Neue Studie

Familienunternehmen gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie stabilisieren in Krisenzeiten, schaffen Arbeitsplätze in ländlichen Regionen und füllen mit ihren Steuern die Staatskasse. Wie es den Familienunternehmen aktuell geht, zeigt eine neue Studie.

Familienunternehmen in Deutschland: Mehr Ertrag, mehr Eigenkapital


91 Prozent der aktiven Firmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt addiert bei jährlich einer Billion Euro. Familienunternehmen stehen also generell wirtschaftlich gut da.

In welchen Bereichen es besonders rund läuft und vor allem, was das bezüglich der Kennzahlen Ertrag, Eigenkapital, Rentabilität, Verbindlichkeiten und Investitionen bedeutet, hat das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) untersucht. Im Auftrag der Deutschen Bank und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wurden die 4.405 größten Familienunternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz unter die Lupe genommen.

Ertrag

Gemäß der Studie ‚Die größten Familienunternehmen in Deutschland – Kennzahlen-Update 2016’ betrug der durchschnittliche Umsatz der größten deutschen Familienunternehmen im Jahr 2014 etwa 443 Millionen Euro. Den höchsten Umsatz erzielten Firmen aus der Industrie (durchschnittlich 585,3 Millionen Euro). Auf den weiteren Rängen folgen Holdings/unternehmensnahe Dienstleister (492 Millionen Euro) sowie der Bereich Handel (299,3 Millionen Euro) und sonstige Wirtschaftsbereiche (256,2 Millionen Euro).

Im Vergleich zu 2013 konnten zwei Drittel der Familienunternehmen ihren Umsatz in 2014 steigern – die größte Gruppe der untersuchten Unternehmen um bis zu 10 Prozent. Gleichzeitig erwirtschafteten 9 von 10 Unternehmen Jahresüberschüsse. Jedes zweite Unternehmen verzeichnete einen jährlichen Überschuss von mindestens 2,2 Millionen Euro.

Rentabilität

Gemessen am Umsatz konnten die größten Familienunternehmen in 2014 ihre Jahresüberschüsse deutlich steigern, wie die Autoren der Studie schreiben. Demnach stieg die Umsatzrentabilität im Vergleich zu 2013 um 0,3 Prozent. Die Quoten reichen somit von 2,1 Prozent bei Handelsunternehmen bis zu 3,9 Prozent bei Industrieunternehmen.

Allerdings sei die Gesamtrentabilität mit 6,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahr (2013: 6,7 Prozent) nahezu unverändert. Insgesamt zeigt sich aber, dass die größten deutschen Familienunternehmen im Vergleich zu allen Unternehmen besonders leistungsfähig sind. Für alle Unternehmen mit einem Umsatz von 50 Millionen Euro oder mehr notierte die Deutsche Bundesbank für 2014 eine Gesamtkapitalrentabilität von 4,9 Prozent.

Eigenkapital

Laufen die Geschäfte gut, schafft man sich ein Polster an. Über alle Branchen hinweg nutzen die betrachteten Unternehmen die positive Ertragslage, um ihr Eigenkapital zu erhöhen. Als Gründe sehen die Autoren die Verbesserung der finanziellen Stabilität und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Unabhängigkeitsbestrebungen der Firmen.

Insgesamt lag die Eigenkapitalquote 2014 bei 38,5 Prozent. Am höchsten lag sie bei Industrieunternehmen (43,2 Prozent), gefolgt von Holdings/unternehmensnahe Dienstleister mit 39,1 Prozent und sonstigen Wirtschaftsbereichen mit 37,8 Prozent. Mit 33 Prozent wiesen Handelsunternehmen die niedrigste Eigenkapitalquote aus.

Verbindlichkeiten

Als Folge des steigenden Eigenkapitals sind der Studie zufolge die Bankverbindlichkeiten der Familienunternehmen gesunken. Die Quote betrug 2014 durchschnittlich 22,8 Prozent. Allerdings variiere sie deutlich innerhalb der Branchen- und Größenklassen.

Einer hohen Quote von 27,8 Prozent bei Handelsunternehmen stand eine Quote von 19,8 Prozent bei Industrieunternehmen gegenüber. Darüber hinaus kamen Familienunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern auf eine geringere Quote (19 Prozent) als kleinere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern (16,8 Prozent).

Investitionen

Offenbar sind Familienunternehmen wieder bereit, mehr Fremdkapital zuzulassen, heißt es in der Studie, eventuell, um mehr Investitionen zu ermöglichen. Generell sei die sogenannte Nettoinvestitionsquote seit 2012 zwar positiv, schwanke aber recht stark. 2015 werde sie voraussichtlich bei 6,5 Prozent liegen. Im Jahr 2014 lag sie aber bei 3,5 Prozent.

Industrieunternehmen weisen dabei die mit Abstand höchste Nettoinvestitionsquote (4,8 Prozent) auf. Auf Rang zwei und drei folgen Holdings/unternehmensnahe Dienstleister mit 2,9 Prozent beziehungsweise sonstige Wirtschaftsbereiche mit 2,2 Prozent. Die geringste Nettoinvestitionsquote unter den größten deutschen Familienunternehmen (1,4 Prozent) sei im Handel zu finden.

Gute Ertragslage, Unabhängigkeit von externen Kapitalgebern und wenig Risiko bei Investitionen: So lassen sich die größten deutschen Familienunternehmen in Deutschland zusammengefasst charakterisieren. Nicht wenige Wirtschaftsforscher meinen, dass genau das ein Grund für die Stärke der deutschen Wirtschaft ist, gerade in Krisenzeiten.

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