Marktbericht für Edelmetalle

Die Edelmetallpreise standen in der vergangenen Woche unter dem Eindruck der US-Präsidentschaftswahl. Der große Verlierer heißt Gold. Lediglich Palladium und Rhodium konnten dem allgemeinen Abwärtstrend bei den Edelmetallpreisen etwas entgegensetzen. Der Marktbericht für Edelmetalle.

Trump-Wahl drückt Edelmetallpreise


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Verlierer der US-Wahl: Gold

Und es kam anders als erwartet: Donald Trump wird neuer US-Präsident und der Goldpreis profitiert hiervon nur kurzfristig. Nach einem Anstieg auf 1.337,40 US-Dollar/oz am frühen Mittwochmorgen fiel der Preis für das Edelmetall zum Wochenschluss bis auf 1.219,40 US-Dollar/oz und damit unter das Niveau vor der Wahl.

Ähnlich kurzfristig fiel die direkte Reaktion der Aktienmärkte auf das Wahlergebnis aus. Nach unmittelbaren Kurseinbrüchen erreichte der Dow Jones Index am Donnerstag ein „All-Time-High“. Auch der US-Dollar wertete deutlich auf und legte gegenüber dem Euro bis auf 1,0890 zu, nachdem er am Donnerstag noch bei 1,13 gehandelt hatte.

Woher kommt der plötzliche Optimismus? Hatten sich doch die Marktteilnehmer zuvor bei einem solchen Wahlausgang noch mit ihren Negativprognosen übertroffen.

Eine Begründung für die aufkeimende Risikobereitschaft ist die Hoffnung, dass von Trump im Wahlkampf versprochene Steuersenkungen, Deregulierung der Banken und Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung der US-Konjunktur einen Schub geben könnten. Diese Erwartungshaltung ließ bereits das reale Zinsniveau – also den um die Inflationsrate bereinigten Nominalzins – in den USA deutlich ansteigen. Eine Erhöhung der US-Leitzinsen im Dezember wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent eingepreist.

Das macht Gold als Investment unattraktiv und könnte den Preis für das Metall  kurzfristig weiter unter Druck setzen. Heute Morgen fiel der Preis bis auf 1.212 US-Dollar/oz. Auf kurze Sicht schließen wir einen Rückgang unter die 1.200er Marke nicht aus. Spätestens auf diesem Niveau sollte die einsetzende physische Nachfrage Unterstützung bieten. Bereits auf dem aktuellen Preisniveau registrieren wir einen deutlichen Anstieg des chinesischen Kaufinteresses. Erst bei einem Anstieg über 1.280 US-Dollar/oz (200-Tage-Durchschnitt) wäre der kurzfristige Abwärtstrend beendet.

Silber: Charttechnische Unterstützung durchbrochen

Silber durchbrach am Freitag den seit einem Monat währenden Aufwärtstrend nach unten. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 17.64 US-Dollar/oz hatte zuvor mehrfach als Unterstützung gehalten und stellt nun den Widerstand nach oben dar. Auch das Gold-Silber Ratio verschlechterte sich wieder auf über 70, nachdem Silber die Wochen zuvor noch deutlich stärker als Gold handeln konnte.

Anders als für Gold kam für Silber Unterstützung sowohl von der rasanten Rallye in Basismetallen (allen voran Kupfer mit +20 Prozent binnen zwei Wochen), als auch vom makroökonomischen Umfeld. Denn mit dem neugewählten Präsident Trump besteht der Ausblick auf höhere Staatsausgaben durch ein umfassendes Infrastruktur- und Konjunkturprogramm. Geldpolitisch lässt dies jedoch die Inflations- und Zinserwartungen steigen. So sind mittlerweile die Zinserhöhung der Fed im Dezember sowie zwei weitere Anhebungen in 2017 eingepreist. Der dadurch stärker werdende US-Dollar zog letztendlich dann auch das Silber herunter.

Unklare Richtung beim Platin

Auf den Wahldienstag in den USA folgte ein Anstieg des Platin-Preises, der ein Niveau von 1.022 US-Dollar/oz (5-Wochen-Hoch) erreichte. Platin verlor jedoch im Laufe der Woche fast genauso schnell wieder an Wert. Die Nervosität bzw. Volatilität brachte das Metall auf ein Niveau von unter 955 US-Dollar/oz zurück.

Die Goldbewegung bleibt weiterhin entscheidend für die Richtung des Platins. Mitverantwortlich sind hier aber auch die Information über den Anstieg der südafrikanischen Ausbringung im September um 3,4 Prozent. Demgegenüber stieg der gesamte PGM-Output im gleichen Zeitraum um 10,5 Prozent. Gleichzeitig erreichte der Südafrikanische Rand gegen den US-Dollar ein 3 Monats-Hoch. Jedoch fielen die europäischen Autoverkaufszahlen im Oktober um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wobei Deutschland sogar minus 6 Prozent und Frankreich minus 4 Prozent verzeichneten.

Steigende Industrienachfrage beim Palladium erwartet

Im Vergleich zum Rest der großen Metalle ist Palladium das einzige Metall, bei dem es letzte Woche nur bergauf ging. Bereits am Montagabend gab es den ersten massiven Preisanstieg. Tagsüber bewegte sich das Metall um Kurse bei 630 US-Dollar/oz, bis es dann auf über 655 US-Dollar/oz anstieg.

Im Vordergrund stand jedoch wie bei allen anderen Kursen die Präsidentenwahl in den USA. Palladium reagierte am Dienstag allerdings erst einmal gar nicht auf die Nachrichten aus den USA und handelte eher seitwärts. Danach ging es allerdings kontinuierlich nach oben. Die Marke von 700 US-Dollar/oz wurde bisher nur ganz knapp verpasst, was sicherlich eine Überraschung war. So hatte man im Falle eines Sieges von Trump zuerst eher mit schwächeren Palladium-Preisen gerechnet.

Eine mögliche Erklärung könnte hier sein, dass Investoren und die physische Nachfrage auf den niedrigen Kursen wieder in Schwung kamen und mit dem Trump Sieg auch Nachfrage speziell von Industrieseite wieder in Gang kommen könnte. Außerdem sind die Autoabsatzzahlen in China im Oktober um 18,7 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen. Da es unklar ist, ob die Steuervergünstigungen dort auch noch in 2017 gelten werden, wird auch bis Jahresende weiter mit guten Zahlen gerechnet. Am Freitag fiel der Palladium-Preis dann wieder bis auf Kurse um die 680 US-Dollar/oz, was u.a. von Gewinnmitnahmen und den schwächeren Gold- und Platinpreisen getrieben war.

Rhodium mit beachtlicher Performance, Ruthenium ohne Impulse, Iridium in beruhigterem Markt

Rhodium hat eine Performance hingelegt, die in dieser Form von keinem der Marktteilnehmer so vorhergesagt wurde, aber auch niemand prognostizieren konnte. Der Preis stieg in weniger als 2 Wochen um weitere 100 US-Dollar/oz an und erreichte ein Niveau, das wir zuletzt im September 2015 gesehen haben. Weitere Käufe von Investoren und Unsicherheit von industriellen Verbrauchern, die größere Eindeckungen vorgenommen haben, trieben den Preis weiter nach oben.

Zurückhaltende Verkäufer und eingeschränkte Verfügbarkeit, insbesondere auf der Minenseite, haben dies zusätzlich verstärkt. Aktuell hat sich der Markt etwas stabilisiert und wir schließen eine moderate Konsolidierung nicht aus. Allerdings könnten weitere Anschlusskäufe aus dem Investmentumfeld den Markt sicher auch weiter nach oben treiben.

Im Ruthenium sind die Umsätze nach wie vor eher unterdurchschnittlich und es fehlen weiterhin Impulse sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Anbieterseite.

Nachdem im Iridium nun auch die verfügbaren Marktpreisindikationen dem aktuellen Handelsniveau angepasst wurden, hat sich der Markt leicht beruhigt, wobei es nach wie vor an der Verfügbarkeit mangelt und es so gut wie keine Transaktionen mit größeren Mengen gibt. Kleinere Mengen werden auf hohem Preislevel verkauft, um an der Marktbewegung zu partizipieren. Mittelfristige Entspannung sehen wir aber leider noch nicht.

Mehr zum Thema
BDSV und VDM fusionieren zur Circular Metal Association
Wenn Kupferklau ein Haus zum Einsturz bringt
Kunststoffrecycler: Krise mit Rückenwind
Altpapierpreise legen im Mai weiter zu
Sorge um grünen Stahl im Saarland: Rehlinger schreibt an Merz
T&E: Biosprit gegen Ölkrise ist eine Sackgasse
Recyclingstahl im Aufwind, Rohstahl unter Druck
Abfallaufkommen so niedrig wie seit 2009 nicht mehr