Klassifizierung gemäß Energieeffizienz-Formel
Für die energetische Verwertung von Abfällen hat das Restmüllheizkraftwerk Böblingen einen hohen R1-Wert bestätigt bekommen. Der Gesamtnutzungsgrad der Anlage liege deutlich über dem Bundesdurchschnitt, heißt es.
MVA Böblingen verbucht hohen R1-Wert
Im vergangenen Jahr hat der Zweckverband Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RBB) ein Plus von mehr als 10 Prozent beim Energieverkauf (Fernwärme/Strom) erreicht. In absoluten Zahlen bedeute das einen Anstieg von 22.170 Megawattstunden im Vergleich zu 2014, heißt es seitens des Zweckverbands. Insgesamt speiste der RBB 212.297 Megawattstunden Fernwärme aus Restmüll (194.602 MWh) und Biomasse (17.695 MWh) in die Netze der Städte Böblingen und Sindelfingen ein. Zudem hat der Verband 44.450 Megawattstunden Strom abgegeben (Müll 41.588 MWh, Biomasse 2.862 MWh).
Mit der Fernwärme könnten nach der bundesweit angewandten Berechnungsformel der ITAD 38.600 Wohnungen mit einer Fläche von je 100 Quadratmetern ein Jahr lang beheizt werden, betont der RBB. Mit der aus Müll produzierten Energiemenge ergebe sich ein errechneter CO2-Einsparungswert von 57.117 Tonnen. „Stellt man sinnbildlich die durchschnittlichen PKW-Fahrleistungen von 15.000 Jahreskilometern gegenüber, müssten für eine CO2-Einsparung in dieser Größenordnung die Fahrzeuge von mehr als 68.000 Autobesitzern oder fast ein Viertel aller Fahrzeuge im Kreis Böblingen für ein volles Jahr unbewegt in den Garagen stehen bleiben“, fügt RBB-Geschäftsführer Wolf Eisenmann hinzu.
Hoher R1-Wert
Der Gesamtnutzungsgrad der Böblinger Anlage – also der Anteil, der aus Abfällen in Energie umgewandelt wird – liegt laut RBB bei 57,5 Prozent. Bei einer Aufteilung entfallen 14,2 Prozent auf die Stromerzeugung und 43,1 Prozent auf die Fernwärme.
„Damit liegt der Nutzungsgrad deutlich über dem deutschen Durchschnitt, den das Umweltbundesamt 2015 in einer Studie für die Müllverbrennung mit 11,4 Prozent für Strom und 31,6 Prozent für Wärme ermittelt hat“, hebt der Zweckverband hervor. „Zugleich braucht man bei einem solchen Nutzungsgrad den Vergleich mit der stofflichen Verwertung von Kunststoff nicht zu scheuen.“
Wie der Verband weiter mitteilt, hat der RBB bei der Errechnung des Leistungsfaktors für die energetische Verwertung von Abfällen von unabhängiger Stelle einen R1-Klassifizierungswert von 0,95 bestätigt bekommen. Die R1-Energieeffizienzformel dient europaweit zur Einstufung von Verbrennungsanlagen als Verwertungsanlagen, sofern sie einen hohen Beitrag zur Erzeugung und Abgabe von Energie leisten. Die Böblinger Anlage habe hier den vorgegebenen Schwellenwert für die Einstufung als Verwertungsanlage von 0,6 nicht nur erreicht, sondern um mehr als ein Drittel, überschritten, erklärt der RBB. Damit habe sich das Restmüllheizkraftwerk in die Spitzengruppe deutscher Anlagen „auf die Championsleague-Plätze vorgeschoben“.