Marktbericht für Edelmetalle

Der Silberpreis musste in der vergangenen Woche deutliche Einbußen hinnehmen. Auch der Goldpreis gab nach. Wenig besser verlief es für den Platin- und Palladiumpreis. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Preiseinbruch für Silber


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

US-Dollar belastet Goldpreis

Die neu aufgekommene US-Dollarstärke belastet derzeit den Goldpreis. Auslöser waren zum einen Äußerungen der britischen Premierministerin zum weiteren Brexit-Fahrplan. Zum anderen sehen einige US-Notenbanker nach positiven Konjunkturdaten eine Leitzinserhöhung nun doch in näherer Zukunft als weithin erwartet.

Ob ein solcher Schritt noch tatsächlich vor den Präsidentschaftswahlen erfolgt, halten wir für fraglich. Der Goldpreis durchbrach in diesem Umfeld zahlreiche charttechnisch wichtige Marken auf dem Weg nach unten: Den 100-Tage-Durchschnittspreis bei 1.310 US-Dollar/oz, die psychologisch wichtige Marke bei 1.300 US-Dollar/oz und den 200-Tage-Durchschnittspreis bei 1.259 US-Dollar/oz.

Auch enttäuschend ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten unterstützten das Edelmetall am Freitagnachmittag nur kurzfristig. Mit 1.241,20 US-Dollar/oz handelte Gold so niedrig wie zuletzt am 8. Juni dieses Jahres. Auf Wochenbasis verlor das Metall so viel an Wert wie seit Juni 2013 nicht mehr.

Parallel zum fallenden Goldpreis beobachteten wir einen deutlichen Anstieg des mittel- bis langfristig orientierten physischen Kaufinteresses: Investoren fragten besonders Barren zwischen 1 Unze und 1 kg nach, während industrielle Verbraucher den niedrigeren Preis für Absicherungsgeschäfte nutzten. Auch ETF-Anleger stockten ihre Bestände zum Wochenschluss auf. Kurzfristiger orientierte Marktteilnehmer wie Hedgefonds reduzierten hingegen ihre auf steigende Preise ausgerichteten Positionen auf das niedrigste Niveau seit Anfang Juni.

Für diese Woche schließen wir einen weiteren Preisrückgang nicht aus.  Unterstützung sollte der Goldpreis zunächst wieder um 1.240 US-Dollar/oz finden, bevor ein Test von 1.217 US-Dollar/oz in Reichweite kommt.

Erdrutschartiger Wertverlust beim Silber

Silber verlor vergangene Woche vor allem aufgrund der US-Dollar-Stärke 8,50 Prozent bzw. 1,60 US-Dollar/oz an Wert. Der erdrutschartige Fall kam erst bei dem 200-Tagesdurchschnitt bei 17,17 US-Dollar/oz zum Halten, welcher nun auch die derzeitige charttechnische Unterstützung markiert.

Auch das Gold-Silber Ratio verschlechterte sich wieder von 67,2 auf 71,5, da Silber in altbekannter Manier die Bewegung von Gold überzeichnete. Preislich ist Silber nun wieder auf dem Level von Juni, vor der schnellen Aufwärtsbewegung, die bis über 20 US-Dollar/oz ging.

Zinsseitig hat die Fed auf ihrer letzten Sitzung signalisiert, die Zinsen bei der nächsten Entscheidung am 2. November anheben zu wollen, was zum Preisverfall bei den Metallen beigetragen hat. Grundsätzlich bleibt die Geldpolitik weltweit weiter expansiv und dürfte mit dazu beitragen, Silber zum Jahresende wieder höher notieren zu lassen.

Platin lehnt sich der Goldpreis-Entwicklung an

In der vergangenen Woche konnte die Preisbewegung beim Platin mühelos den psychologischen Unterstützung bei 1.000 US-Dollar/oz aushebeln und ein Preisniveau bei 960 US-Dollar/oz erreichen. Eine relativ deutliche Unterstützung bei 950 US-Dollar/oz sollte halten und vielleicht auch die „Bargain-Hunter“ auf den Plan rufen. Der Aufschlag des Platins gegenüber Palladium fiel dann auch auf 303 US-Dollar/oz (1-Jahres-Tief).

Zur Erinnerung: Im Juli handelten wir noch bei einer Differenz von 480 US-Dollar/oz. Somit lehnte sich das Metall erneut an die Bewegung des Goldes an, welches aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed den Weg nach unten antrat. Gegen Wochenschluss erfuhr das Platin jedoch wieder etwas Aufwind und handelte auf einem Niveau von 975 US-Dollar/oz.

Die „National Union Mineworkers“ (NUM) haben sich auf einen 2-Jahresvertrag mit Impala Platinum Limited Refineries geeinigt. Kurzfristig in der letzten Woche angesetzte Streiks konnten somit relativ zügig beendet werden. Einem Versorgungsengpass beim Platin konnte so entgegengewirkt werden.

Auch Palladiumpreise sinken deutlich

Der drohende Streik in Südafrika ist abgewendet. Mit dieser an sich guten Nachricht, aber auch einer stagnierenden Automobilbranche in den USA kannte der Palladiumpreis seit Anfang der Woche nur eine Richtung und zwar nach unten.

Im September sanken in den USA die Automobilumsätze und der Absatz gegenüber dem Vorjahr. Anfang der Woche sahen wir noch Kurse knapp unter der 730 US-Dollar/oz Marke, Ende der Woche lagen diese nur noch bei knapp über 660 US-Dollar/oz.

Bei 648 US-Dollar/oz ist die nächste Unterstützung, wo dann auch wieder Kaufinteresse in den Markt kommen könnte. Im Moment sehen wir eine noch eher verhaltene Nachfrage, obwohl der Palladiumpreis auf den niedrigsten Kursen seit drei Wochen handelt. Lediglich bei den PGM-ETFs war leicht steigende Nachfrage für Palladium mit einem Zufluss von mehr als 3.700 ozs zu verzeichnen.

Sinkender Rhodiumpreis mit anderen Platinmetallen, keine Impulse für Ruthenium, Iridium stabil

Unser Ausblick für Rhodium im letzten Report auf leicht festere Kurse hat sich leider nur so lange bewahrheitet, bis es zu einem größeren „Sell-off“ von Platin und Palladium kam. Dieser Preissturz in der vergangenen Woche ging auch an Rhodium nicht spurlos vorüber. Der Preis hat aber bisher nur 25 US-Dollar nachgegeben, was vergleichsweise moderat war. Wir sehen auf der tieferen Basis erste Käufer zurückkehren und sind für die Zukunft verhalten optimistisch, zumindest auf eine Stabilisierung des aktuellen Kurses.

Keine Neuigkeiten bei Ruthenium; die Umsätze sind auf einem normalen Niveau und es fehlen weiterhin die Impulse für eine Änderung des Marktsentiments.

Bei Iridium hat sich die Gesamtlage leider nur wenig verändert. Es fehlt nach wie vor Liquidität, um den Markt wieder in eine bessere Situation zu bringen. Allerdings könnte das Ausbleiben von einem weiteren rasanten Preisanstieg dazu führen, dass sich erste Marktteilnehmer von Positionen trennen und sich dahingehend die Situation zumindest leicht verbessert. Die Minen werden vermutlich interessiert sein, verfügbare Mengen zu verkaufen, um die Unruhe aus dem Markt zu nehmen und langfristige Verbraucher nicht zu verunsichern.

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