Stahlproduktion

Die Stahlkonjunktur ist im Begriff, sich zu stabilisieren. Inzwischen ist auch der Abwärtstrend der Elektrostahlproduktion nahezu gestoppt. Doch die positiven Signale ändern nichts an der Notwendigkeit, die Strukturprobleme zu lösen, wie die Stahlindustrie anmahnt.

Stahlkonjunktur: „Zarte positive Signale“


Die Elektrostahlproduktion in Deutschland belief sich bis Ende September dieses Jahres auf 9,549 Millionen Tonnen. Das bedeutet ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie aus aktuellen Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl hervorgeht. Damit hat sich der Abwärtstrend im Laufe dieses Jahres etwas abgeschwächt. Im Vergleich dazu ist die Produktion von Oxygenstahl mit einem Minus von 2,0 Prozent etwas stärker rückläufig.


rohstahlproduktion-oktober-2016

Rohstahlproduktion in Deutschland, Oktober 2016; Quelle: WV Stahl

Ob die leichte Stabilisierung sich in einen Aufwärtstrend drehen kann, hängt nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl von den kommenden Wochen und Monaten ab. „Es stehen politische Entscheidungen an, die für die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland und Europa Weichenstellungen sein werden“, erklärt Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff. „Die zarten positiven Signale für die Stahlkonjunktur ändern nichts an der dringenden Notwendigkeit, dass die Politik in Brüssel und Berlin den richtigen Rahmen für die Zukunft setzen muss.“

Gravierend seien unter anderem die Strukturprobleme in der globalen Stahlindustrie. Die chinesische Staatswirtschaft stehe für zwei Drittel der weltweiten Überkapazitäten und müsse sich endlich stärker ihrer Verantwortung für die globale Stahlkrise stellen, so die Wirtschaftsvereinigung. China habe in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 mit lediglich fünf Millionen Tonnen netto nicht mehr als etwa 0,5 Prozent seiner Kapazitäten abgebaut.

„China muss aufhören, seine Strukturprobleme in Form von Dumpingstahl zu exportieren. Erst wenn sich dieses Land marktwirtschaftlich verhält, sollte es als Marktwirtschaft anerkannt werden“, sagt Kerkhoff. Zur Herstellung fairer Wettbewerbsbedingungen brauche die EU ein Handelsschutzinstrumentarium, das wesentlich effektiver und damit auf Augenhöhe mit dem Rest der Welt sein müsse. Dafür seien jetzt die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten im Europäischen Rat gefordert.

„Eigentlich gut für die Zukunft aufgestellt“

Weltweit vergleichbare Wettbewerbsbedingungen fordert der Verbandspräsident auch mit Blick auf den Klimaschutz: „Es kann nicht sein, dass wir in Europa der Stahlindustrie Hürden in Form von Anforderungen jenseits des technisch und physikalisch Machbaren aufbauen und dadurch außereuropäischen Herstellern mit einer wesentlich schlechteren  CO2-Bilanz Wettbewerbsvorteile geben.“ Die industriefeindlichen Vorschläge der EU Kommission zur Ausgestaltung des Emissionsrechtehandels nach 2021 seien besorgniserregend.

„Der Stahl in Deutschland ist eigentlich gut für die Zukunft aufgestellt; jedoch kann die Stahlindustrie ihre Innovationskraft und die Chancen der Digitalisierung nur ausspielen, wenn die europäische Politik sie auch lässt“, so Kerkhoff.

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