Aussichten für 2017

Für 2017 sind die Anlagenbauer in Deutschland verhalten optimistisch. Sorge bereiten vor allem die Entwicklungen in Großbritannien und den USA. Auch das Thema Digitalisierung steht weit oben auf der Agenda. Ein „Datenfreibier für alle“ dürfe es jedoch nicht geben, warnt der VDMA.

Maschinenbauer erwarten keine großen Sprünge


Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist für 2017 verhalten optimistisch. Für das kommende Jahr erwarten die Maschinenbauer unverändert einen leichten Produktionszuwachs von real 1 Prozent. Zuversicht schöpft der Verband aus der Entwicklung in einigen großen Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch die leichte Erholung in den EU-Partnerländern (ohne Großbritannien) dürfte sich fortsetzen.

Doch zugleich befürchten die Maschinenbauer weitere Unsicherheiten in Großbritannien und den USA. Uneins sind sich die Anlagenbauer bezüglich China. Einerseits könnten die Exporte in die Volksrepublik im kommenden Jahr weiter sinken. Andererseits zeigt die jüngste VDMA-Geschäftsklimaumfrage, dass Mitgliedsfirmen, die in China ansässig sind, wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Offenbar rechnen die Unternehmen vor Ort damit, von den milliardenschweren Projekten der chinesischen Regierung profitieren zu können.

Keine echten Wachstumsimpulse

Für 2016 geht der Verband weiterhin von einer Stagnation der Produktion im Vergleich zum Vorjahr aus. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres sank die Produktion im Maschinenbau preisbereinigt um 0,7 Prozent. Dieses Minus ging im Wesentlichen auf Arbeitstageeffekte zurück, weshalb die VDMA-Volkswirte zuversichtlich sind, dass das Minus bis Jahresende wieder ausgeglichen werden kann.

Seit 2012 kommt die Produktion kaum vom Fleck. Die Kapazitätsauslastung im Maschinen- und Anlagenbau lag laut VDMA im Oktober bei 84,6 Prozent und damit unterhalb des langjährigen mittleren Werts der Maschinenbauindustrie (85,9 Prozent). Mehr als ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) klagten im Oktober über Produktionsbehinderungen, die von einem Mangel an Aufträgen verursacht wurden. Auch der Weltumsatz mit Maschinen stagniert.

„Ein breit angelegter konjunktureller Aufschwung sieht anders aus – und echte Wachstumsimpulse sind nicht in Sicht“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt. Welcker kündigte an, die immer weiter steigenden Belastungen im Mittelstand durch neue Bürokratie im neuen Jahr noch stärker deutlich anzuprangern. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen bekommen immer mehr organisatorische Herausforderungen aufgebürdet“, sagte Welcker. Das koste viel Geld, das an anderer Stelle – etwa für Investitionen – fehle.

„Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 gehören zusammen“

Allen skeptischen Stimmen zum Trotz sehen sich die Maschinen- und Anlagenbauer bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) international in der Vorreiterrolle. Eine neue Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA zeige, dass das Thema in der Breite des Maschinen- und Anlagenbaus angekommen ist, erläuterte Welcker. Immer mehr Unternehmen verfolgten eine klare Digitalisierungsstrategie.

„Die manchmal von Beratern geäußerte Kritik, der industrielle Mittelstand verschlafe Industrie 4.0, ist schlicht falsch“, betonte er. Nötig sei allerdings, dass zum Beispiel in der Personalentwicklung und der Weiterbildung der Mitarbeiter mehr getan werde. „Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 gehören untrennbar zusammen“, sagte Welcker.

Auch das Thema IT-Security benötige noch viele Anstrengungen. Der VDMA hat dazu jüngst ein Pilotprojekt mit auf den Weg gebracht, das Start-up „University4Industry“, das Online-Kurse zu Industrial Security anbietet und damit Know-how in einem ganz zentralen Teil der Digitalisierung aufbaut.

„Die Digitalisierung der Industrie wird aber nur dann funktionieren, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen hierfür schafft. Wir haben in Deutschland eine Industrie, die Weltklasse ist. Was aber noch fehlt ist eine Datennetzinfrastruktur, die Weltklasse ist und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern vor allem auch in den ländlichen Regionen, wo viele unserer Mitglieder zuhause sind“, forderte Welcker. Darüber hinaus müsse Datensouveränität gesichert werden, also das Recht, über seine eigenen Daten frei zu verfügen.

„Die teilweise vorgebrachten Ideen, Geschäftsdaten zwangsweise offen zu legen, um anderen Unternehmen den Markteintritt zu ermöglichen, sind kontraproduktiv“, warnte der VDM-Präsident. „Datenfreibier für alle darf es nicht geben.“


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