Marktbericht für Edelmetalle

Die Preise für Platin und Palladium sind in der vergangenen Woche deutlich gefallen. Aufwärts ging es hingegen für Gold und Silber. Sie profitierten von den Wirtschaftsdaten aus den USA. Der Marktbericht für Edelmetalle.

Schwache Woche für Platin und Palladium


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

US-Wirtschaftsdaten beeinflussen Goldpreis

Wirtschaftsdaten aus den USA halten den Goldmarkt weiterhin in Atem. Während die US-Arbeitsmarktdaten des Dienstleisters ADP am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Erwartungen lagen, enttäuschten am Freitag die offiziellen Beschäftigungszahlen. Dies dämpfte die Spekulationen auf eine Erhöhung der US-Leitzinsen noch im laufenden Monat.

Das Reaktionsmuster ist inzwischen bekannt: Der US-Dollar verliert an Wert, während Aktien und Gold profitieren. Das Edelmetall kletterte in der Spitze bis auf 1.328,70 US-Dollar/oz und näherte sich damit dem signifikanten Widerstand bei 1.330 US-Dollar/oz. Gold konnte damit die Wochenverluste mehr als ausgleichen, nachdem es am Donnerstag noch bis auf 1.301,90 US-Dollar/oz gefallen war. Wir halten eine Erhöhung der US-Leitzinsen weiterhin für unwahrscheinlich und erwarten einen solchen Schritt erst gegen Ende dieses Jahres. Grundsätzlich dürfte diese Entwicklung den Goldpreis bis dahin unterstützen.

Während ETFs in den vergangenen Tagen Abflüsse verbuchten, erholte sich das Kaufinteresse deutscher Anleger leicht vom niedrigen Niveau der Vorwochen. Auch die asiatische Nachfrage legte wieder leicht zu, während gleichzeitig das Angebot von Altgold parallel zum fallenden Goldpreis abnahm. In Indien sank der Abschlag des lokalen Goldpreises zum internationalen Preis auf das niedrigste Niveau seit drei Monaten.

Silber wieder im Aufwind nach US-Arbeitsmarktzahlen

Silber konnte sich nach den US-Beschäftigten-Zahlen am Freitag wieder über der 19 US-Dollar/oz Marke etablieren und beendet die vergangene Woche mit 4,3 Prozent im Plus. Der Weg für Silber zurück in Richtung 20 US-Dollar/oz ist nun wieder frei.

Das Investoreninteresse ist weiterhin ungebrochen. Die ETF Bestände verzeichnen fortwährend höhere Allzeithochs. Diese Woche liegt der Fokus auf der EZB-Sitzung am Donnerstag. Es wird bereits darüber spekuliert, dass Draghi das Anleihen-Kaufprogramm über März 2017 hinaus ausweiten wird, da die Inflation in Europa weit hinter den Zielen zurück bleibt. Der nächste Widerstand nach oben liegt beim 30-Tage Durchschnitt und Fibo-Retracement Level um 19,60 US-Dollar/oz, während Unterstützung bei 18,40 US-Dollar/oz zu erwarten ist.

Schwache Absatzzahlen aus der US-Automobilbranche lassen Platin schwächeln

Platin verlor im Verlauf der vergangenen Woche über 30 US-Dollar/oz und damit ca. 3 Prozent. Am Freitag handelte es unter 1.050 US-Dollar/oz, den tiefsten Stand seit Anfang Juli. Das war die fünfte Woche in Folge in der Platin Verluste verbuchen musste.

Eine Begründung hierfür geben die unter der Woche veröffentlichten US-Absatzzahlen der Automobilbranche, bei denen ein Rückgang von über 4 Prozent zu verzeichnen war. Erst nach den deutlich schwächeren US-Arbeitsmarktzahlen am Freitagnachmittag konnte Platin sich wieder erholen und am Montagmorgen den Sprung auf 1.070 US-Dollar/oz schaffen.

Unterstützung erfuhr Platin von dem europäischen Automobilmarkt. In Deutschland lagen die Pkw-Zulassungen 8,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Darüber hinaus wurde in Europa das stärkste 1. Halbjahr seit 2008 beim Neuwagenverkauf verzeichnet. Die ETF-Bestände sind nahezu unverändert im Vergleich zur Vorwoche.

Palladium wieder unter 700 US-Dollar/oz

Palladium konnte seinen Aufwärtstrend von Mitte August nicht fortsetzen. In der letzten Augustwoche sind die Preise wieder nachhaltig unter die Marke von 700 US-Dollar/oz gefallen und handelten am Freitag mit Kursen um die 655 US-Dollar/oz so niedrig wie das letzte Mal in der zweiten Julihälfte dieses Jahres. Charttechnisch liegt bei 653 US-Dollar/oz ein Widerstand. Dieser hat in der vergangenen Woche erst einmal gehalten.

Die Palladium-Schwammprämie bleibt unverändert. Bisher zeigt sich die Nachfrage nach Palladium aus der Industrie noch eher verhalten. Wenig Unterstützung kam von den US Automärkten. Nach einem starken Juli wurde ein deutlicher Rückgang der Verkaufszahlen von über 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet. Experten gehen davon aus, dass der US-Automobilabsatzmarkt seinen Höhepunkt erst einmal erreicht hat.

Rhodium zieht etwas an; Ruthenium weiterhin regungslos und Iridium mit geringer Verfügbarkeit

Rhodium hat in den vergangenen 2 Wochen weiter etwas anziehen können. Die Nachfrage, besonders aus der Automobil- und der Chemischen Industrie, war auf einem hohen Niveau. Die etwas festeren Kurse werden aber nach wie vor von primären und sekundären Produzenten als Verkaufsgelegenheit genutzt. Im Vergleich zu den anderen Metallen bleibt die Bewegung immer noch im Rahmen und löst keine größeren Marktaktivitäten aus.

Ruthenium hat trotz des einen oder anderen größeren Geschäfts keine nennenswerten Aktivitäten vorzuweisen und handelt immer noch auf demselben Preis.

Iridium ist in einer sehr speziellen und bisher noch selten dagewesenen Marktkonstellation. Durch eine, bisher unbestätigte, größere Transaktion vor einigen Wochen, ist der Markt inzwischen fast wie leergefegt und die Verfügbarkeit ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Umsätze finden daher nur noch sehr begrenzt und in kleinem Volumen statt. Der Preis zieht weiter an, aber durch fehlende Liquidität ist es für alle Marktteilnehmer schwer sich hier zu positionieren. Unseres Erachtens wird dies noch eine Weile andauern, bis sich das Geschehen beruhigen wird. Bis dahin dürfte der Iridiumpreis in einem nervösen Umfeld bei Umsätzen mit geringen Mengen auf einem sehr hohen Level bleiben.

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