Marktbericht für Edelmetalle

Die Edelmetallpreise entwickelten sich in der vergangenen Woche uneinheitlich: Gold kletterte nach oben, Silber legte eine Pause ein und bei Platin fehlt derzeit die klare Richtung. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Berg- und Talfahrt für Palladium


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Bisher höchste Goldnachfrage in einem 1. Quartal

Gold startete mit einem positiven Unterton in die neue Woche, nachdem chinesische Wirtschaftsdaten am Wochenende enttäuschend ausgefallen waren. Was die Aktienmärkte belastet, kommt dem Metall als „sicherem Hafen“ zu Gute. Der Goldpreis kletterte vorübergehend bis auf 1.288.20 US-Dollar/oz, nachdem es die vergangene Woche mit 1.273,20 US-Dollar/oz beendet hatte.

ETFs verbuchten erneut starke Zuflüsse. So erreichte der SPDR Gold Trust das höchste Volumen seit November 2013. Europäische Anleger verhalten sich ungeachtet dieser Entwicklung weiterhin abwartend. Noch im ersten Quartal zeigte sich hier ein ganz anderes Bild.

Neuesten Zahlen des World Gold Councils – einer Interessenvereinigung von Goldförderern – zufolge fragten Anleger im ersten Quartal diesen Jahres 1.289,9 Tonnen des Metalls nach, 21 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Dies ist die bisher höchste Goldnachfrage in einem ersten Quartal. Zu den Käufern zählten auch einflussreiche Investoren wie George Soros, der Gold einmal als die „ultimative Blase“ bezeichnet hatte – er kaufte insgesamt 1,05 Millionen Anteile am SPDR und kehrt damit zum ersten Mal seit drei Jahren an den Goldmarkt zurück.

Auch wenn sich das Anlegerinteresse im zweiten Quartal auf deutlich niedrigerem Niveau bewegt, ist das Umfeld für das Edelmetall weiterhin positiv: Die US-Notenbank Fed zeigte sich bei ihrem Zinserhöhungskurs zuletzt deutlich zurückhaltender, was den Kurs des US-Dollars bereits unter Druck setzte. Beide Faktoren unterstützen den Goldpreis – einen erneuten Anstieg bis auf 1.300 US-Dollar/oz schließen wir nicht aus, während 1.270 US-Dollar/oz eine erste charttechnische Unterstützung bieten sollte.

Silber unterbricht rasante Aufwärtsrallye

Silber hat sich etwas vom Hoch bei 18 US-Dollar/oz von Anfang Mai wegbewegt. Weitere Impulse seitens Geldpolitik oder Konjunktur fehlten und so bewegte sich Silber letzte Woche seitwärts.

Auch die ETF-Bestände sind seit einer Woche unverändert. Derzeitige Unterstützung ist bei 17 US-Dollar/oz zu sehen. Von Interesse ist die vor kurzem veröffentlichte World Silver Survey 2016 vom Silver Institute, welche aufzeigte, dass der Silbermarkt in 2015 geprägt war von starker Nachfrage von Privatinvestoren und der Schmuckindustrie. Diese überkompensierten auch die schwächere Nachfrage seitens der Industrieproduktion. Durch die hohe Nachfrage und das nur langsam wachsende Angebot aus der Minenförderung und das sinkende Recyclingvolumen verzeichnete Silber das dritte Jahr in Folge ein physisches Defizit. Mittelfristig dürfte Silber weiter von diesen Fundamentaldaten profitieren.

Unklare Richtung bei Platin

Platin erlebte erneut eine bewegte Woche. Die Range 1.040 bis 1.080 US-Dollar/oz scheint weiterhin in Takt. Nach der sechsten Woche in Folge mit Gewinnen konnte Platin das Niveau jedoch nicht ganz halten. Sollte die Unterstützung bei 1.040 US-Dollar/oz brechen, wäre der Weg erneut frei bis 1.000 US-Dollar/oz, der psychologischen „Big Figure“.  Platin-Schwamm erfreut sich weiterhin guter Nachfrage.

Lieferengpässe in Südafrika werden erneut ein Thema –  der „Refined PGM output“ ging zurück, was auch auf die Schließung von Schächten zurückzuführen ist. Das ist nicht überall der Fall: Lonmin meldet im 1. Quartal eine Steigerung der Platinproduktion von 44,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und verweist auf eine gut laufende Smelter-Technik.

Wenig Impulse sehen wir aktuell aus Asien: Die Schmucknachfrage in China scheint etwas zu schwächeln, die PGM-Importzahlen sind rückläufig, ebenso der Umsatz an der Shanghai Gold Exchange. Schließlich bleibt die Bewegung des Goldes auch weiterhin von Interesse, ein „Eigenleben“ des Platins ist derzeit begrenzt.

Berg- und Talfahrt beim Palladium

Nachdem Palladium Anfang der Woche noch bei Kursen um 600 US-Dollar/oz handelte, ging es steil bergab bis auf einen Tiefstand von 575 US-Dollar/oz, was gleichzeitig auch das Low der Woche war. Hier kam dann Kaufinteresse in den Markt und die Kurse endeten am Mittwoch bei einem High um 613 US-Dollar/oz. Danach setzte sich wieder eine Abwärtsbewegung in Gang. Palladium handelte dann mit kurzen Stopps am Freitag bei Levels um die 590 US-Dollar/oz.

Gute Absatzzahlen kamen vom Automarkt in China für April, was grundsätzlich positiv für Palladium sein sollte. Palladium-Schwamm ist nach wie vor begehrt. In der letzten Woche lieferte der neue GFMS-Report einige interessante Einblicke für Palladium: Das Defizit reduzierte sich im vergangenen Jahr auf 868.000 oz bedingt durch eine höhere Minenproduktion, während preis- und spekulationsbedingt weniger Palladium aus dem Autokatalysator-Recycling kam. 2015 wurde für Palladium der schwächste Juwelierbedarf seit 2002 und zudem eine schwache Nachfrage aus der Elektronikindustrie verzeichnet, die die Bedarfsmengen 2015 weiter sinken ließ.

Rhodium mit extremer überraschender Talfahrt; Ruthenium etwas umsatzschwächer und Iridium wieder mit etwas mehr Interesse

Rhodium hat in den letzten 2 Wochen wohl alle Markteilnehmer überrascht. Nachdem der Preis fast 6 Wochen lang unbewegt war, aber dennoch gut unterstützt gewesen ist, gab es plötzlich größere Liquidierungen von Long-Positionen. Durch die große Bewegung und eine Preisbewegung von 10 Prozent in nur kurzer Zeit waren auch physische Händler gezwungen zu verkaufen. Momentan sieht es so aus, als könnte wieder ein Boden auf aktuellem Niveau gefunden werden, aber es herrscht relativ große Verunsicherung bei den Marktteilnehmern.

Ruthenium hat sich im Vergleich zu den Vorwochen etwas beruhigt und die Umsätze waren nicht mehr ganz auf dem Niveau der letzten Zeit.

Iridium kann wieder etwas mehr Aktivität vorweisen und die Nachfrage war deutlich höher als in den letzten beiden Berichtswochen. Leider reflektiert sich dies so gut wie nie bei bestehenden Preisindikationen und somit sind diese Veränderungen auch nur schwer zu sehen und zu erklären.

Mehr zum Thema
Circularity Gap Report: So viel kostet die lineare Wirtschaft
Altpapierpreise auch im März stabil
Krisenbonus und Tankrabatt: Koalition schnürt Entlastungspaket
Grüner Stahl: Warum die „Sliding Scale“ so umstritten ist
„Kreislaufwirtschaft ist eine eigenständige Anlageklasse