AIS sämtliche Informationen gesammelt, die den Transport betreffen, teilt AIS mit. Dazu gehören unter anderem Auftragsstatus, Fotonachweise, Lieferbelege, Unterschriften oder RFID-Scans. Als Datenquelle dienen Desktop-PC, Tablet, Smartphone oder Kfz-Bordelektronik.

Die Daten gelangten dann ebenfalls via App aus dem Fahrzeug zum Entsorger und würden sofort weiterverarbeitet. Die einfache Datenverwaltung übernehme Pro-matik mittels Recolog. Darüber könnten beispielsweise die Stammdaten von Kunden und Lieferanten gepflegt, Verträge und Aufträge sowie Rechnungen erstellt werden. Die Daten werden schließlich sofort und unter Anleitung über das ‚eANV Portal‘ und die Zentrale Koordinierungsstelle der Länder (ZKS) an die verantwortliche Stelle gemeldet, so die drei Unternehmen.

Keine Reibungsverluste und Fehler mehr

Der wesentliche Vorteil von ‚Newsystem‘: Alle Daten müssten nur ein einziges Mal erfasst werden – und zwar am Anfang. Die anschließende Weitergabe von Anwendung zu Anwendung erfolge digital und somit ohne Reibungsverlust und Übertragungsfehler. Im Ergebnis erhöhten alle Beteiligten im Stoffstrommanagement dadurch ihre Produktivität und könnten sich auf Rechtssicherheit verlassen.

Darüber hinaus seien die Daten für den Sachbearbeiter jederzeit über einen Zugang einsehbar. Damit könnten Entsorger ihren Kunden wiederum individuelle Angebote und Services anbieten und sich besser mit Lieferanten und Partnern vernetzen.

Ferner werde jede Art von Cloud (Private, Public, Hybrid) unterstützt. Das ermögliche die einfache und effiziente Integration des Systems in die vorhandene Infrastruktur.

„Was in anderen Branchen mit Industrie 4.0 schon vielerorts Wirklichkeit geworden ist, hilft jetzt auch in der Abfallwirtschaft den beteiligten Erzeugern, Beförderern, Entsorgern, Maklern, Händlern und Bevollmächtigten effizient zusammenzuarbeiten“, sagt Alexander Marschall, Leiter Business Development bei F&M. „Durch das neue Konzept helfen wir, die täglich anfallenden Prozesse der Abfallwirtschaft zu vereinfachen und einen unmittelbaren Nutzen für Entsorgungsunternehmen zu generieren.“

Wer Interesse an ‚Newsystem‘ hat, findet die Unternehmen am Partnerstand 123 in Halle B1 auf der  IFAT.

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