Großbritannien

Jedes Jahr landen beträchtliche Mengen an nicht gebrauchten Farben im Abfall. Ein Großteil könnte aber noch wiederverwendet werden. Ein Farbenproduzent in Großbritannien weitet deshalb sein Netz an Recyclingzentren aus - auch in Deutschland soll ein ähnliches Projekt gestartet werden.

Recyclinginitiative für Farben gewinnt an Fahrt


Es gibt nur wenige Haushaltsprodukte, die in derart großen Mengen verschwendet werden wie Farbe. Über 400 Millionen Liter Anstrichfarbe werden in Großbritannien pro Jahr verkauft. Davon werden 13 Prozent nicht genutzt und weggeworfen. Das sind 55 Millionen Liter Farbe, die jährlich im Abfall landen – genug, um 20 olympische Schwimmbäder bis zum Beckenrand zu füllen.

„Es ist schon frustrierend zu sehen, dass fast zwei Drittel der verschwendeten Farbe von guter und ausreichender Qualität sind und wiederverwendet werden könnten“, sagt David Cornish, Global Sustainability Manager bei AkzoNobel. Der Hersteller von Farben und Lacken hat sich nun das Recycling von Anstrichfarben auf die Fahne geschrieben. Im vergangenen Jahr hat AkzoNobel zusammen mit Community RePaint die sogenannte ReColour-Initiative gestartet. Community RePaint verfügt über ein Netzwerk von über 70 Farben-Reuse-Projekten in ganz Großbritannien, über die nicht gebrauchte und überschüssige Farben gesammelt werden.

Teil dieser Initiative sind auch Non-Profit-Recyclingzentren. Im September haben AkzoNobel und Community RePaint ihre zweite Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Das neue Recyclingzentrum ist im Wirral, im Nordwesten Englands, angesiedelt. „Wir haben zusammen mit Newlife Paints und Community RePaint vier Jahre in die Entwicklung unserer Technologie zur Wiederaufbereitung der Farben investiert“, berichtet Cornish. Mehr Informationen zum Aufbereitungsprozess will der AkzoNobel allerdings nicht preisgeben.

Zweite Wiederaufbereitungsanlage in Betrieb genommen

Die erste Anlage in Cambridge hat 2015 den Betrieb aufgenommen und bereits rund 10.000 Liter Recyclingfarbe hergestellt. „Das Projekt stellt günstige Recyclingfarbe für Bürgergruppen und sozialbedürftige Menschen zur Verfügung“, heißt es seitens AkzoNobel. Die in Cambridge produzierten Recyclingfarben seien an über 1.300 wohltätige Maßnahmen und Individuen verteilt worden, darunter freiwillige Helfer in der Grafschaft Cumbria im nordwestlichen England, die Ende vergangenen Jahres von heftigen Unwettern und Hochwasser heimgesucht wurde.

Bei diesen beiden Recyclingzentren für alte Anstrichfarben wird es vermutlich nicht bleiben. AkzoNobel, Newlife Paints und Community RePaint haben angekündigt, noch weitere Zentren ins Leben rufen zu wollen. „Das Ziel ist es, bis Ende kommenden Jahres landesweit 100.000 Liter Recyclingfarben zu produzieren“, erklärt AkzoNobel. Bis 2020 setze sich das Unternehmen das Ziel, die Sammelmenge an Altfarben um das Zehnfache zu erhöhen. Das wären dann drei Millionen Liter Anstrichfarben pro Jahr, die in den Zentren wiederaufbereitet werden sollen.

Auch eine Ausdehnung auf Deutschland ist vorstellbar. „Eine Adaption des Recyclingkonzepts für Deutschland ist im Gespräch. Die Terminierung der Umsetzung steht jedoch noch nicht fest“, sagt Stefanie Salmon-Scheppler, Communications Manager bei AkzoNobel Deutschland.


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Allerdings ist es in Großbritannien nicht einfach, eine Wiederaufbereitungsanlage für Farben zu errichten. Der Konzern listet in einer Broschüre zum Farbenrecycling eine Reihe von Hindernissen auf, die einem ausgedehnten Farbenrecycling im Weg stehen. „Das größte Hindernis ist bürokratischer Natur“, heißt es. So mache die Umwandlung von Abfall in ein neues Produkt einen komplexen Prozess erforderlich, um die End-of-Waste-Vorschriften einzuhalten.

Hinzu kommen Vorschriften zum Transport von gefährlichen Abfällen von einem zu einem anderen Standort. Wiederaufbereitungsanlagen müssten zudem von der britischen Umweltbehörde, der Environment Agency, geprüft und zugelassen werden. Nicht zuletzt müssten auch lokale Baubestimmungen beachtet werden, wenn man einen Standort einrichten wolle.

Ein weiteres großes Hindernis ist die Chemikalienverordnung Reach. „In wiederaufbereiteter Farbe stecken Materialien aus überschüssiger Farbe, deren Zusammensetzung nie zu 100 Prozent ist“, erklärt AkzoNobel. Daher sei es nahezu unmöglich, dass Recyclingfarbe die Reach-Vorschriften strikt befolgt. Man könne zwar jede einzelne produzierte Charge einer umfassenden Analyse unterziehen, das würde allerdings zu einem sehr kostspieligen Prozess führen.

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