Studie

Die Rekommunalisierung der Restmüllentsorgung hat einer Studie zufolge zugenommen. Im ländlichen Raum hingegen sind vor allem private Unternehmen tätig. Der Vorwurf der Rosinenpickerei in Richtung private Entsorger sei damit widerlegt, heißt es.

Restmüllentsorgung zunehmend in kommunaler Hand


Wie aus der Untersuchung „Wettbewerb in der Restmüllerfassung: Eine empirische Analyse der Anbieterstruktur“ hervorgeht, sind kommunale Entsorgungsunternehmen für 62 Prozent der Restmüllerfassung in Deutschland zuständig. Im Vergleich zu bisher verfügbaren Statistiken zeige sich somit eine weitere Zunahme der Rekommunalisierung, schreiben die Verfasser. Die Studie wurde vom Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie unter Leitung von Professor Justus Haucap erstellt.

Insgesamt wurde die kommunale Betätigung in der Abfallwirtschaft in 9.248 deutschen Gemeinden und Städten untersucht. Ergebnis: Vor allem in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern hätten Kommunen fast vollständig die Restmüllsammlung übernommen (94 Prozent des Marktes gewichtet nach Einwohnerzahl). Am aktivsten seien dabei die kommunalen Entsorger in Hamburg und Berlin sowie in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Private im ländlichen Raum dominant

Im ländlichen Raum hingegen dominieren laut Studie vor allem private Entsorger. Den Markt teilen sich dort im Wesentlichen Remondis, Sita, Veolia und Alba auf. Gut 32 Prozent aller erfassten Gebiete würden von den vier größten Entsorgungsunternehmen bedient.

Der größte Wettbewerber ist laut Studie eindeutig Remondis (6,5 Prozent Anteil gewichtet nach Einwohnerzahl), gefolgt von Sita (rund 3,4 Prozent) und Veolia (rund 2,8 Prozent). Kleinster Anbieter sei Alba mit rund 1,7 Prozent Anteil gewichtet nach Einwohnerzahl.

Remondis dürfte aber, schreiben die Autoren, noch höhere Marktanteile besitzen. Grund: Das Unternehmen ist mindestens für Teilgebiete in vielen Landkreisen zuständig. Die genaue Verteilung sei aber aufgrund fehlender Informationen unklar. Darüber hinaus mache Remondis zusammen mit Alba den größten Anteil an Public-private-Partnerships aus.

Verdrängungsgefahr für private Entsorger

Auf Grundlage der Ergebnisse scheint der oft geäußerte Vorwurf der Rosinenpickerei in Richtung private Entsorger widerlegt. Vielmehr „deuten diese Befunde auf eine Rosinenpickerei der Kommunen hin, die sich insbesondere die dicht besiedelten profitablen Gebiete herausgesucht haben“, heißt es in der Studie. Die Autoren befürchten nun auch in anderen Bereichen der Abfallwirtschaft, etwa bei Wertstoffen, einer Verzerrung des Wettbewerbs zugunsten der Kommunen. In der Folge sei mit einer Verdrängung privater Wettbewerber zu rechnen.

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