Marktbericht für Edelmetalle

Gute Verkaufszahlen für Pkw in China geben dem Palladiumpreis Rückenwind. Auch der Platinpreis kletterte in der vergangenen Woche nach oben. Gold hingegen war weniger gefragt. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Rückenwind für Palladium


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold weniger gefragt und ETFs mit Abflüssen

Die Risikofreude der Investoren nimmt wieder zu: Nachdem die ersten Brexit-Schockwellen abgeklungen sind, verbuchten die Aktienmärkte in der vergangenen Woche deutliche Gewinne. Der Dow Jones – Index erreichte sogar ein neues Allzeithoch und auch der DAX kletterte wieder über 10.000 Punkte.

Besser als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftsdaten unterstützten diese Entwicklung. Sichere Alternativen wie Gold waren in dieser Marktphase weniger gefragt. Der Preis für das Metall fiel am Donnerstag bis auf 1.319,80 US-Dollar/oz, nachdem er am Montag noch bei knapp 1.375 US-Dollar/oz handelte.

Die von Thomson Reuters beobachteten ETFs verzeichneten auf Wochenbasis erstmals seit Mai Abflüsse. Auch die physische Nachfrage deutscher Investoren verharrt zunächst auf niedrigem Niveau. Während die erste Hälfte der vergangenen Woche noch von Gewinnmitnahmen geprägt war, beobachteten wir im weiteren Verlauf – parallel zum sinkenden Goldpreis – einen Anstieg des Interesses an Goldbarren.

Der gescheiterte Putsch in der Türkei am vergangenen Freitag unterstützte Gold nur kurzfristig. Das Metall beendete die Handelswoche mit 1.337,45 US-Dollar/oz, bevor es heute Morgen wieder unter 1.330 US-Dollar/oz fiel. Für die nächsten Tage schließen wir einen weiteren Rückgang nicht aus. Erste Unterstützung sollte der Preis bei 1.323 US-Dollar/oz und dann bei 1.320 US-Dollar/oz finden.

Allzeithoch der Silber ETF-Bestände

Nach der turbulenten Vorwoche konnte sich Silber auf einem Niveau über 20 US-Dollar/oz etablieren und somit die positive Entwicklung aus dem ersten Halbjahr weiter ausbauen. Im Laufe der Woche gab es eine Handelsspanne von 20,00 – 20,50 US-Dollar/oz, wobei die Marke bei 20 US-Dollar/oz heute Morgen wieder unterschritten wurde.

Eine zunächst befürchtete deutliche Korrektur des schnellen Anstiegs ist vorerst nicht erfolgt. Die ETF-Bestände haben weiterhin zugelegt: Seit Februar diesen Jahres konnte ein Zuwachs von über 55 Mio. Unzen (>10 Prozent) verbucht werden. Mit einem aktuellen Gesamtbestand laut Thompson Reuters von über 556 Millionen Unzen (ca. 17.875 Tonnen) kann Silber ein neues Allzeithoch in den ETF-Beständen vermelden.

Auch das Interesse an Münzen und Barren befindet sich weiterhin auf einem sehr robusten Niveau. Die Geschehnisse der letzten Woche in Nizza und in der Türkei hatten bisher keinen Einfluss auf die aktuelle Preisentwicklung.

Platin erreicht 13-Monats-Hoch

Platin erreichte vergangene Woche ein 13-Monats-Hoch und konnte die 1.100 US-Dollar/oz Marke touchieren. Bei nachhaltigem Überschreiten bleibt die „bullishe“ Tendenz in Takt und der Weg wäre frei für die nächsten 65 US-Dollar/oz. Die Platin-Schwammprämie bleibt unverändert zu letzter Woche, die industrielle Nachfrage ist aber weiterhin eher schleppend.

In Südafrika laufen die Lohnverhandlungen: Die AMCU (Association of Mineworkers and Construction Union) fordert eine Erhöhung des Lohns für die „Niedrigstverdienenden“ von fast 50 Prozent bzw. ein deutlich höheres Mindestgehalt, beim mittleren Lohnbereich eine Erhöhung um 15 Prozent. Die AMCU hat erneut betont, dass Streiks nicht befürwortet seien und eine gewaltfreie Einigung im Vordergrund stehe. Der Verlauf der Verhandlungen wird mit Spannung beobachtet.

Positiv für Platin waren die Autoabsatzzahlen in Europa. Einzige Ausnahme bei den guten Nachrichten war Großbritannien, wo die Verkaufszahlen im Zuge der Brexit Diskussion schon im Juni um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken sind. Im Gegensatz dazu sind laut Branchenverband ACEA (Association des Constructeurs Européens d’Automobiles) im Juni die Zahlen in ganz Europa um 6,9 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen und damit den 34. Monat in Folge im Aufwärtstrend.

Palladium auf der Überholspur

Palladium kannte in der letzten Woche nur eine Richtung und zwar nach oben. Vom „Low“ am Montag bei 613 US-Dollar/oz ging es bis Freitag auf Kurse von 655 US-Dollar/oz. Der nächste Widerstand liegt bei 665 US-Dollar/oz .

Die Palladium-Schwammprämie ist unverändert zu letzter Woche. Momentan sieht es so aus, als ob Palladium sich hier oben halten könnte.

Positiv für Platin und Palladium waren die Autoabsatzzahlen. Während Platin stärker von der europäischen Verkaufsstatistik (Dieselmotoren) profitierte, bekam Palladium vor allem Aufwind aus Asien (Benzinmotoren). Gute Nachrichten kamen dort aus China, dem weltweit größten Autoabsatzmarkt: Hier sind die Pkw-Zahlen laut China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) im Juni um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Im Halbjahresvergleich lagen dort die Pkw-Verkäufe mit 8,1 Prozent über dem Vorjahr und damit auch über vielen Prognosen.

Rhodium stabilisiert sich; Lustloser Handel bei Ruthenium und Iridium weiter gesucht

Der Rhodium Preis hat sich seit unserem letzten wöchentlichen Bericht leider nur noch seitwärts bewegt. Allerdings haben die Umsätze stark angezogen. Die industrielle Nachfrage hat deutlich zugenommen – vermutlich auch im Sog der gestiegenen Pt und Pd Preise, da sich das wirtschaftliche Umfeld post Brexit wieder etwas aufgehellt hat.

Aktuell ist der Preis stabil und sehr gut unterstützt. Allerdings gibt es aber nach wie vor – trotz des auf lange Sicht tiefen Preises – bereitwillige Verkäufer. Die Hoffnung auf stark steigende Preise bleibt daher eher gering.

Im Ruthenium gibt es weiterhin keine marktbeeinflussenden Neuigkeiten und der Preis tritt nun schon fast genau seit 1 Jahr auf der Stelle.

Es scheint, dass der Iridium-Markt inzwischen die Preisveränderung akzeptiert und verdaut hat. In den ersten Tagen danach war es merklich ruhiger, aber nun decken die Verbraucher ihre Bedarfe wieder ein und durch die neuerliche Nachfrage hat sich der Preis nochmals nach oben bewegt. Wir sind nach wie vor verhalten optimistisch, dass sich der generelle Trend weiter fortsetzt.

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