Entsorgung von Sonderabfällen
Die Aushubarbeiten auf der Sondermülldeponie Bonfol sind beendet. Das teilte die zuständige Sanierungsgesellschaft mit. Endgültig abgeschlossen ist eines der größten europäischen Sanierungsprojekte aber noch lange nicht.
Aushub der Deponie Bonfol abgeschlossen
Ende August war es soweit: Die letzte Tonne giftiger Chemieabfälle auf der Sondermülldeponie in der schweizerischen Gemeinde Bonfol wurde ausgehoben. Für die 202.200 Tonnen Abfall und vermischtes Material benötigte die zuständige Gesellschaft, die im Auftrag der Baseler Chemische Industrie (BCI) handelt, mit ihren Sanierungspartnern fünf Jahre. Mit der HIM war daran auch maßgeblich ein deutsches Unternehmen beteiligt.
Auf der Sondermülldeponie Bonfol lagerte die Baseler Chemische Industrie – Novartis, Roche, Syngenta, Clariant, Henkel, Rohner Chem, Cabb und BASF – zwischen 1961 und 1976 gut 114.000 Tonnen Abfall ab. Dabei handelte es sich um giftigen Chemiemüll, der als loses Material offen und gemischt oder in Fässern in die ehemalige Tongrube verbracht wurde. Für die Sanierungsarbeiten, die im Frühjahr 2010 begannen, waren daher spezifische Sicherheitsmaßnahmen notwendig.
Unter anderem wurde der Abfall mittels ferngesteuertem Kran-Greifer-System unter einer speziellen Hallenkonstruktion ausgehoben. Per ferngesteuertem Bagger wurden Sortierwanne und Shredder gefüllt. Schließlich gelangte der Abfall über ein Loren-Kipp-System in die Transportcontainer. Diese wurden extra von der HIM entwickelt. Im Einsatz waren in Bonfol 624 geruchsdichte ADR/RID-konforme Container (Druckausgleich über Aktivkohlefilter).
Verbrennung in Deutschland und Belgien
Zuständig für Aushub und Bau der Halle waren der Baukonzern Martin Bau und das Stahlbauunternehmen Züblin. Die Analytik vor Ort sowie die Vorbehandlung des Materials übernahm als Subunternehmer der HIM die Chiresa AG. Für Transport/Logistik und die eigentliche Entsorgung zeichnete die HIM-Gesellschaft verantwortlich. Letztlich gingen die 114.00 Tonnen toxischer Abfall in drei Sonderabfallverbrennungsanlagen: in das hessische Biebesheim (HIM), nach Hamburg (AVG) und ins belgische Antwerpen (Indaver). Zusätzlich musste dort Bodenmaterial wie Ton mit verbrannt werden, da es laut bci-Betriebsgesellschaft von den Abfällen nicht mehr getrennt werden konnte.
Daneben wurden in Bonfol 84.000 Tonnen leicht oder mittelschwer verunreinigtes Bodenmaterial ausgegraben. Rund 78.000 Tonnen leicht verunreinigtes Erdreich ließ die bci-Betriebsgesellschaft in Schweizer Zementwerken entsorgen. Die restlichen circa 6.000 Tonnen verunreinigtes Tonmaterial vom Deponiedeckel und aus dem Deponiesaum seien zur thermischen Bodenbehandlung in die Niederlande gegangen.
Weitere zehn Jahre Kontrolle nötig
„Mit großer Freude kann ich bekanntgeben, dass der Aushub der Abfälle – die grösste Herausforderung der Sanierung der Sondermülldeponie Bonfol – abgeschlossen ist. Ich danke dem Team vor Ort für seine professionelle Arbeit und die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen“ sagte Michael Fischer auf einer Presskonferenz vergangene Woche. Dennoch gab der Geschäftsführer der bci-Betriebsgesellschaft zu Bedenken, dass es bis zum endgültigen Abschluss der Sanierung noch zahlreiche Arbeiten zu erledigen gebe.
So müssten noch Oberflächen des tönernen Deponiesaums im Norden der Grube beprobt werden. In der Vergangenheit sei dieser Teil durch Kontakt mit Abfällen und durch das Sickerwasser verunreinigt worden. Wo nötig soll abgetragen werden, bis die von den Behörden vorgegebenen Grenzwerte erreicht sind. Darüber hinaus sollen Sandeinschlüsse im Ton (Sandlinsen) auf Verunreinigungen untersucht werden.
Abschließend sollen die Oberflächen und Geräte, die im Kontakt mit den Abfällen standen, dekontaminiert sowie Messungen der Luftqualität durchgeführt werden. Die Betriebsgesellschaft geht davon aus, dass die Hauptarbeiten zur Dekontamination und zum Abbau der Infrastruktur bis Ende 2017 dauern. Mittelfristig ist geplant, die Nordseite der Tongrube teilweise zu verfüllen und auf einer Fläche von 15 Hektar bis 2019 wiederaufzuforsten.
Grundwasser und der Oberflächengewässer müssen mindestens für die nächsten zehn Jahre überwacht werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Sondermülldeponie Bonfol belaufen sich inklusive der Sanierungsnachsorge auf rund 348 Millionen Euro.



