Bilanz 2015
Der Metallrecyclingkonzern Scholz verbucht für 2015 einen deutlichen Verlustanstieg. Im Vergleich zu 2014 haben sich die Verluste um fast 90 Prozent erhöht. Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren.
Starker Verlustanstieg für Scholz
Die Scholz-Gruppe meldet für das Geschäftsjahr 2015 einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis. Nach Angaben des Unternehmens sind die Umsatzerlöse im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro gefallen. Im Jahr 2014 beliefen sich die Erlöse noch auf 3,12 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von 91,3 auf 70,5 Millionen Euro.
Stark belastet wurde auch die Ertragslage nach Steuern. Aufgrund von hohen Wertkorrekturen auf Forderungen gegenüber Kunden sowie außerplanmäßigen, nicht liquiditätswirksamen Abschreibungen auf Firmenwerte erhöhten sich die Abschreibungen um 78 Prozent auf 172,0 Millionen Euro. Infolgedessen rutschte der Verlust nach Steuern auf 232 Millionen Euro im Jahr 2015 ab. Das bedeutet eine Verschlechterung um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2014: 123 Millionen Euro).
„Herausforderndes Geschäftsjahr“
Wie Scholz hervorhebt, bewegt sich die Metallschrottbranche in einem unverändert schwierigen Marktumfeld. Zwischen Juni und November 2015 seien die Stahlschrottpreise um fast 50 Prozent gefallen. Angesichts dieses Umfelds und aufgrund der getätigten Desinvestments nahm die umgeschlagene Tonnage von 8,33 Millionen Tonnen (2014) um 13 Prozent auf 7,24 Millionen Tonnen (2015) ab.
Auch für 2016 rechnet die Scholz-Gruppe mit einem „herausfordernden Geschäftsjahr“. Beeinflusst durch das anhaltend niedrige Preisniveau auf den Schrottmärkten wird von einem weiteren Rückgang des Konzernumsatzes ausgegangen. Dabei wirken sich auch die Verkäufe von nicht-strategischen Beteiligungen aus, durch die sich die Gruppe auf ihre Kerngeschäfte fokussiert. Für das normalisierte, also um Sonder- und Einmaleffekte bereinigte, operative Ergebnis (EBITDA) erwartet der Konzern ein Niveau „oberhalb von 70 Millionen Euro“.
Ziel ist tragfähiges Verschuldungsniveau
Wie es weiter heißt, sei das Geschäftsjahr 2015 bei Scholz noch einmal von der laufenden operativen und finanziellen Restrukturierung geprägt gewesen. Die geplante Übernahme der Scholz-Gruppe durch die Chiho-Tiande Group (CTG) verlaufe weiterhin nach Plan. CTG ist der führende chinesische Recycler und Importeur gemischter Altmetalle und größter Ankäufer alter Elektromotoren aus Europa.
CTG hat mit 524 Millionen Euro den weitaus größten Teil der besicherten Finanzverbindlichkeiten erworben und ist damit jetzt der größte Einzelgläubiger der Scholz-Gruppe. Zur Sicherung der laufenden Geschäfte hat Chiho-Tiande zudem einen Überbrückungskredit von 80 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Obendrein finanziert CTG Zahlungen von bis zu 16 Millionen Euro für die Anleihegläubiger der Scholz-Gruppe zur abschließenden Befriedigung ihrer Forderungen.
Als Teil des Restrukturierungsprozesses hat CTG ihre Absicht mitgeteilt, die Kontrolle über die Scholz-Gruppe zu übernehmen. Zusammen mit einem erheblichen Forderungsverzicht durch CTG würde dies zur deutlichen Entschuldung und signifikanten Verbesserung der Kapitalstruktur der Scholz- Gruppe verbunden mit einer deutlichen Stärkung des Eigenkapitals führen, betont die Scholz-Holding.
Nach jetziger Planung sollen sich die Finanzschulden der Gruppe durch die mit den Gläubigern einschließlich CTG vereinbarten Restrukturierungsmaßnahmen von rund 960 Millionen Euro (per 31. Dezember 2015) um rund 50 Prozent auf deutlich weniger als 500 Millionen Euro reduzieren. Dies werde zu einer signifikanten Reduzierung der Zinslasten führen, erklärt Scholz. Der Metallrecycler hätte damit nach eigenen Angaben ein „dem reduzierten Geschäftsvolumen angemessenes und tragfähiges Verschuldungsniveau sowie ein positives Eigenkapital“. Das Engagement von CTG sei für die Scholz-Gruppe somit die Basis, den Turn-around abzuschließen und die operativen Geschäfte wieder voranzutreiben.
