Fehlende Standsicherheit
Die Altdeponie Lattenberg droht abzurutschen. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium hat deshalb den Rückbau der Ablagerung im Hochsauerlandkreis angeordnet. Insgesamt lagern dort mehr als 200.000 Kubikmeter Abfälle.
Altdeponie in Arnsberg muss zurückgebaut werden
Weil die Standsicherheit der Altdeponie Lattenberg in Arnsberg nicht mehr gewährleistet ist, reagieren nun die Behörden. Wie das nordrhein-westfälische Umweltministerium mitteilte, habe man mit dem Hochsauerlandkreis, der Bezirksregierung Arnsberg sowie dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW den Rückbau angeordnet. „Untersuchungen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie 2016 haben bestätigt, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist und es ein erhebliches und nicht kalkulierbares Restrisiko eines Abrutschens gibt“, erklärte Peter Knitsch, Staatssekretär im Umweltministerium.
Auf der Altdeponie Lattenberg, die sich im Staatswaldgebiet des Landes befindet, lagern mehr als 200.000 Kubikmeter Abfälle. In den Jahren 1967 bis 1987 wurden dort Produktionsrückstände aus der Herstellung von Zellstoffen für die Papierproduktion (Westfälischen Zellstoff AG) deponiert. Aufgrund der Zusammensetzung der Abfälle und deren Konsistenz sowie des unverdichteten Einbaus und der gegebenen Geländeneigung kam es bereits mehrfach in den vergangenen Jahrzehnten zu Rutschungen der Abfallmassen, die sich bis zur Ruhr ausgewirkt haben.
Wie das Umweltministerium erklärt, war das Gelände über den gesamten Zeitraum der Ablagerung mit keinerlei Basisabdichtung, unzureichender Sickerwassererfassung oder sonstige dem Umweltschutz und der Standfestigkeit dienenden „Deponie“-Einrichtungen ausgestattet. „Damit reiht sich diese Ablagerung leider in die Vielzahl von Altablagerungen aus der Zeit vor Inkrafttreten des Abfallbeseitigungsgesetzes ein, die es in Nordrhein-Westfalen noch gibt“, kritisierte Staatssekretär Knitsch.
Konkrete Maßnahmen beschlossen
Bisher hatten Gutachten stets ergeben, dass die Standsicherheit gegeben sei, betont das Umweltministerium. Untersuchungen der Bezirksregierung Arnsberg aus 2015 und des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen aus 2016 kamen hingegen zu dem Schluss, dass die Standortsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Daraufhin leitete das Umweltministerium in Übereinstimmung mit den beteiligten Behörden das Verfahren zum Rückbau ein.
Daneben wurden weitere Maßnahmen zur Abwehr einer Gefahr für Mensch und Umwelt beschlossen. Hierzu zählt die Einrichtung eines Frühwarnsystems, um bei einer Gefahrenlage kurzfristige Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Eine akute Gefahr des Abrutschens der Altdeponie bestehe nach Auffassung des Gutachters aufgrund des Wasserstandes in der Alt-Ablagerung aber nicht. Darüber hinaus wurden noch weitere Maßnahmen beschlossen:
- Rückbau
Der Rückbau wird durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen als Eigentümerin des Geländes in Auftrag gegeben. Der Rückbau der Alt-Ablagerung werde mehrere Jahre dauern und die Kosten werden im zweistelligen Millionenbereich liegen, erklärt das Ministerium. Die damals für die Errichtung dieser in jeder Hinsicht technisch unzulänglichen Lagerstätte verantwortlichen Personen, Firmen und Institutionen seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mehr haftbar zu machen. Mögliche Regressansprüche würden aber unabhängig davon noch einmal geprüft.
- Betretungsverbot
Das Betretungsverbot für das Areal der Alt-Ablagerung Lattenberg wird ausgeweitet.
- Frühwarnsystem
Schon in den letzten Jahren seien die Wasserstandslinien in regelmäßigen Abständen untersucht worden. Diese Prüffrequenz wird nun noch einmal erhöht und darauf aufbauend ein Frühwarnsystem installiert, um bei akuter Gefahrenlage die Bewohnerinnen und Bewohner der im Abflussbereich liegenden Bebauung informieren zu können.
- Abpumpen
Um die Wassermassen in der Altablagerung zu reduzieren, wird geprüft, ob Anlagen installiert werden sollen, die das Abpumpen ermöglichen, um das Erreichen kritischer Wasserstände zu vermeiden.
- Sicherungsmaßnahmen
Darüber hinaus werden derzeit weitere Maßnahmen geprüft, etwa der Schutz von Gebäuden und Menschen durch die Einrichtung einer Prallwand. Ein Gutachten zu möglichen weiteren Sicherungsmaßnahmen wird in den nächsten Wochen erwartet. Der Landtag wurde heute durch einen Bericht des Umweltministeriums über die eingeleiteten Maßnahmen informiert.





