Markt für Edelmetalle
Aktuelle Nachrichten über den Platinmarkt haben den Metallpreis in den Keller geschickt. Maßgeblich waren auch Erwartungen über Recyclingmengen aus dem Autokatbereich. Der Palladiumpreis hingegen verzeichnete eine gute Woche. Der Marktbericht für Edelmetalle.
Starke Einbußen für Platinpreis
Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.
Dollarkurs setzt Goldpreis weiter unter Druck
Der Optimismus über die weitere Wirtschaftsentwicklung dominiert derzeit das Verhalten der Investoren. So stehen den Gewinnen an den Aktienmärkten Verluste bei Rententiteln und bei traditionellen „sicheren Häfen“ wie Gold gegenüber. Der Preis für das Edelmetall fiel am Freitag bis auf 1.203,50 US-Dollar/oz, der tiefste Stand seit 30. Mai, als es noch bei 1.199,60 US-Dollar/oz handelte.
Unter Druck geriet Gold auch wegen des stetig aufwertenden US-Dollarkurses. Zu den größten Verkäufern zählen weiterhin die ETFs, deren Bestände auf den tiefsten Stand seit Anfang Juli fielen. Die Verluste des Goldpreises in Euro gerechnet fielen relativ zum Metallpreis in US-Dollar geringer aus. Sein Tief erreichte das Metall hier mit 1.123,80 Euro/oz gleich zu Beginn der vergangenen Woche. Die deutschen Marktteilnehmer reagierten auf die niedrigeren Preise weiterhin mit Käufen, besonders 100 g und 250 g-Barren waren gefragt.
Der feste US-Dollar und steigende Zinsen werden das Geschehen an den Märkten auch weiterhin maßgeblich bestimmen. Die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinsanhebung zum Jahresende ist zuletzt wieder gestiegen. Auch Fed-Chefin Yellen hat in einer Rede am vergangenen Donnerstag klargemacht, dass eine Zinsanhebung „relativ bald“ angebracht sei.
Entscheidend ist die 1.200er-Marke. Sollte hier die Unterstützung nicht halten, sind weitere Kursrückgänge bis auf 1.190 US-Dollar/oz und dann 1.170 US-Dollar/oz möglich.
Auch Silber leidet unter starkem US-Dollar
Silber notiert mit -4 Prozent erneut tiefer. Der Hauptgrund ist abermals im starken US-Dollar zu finden. Der US-Dollarindex, welcher ein gewichteter Währungskorb gegen den US-Dollar darstellt, notiert aktuell mit einem Stand von über 101 auf dem höchsten Niveau seit dem Jahre 2003.
Spiegelbildlich befinden sich die Silber ETF-Bestände weiter nahe des Rekordhochs vor 3 Wochen. Gleichzeitig scheint das Potenzial für Kursgewinne derzeit jedoch begrenzt, solange der Markt vermeintlich überzogene zukünftige Auswirkungen der „Trumponomics“ einpreist.
Prognose für 2017: Platin-Überschuss
Aufgrund aktueller Nachrichten über einen voraussichtlichen Metall-Überschuss für 2017 fiel Platin vom Hoch der Vorwoche bei 1.020 US-Dollar/oz auf ein Niveau von unter 925 US-Dollar/oz zurück. Zum Überschuss tragen zum einen Erwartungen über steigende Recyclingvolumen aus dem Autokatbereich bei, als auch zum anderen die nur verhaltene Nachfrage aus dem Schmucksektor. Die negative Stimmung verstärkt sich zusätzlich durch die zu erwartenden Änderungen in der Autoindustrie, die zwar noch in weiter Ferne liegen, aber bereits heute als belastend empfunden werden.
Die ETF Bestände blieben trotz der Verkaufswelle stabil bei 2,51 Millionen ozs. Die andauernde Dollar-Stärke und der damit verbundene fallende Goldpreis scheinen weiterhin mitverantwortlich für den schwachen Platinpreis. Auch wenn Platin im Zuge des erstarkten Palladiumpreises weiterhin versucht, wieder Boden gut zu machen, scheint erst einmal die Unterstützung von 900 US-Dollar/oz in greifbare Nähe gerückt.
Palladiumpreis steigt weiter
Laut neuer Marktstudien ist zu erwarten, dass Palladium ein Defizit von 651.000 Unzen für 2016 aufweisen wird, welches sich auch in 2017 fortsetzen wird. Getrieben wird dies im Wesentlichen durch die sehr gute Nachfrage für Autokatalysatoren, die sich im nächsten Jahr fortsetzen wird. Die industrielle Nachfrage aus anderen Sektoren, wie zum Beispiel aus der chemischen Industrie, wird auch weiter wachsen. Die Minenproduktion wird dagegen auf unverändertem Niveau erwartet.
Zu Beginn der Berichtswoche startete Palladium bei Kursen unter der 670 US-Dollar/oz Marke, nachdem das Metall schon in der Vorwoche einen beachtlichen Preisanstieg hinter sich hatte. Dieser setzte sich weiter fort und führte zu Kursen von über 730 US-Dollar/oz am Donnerstag.
Überraschend ist die Entwicklung der Leihezinsen für Palladium, die in der Berichtswoche stark angestiegen sind. Ursächlich soll ein großes Handelshaus in großem Stil Palladium geliehen haben, was zu einer Verknappung der kurzfristigen Verfügbarkeit von Palladium in Barrenform geführt hat. Am Freitag büßte Palladium zwar einen Teil seiner Gewinne wieder ein, trotz allem ist der generelle Ausblick für Palladium positiv.
Rhodium mit Konsolidierung, Ruthenium mit stärker Nachfrage und Iridium unverändert
Rhodium hat die von uns im letzten Bericht vermutete Konsolidierung vollzogen und handelt jetzt doch wieder deutlich unter 800 US-Dollar/oz, nachdem wir in der Vorwoche noch auf einem 14-Monats-Hoch handelten. Es gab keine Anschlusskäufe von der Investorenseite, daher haben sich wieder einige Marktteilnehmer von Positionen getrennt. Der hohe Preis war für einige potentielle Verkäufer sicher sehr attraktiv. Auf aktuellem Niveau können wir uns vorstellen, dass das niedrigere Niveau wieder für Käufe attraktiv erscheint und sich somit der Markt stabilisieren könnte.
Bei Ruthenium hat die Nachfrage im Vergleich zu den Vorwochen etwas angezogen. Insgesamt hat sich aber an der Gesamtsituation nichts geändert und der Markt ist bedingt durch die gute Angebotsseite immer noch sehr träge. Auch in der Berichtswoche gab es keine bahnbrechenden Neuigkeiten oder marktbeeinflussenden Faktoren, die den Iridium-Preis nachhaltig bewegen könnten. Die Umsätze waren eher auf einem schwächeren Niveau, und gaben damit keinen Aufschluss über eine Veränderung der Gesamtlage.








