Aus Bioabfall und Treibhausgas

Biobasierte recyclingfähige Kunststoffe gehören inzwischen in das Portfolio jedes Kunststoffherstellers. Die meisten Materialien sind jedoch nicht so leicht wiederzuverwerten. Wissenschaftler haben nun eine neue Variante auf Basis von Abfällen vorgestellt.

Forscher synthetisieren neuen Kunststoff


Forscher am Lehrstuhl Makromolekulare Chemie der Universität Bayreuth haben einen neuen, biobasierten Kunststoff entwickelt. Er trägt den Namen PLimC und soll sich für verschiedene industrielle Anwendungen eignen.

Im Prinzip besteht der Kunststoff hauptsächlich aus Orangenschalen, wie sie bei Saftherstellern anfallen. Die Forscher extrahieren daraus den Naturstoff Limonen. Der wird dann zu Limonenoxid umgewandelt und mit dem Treibhausgas Kohlendioxid kombiniert. Das Ergebnis ist Polylimonencarbonat, kurz PLimC.

Besonders für Beschichtungen geeignet

Der thermoplastische Kunststoff ist den Forschern zufolge hart, äußerst hitzebeständig und durchsichtig. Auf der anderen Seite sei er sehr umweltfreundlich und ließe sich vergleichsweise schnell von Mikroorganismen abbauen. Zudem enthalte er im Unterschied zu herkömmlichen Polycarbonaten kein gesundheitsschädliches Bisphenol A.

Besonders gut soll sich PLimC als Material für Beschichtungen eignen. So könnten etwa Anlagerungen von E.Coli-Bakterien in Behältern verhindert werden, wie sie in der medizinischen Versorgung und Pflege zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sei es für die Herstellung von Kunststoff-Implantaten interessant, von denen möglichst keine Entzündungsrisiken ausgehen sollen. Des Weiteren sind den Wissenschaftlern zufolge Polymere für Flaschen, Tüten oder Verpackungen denkbar, die sich im salzigen Meerwasser in ökologisch unbedenkliche Bestandteile auflösen und zersetzen.

Aber das sind nur einige Beispiele. Denn PLimC soll vor allem ein Grundstoff sein, „aus dem sich vielseitige Kunststoffe mit sehr spezifischen Eigenschaften entwickeln lassen“, sagt Andreas Greiner, Leiter des Bayreuther Forschungsteams. Sein Doktorand Hauenstein ergänzt: „Wenn wir gezielt neue Materialien auf der Grundlage von PLimC entwickeln wollen, sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt.“

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