Recycling 4.0

Die Erema-Gruppe stellt ein umfassendes Smart-Factory-Paket vor. Ziel ist es unter anderem, eine gleichbleibende Qualität von Recyclaten sicherzustellen. Dazu werden Maschinen- und Betriebsdaten transparent erfasst, verglichen und ausgewertet.

Erema arbeitet an der vernetzten Fabrik


Der österreichische Anbieter von Kunststoffrecyclingmaschinen Erema ruft für die diesjährige Branchenmesse K 2016 das Recycling 4.0-Zeitalter aus. Wie Erema mitteilt, präsentiere man als erster in der Kunststoff-Recyclingbranche ein umfassendes Smart Factory-Paket (englisch für die vernetzte Fabrik) für Recycler und Produzenten. Zudem werde ein System vorgestellt, mit dem die Produktivität eines gesamten Maschinenparks erfassen werden kann.

Stabile Qualität der Rezyklate

Das geschnürte Smart Factory-Paket trägt den Namen Careformance. Es baut laut Erema auf der aktuellen Anlagengeneration Intarema auf und besteht aus vier Komponenten. Die Serie Intarema wurde 2013 eingeführt und vom Hersteller mit der so genannten Counter Current-Technologie ausgestattet. Diese erfasst Maschinendaten und sorgt dadurch für stabile, gleichzeitig flexible Prozesse bei deutlichen geringerem Energieverbrauch, so Erema. Darüber hinaus könnten Automatisierungsprozesse wie Smart Start oder das Recipe Management System realisiert werden.

Die neuen Komponenten sammeln darüber hinaus noch weitere Maschinendaten: So könnten mit speziell integrierten Sensoren (QualityOn-Package) der Schmelzflussindex (MVR-Wert: Melt Volume-flow Rate), Farbe sowie Feuchte des Kunststoffs erfasst und ausgewertet werden. Der Vorteil: Recycler und Produzenten könnten ihre Rezyklate gemäß den speziellen Anforderungen ihrer Kunden in stabiler Qualität erzeugen. Zudem sei dies nun mittels Online-Datenerfassung und -Analyse transparent nachzuweisen. Des Weiteren könnten elektronisch erfasste Rezepte per Mausklick miteinander verglichen und verändert werden.

Produktivität auf einen Blick

Um die Fülle an Daten auch sinnvoll und einfach zu nutzen, hat Erema das System re360 entwickelt – die zweite Neuerung. Dabei handele es sich um ein ausgereiftes Manufacturing Execution System (MES, englisch für Produktionsleitsystem). Solche Systeme ermöglichen, eine Produktion in Echtzeit zu lenken und zu kontrollieren. Dazu werden Betriebs-, Maschinen- und Personaldaten ebenso wie Daten anderer Prozesse erfasst, die zeitnah den Produktionsprozess beeinflussen.

Das System re360 verfügt über fünf Module, die die Produktivität eines gesamten Maschinenparks erfassen. Sie bieten einen Überblick über die Auslastung beziehungsweise Stillstandzeiten der Anlagen für Geschäftsführer, dokumentiere Qualitätskennwerte der Rezyklate für den Standortleiter und weisen den Operator auf anstehende Wartungsarbeiten hin. „Essentieller Vorteil von re360 ist, dass es unabhängig vom Anlagenhersteller funktioniert“, sagt Erema-Geschäftsführer Manfred Hackl. Der Kunde könne dabei nicht nur unterschiedliche Anlagen, sondern auch seine weltweiten Produktionsstandorte einbinden.

Als weiteren Vorteil sieht der Hersteller die Verknüpfung von re360 mit dem firmeneigenen Webshop ‚Spare Parts Online‘. Anstehende Wartungsarbeiten oder der Austausch von Einzelteilen würden durch re360 rechtzeitig signalisiert. Mögliche Ersatzteile könnten dann direkt bestellt werden, um die Stillstandzeiten so gering wie möglich zu halten. Dazu seien die jeweiligen Erema-Anlagen der Kunden hinterlegt und Lieferungen aus der Vergangenheit gespeichert.

Wer sich für Careformance interessiert, kann das System live auf der K erleben. Erema will vor Ort Kunststoffabfälle recyceln und die Maschinen-, Qualitäts- und Prozessdaten auf den eigenen Messestand C05 in Halle 9 in Echtzeit übertragen.

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