WtE-Branchenbarometer

Gute Stimmung unter den Herstellern und Betreibern von Müllverbrennungsanlagen. Dennoch geben die Geschäftserwartungen etwas nach. Die Zahl derjenigen, die weiter steigende Preise erwarten, ist deutlich gesunken.

Boom der MVA-Betreiber hält an


Der Geschäftsklima-Index in der thermischen Abfallverwertung hat sich 2017 auf einem hohen Niveau stabilisiert. Das ist das Ergebnis des aktuellen Waste-to-Energy (WtE) Branchenbarometers. Die Umfrage wird jährlich vom Beratungsunternehmen ecoprog mit Unterstützung des Betreiberverbandes CEWEP durchgeführt.

Befragt wurden dabei Anlagenbetreiber und Anlagenbauer sowie Ingenieur- und Industrieunternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Betreiber von WtE-Anlagen das Geschäftsklima etwas schlechter bewerten als im Vorjahr. Insgesamt sind die Bewertungen aber noch immer positiv. So zeigen die Umfrageergebnisse, dass

  • die Anlagenbetreiber die aktuelle Geschäftslage leicht positiver bewerten als in der Vergangenheit.
  • 79 Prozent der Anlagenbetreiber die Auslastung ihrer Anlage als verhältnismäßig hoch bezeichnen.
  • 74 Prozent der Betreiber auch ihre Geschäftslage als gut bewerten.
  • rund ein Drittel der Betreiber von einer gestiegenen Nachfrage berichten.
  • nicht ein einziger Betreiber einer WtE-Anlage seine gegenwärtige Geschäftslage als schlecht bezeichnet.

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Verantwortlich für die gute Stimmung sind die Abfallmengen, die seit 2012 gestiegen sind. „Die Gründe hierfür waren unter anderem die positive wirtschaftliche Entwicklung in Mitteleuropa, der Preisverfall bei (Sekundär-) Rohstoffen sowie, zumindest in vielen Gebieten Kontinentaleuropas, die Zunahme der Abfall-Exporte aus Großbritannien und Irland“, erklärt ecoprog.

Eine weitere Verbesserung dieser Rahmenbedingungen konnte in den vergangenen 12 Monaten aber nicht beobachtet werden. Für einige Bereiche, etwa den Exporten aus Großbritannien, seien erste Zeichen für einen Rückgang zu erkennen. Im Gegensatz dazu sei der Konjunkturausblick etwa in Südeuropa positiver als vor 12 Monaten.

Insgesamt haben sich die Geschäftserwartungen der Anlagenbetreiber aber dennoch etwas verschlechtert:

  • So haben nur noch 22 Prozent der Anlagenbetreiber eine günstige Geschäftserwartung. Im Jahr 2016 waren es noch rund 40 Prozent.
  • Gleichwohl bleibt der Ausblick insgesamt positiv.
  • Nur 2 Prozent der Betreiber erwarten ungünstigere Geschäfte in der Zukunft.

Da eine höhere Auslastung der eigenen Anlage in vielen Fällen in Zukunft kaum möglich ist, erwarten immerhin ein Viertel der Betreiber weiter steigende Preise bzw. Annahmegebühren. Dies sind allerdings deutlich weniger als vor einem Jahr (60Prozent).


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Guter Auftragsbestand bei Anlagenbauern

Aufgehellt hat sich die Stimmung der Anlagenbauer, Ingenieur- und Industrieunternehmen, die in der thermischen Abfallverwertung tätig sind. Anders als im Vorjahr wird die aktuelle Geschäftslage mehrheitlich positiv wahrgenommen. Auch den gegenwärtigen Auftragsbestand beurteilt eine knappe Mehrheit als ausreichend oder sogar verhältnismäßig hoch. Immerhin knapp ein Drittel der Befragten berichtet von einer gestiegenen Nachfrage in den vergangenen 12 Monaten.

Darüber hinaus werden auch die Geschäftserwartungen positiv bewertet:

  • 41 Prozent der befragten Industrievertreter rechnen in Zukunft mit besseren Geschäften.
  • Nur 6 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
  • In einigen Ländern wie Frankreich oder Polen haben sich zuletzt Chancen auf mehr Neubauprojekte ergeben, das Vergabegeschehen hat leicht angezogen.

In Ländern wie Deutschland haben sich Betreiber in den vergangenen Monaten zudem angesichts der boomenden Nachfrage leichter getan, Modernisierungsmaßnahmen für die zum Teil veraltete Infrastruktur zu beschließen. Dennoch bleibt Vorsicht geboten, meint ecoprog. Investitionen in die WtE-Infrastruktur hingen in starkem Maße von politischen Entscheidungen ab. Verzögern sich diese, so verzögern sich auch Investitionen.


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Investitionen in Metallrecycling aus Schlacke

Im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftpaketes wird derzeit auch diskutiert, inwiefern die Recycling-Leistung von Anlagen zur thermischen Abfallverwertung zukünftig berücksichtigt wird. Konkret sollen die aus den Aschen wiedergewonnenen Metalle zur Recyclingquote eines Landes zählen. Für die Mehrheit der Anlagenbetreiber sind Investitionen in das Metallrecycling aus Schlacke aber kein Thema:

  • 58 Prozent der Betreiber geben an, das wirtschaftlich und technisch Mögliche in ihren Anlagen bereits umgesetzt zu haben.
  • 22 Prozent planen, diesbezüglich zu investieren.
  • Für rund 20 Prozent hat dieser Bereich sogar Priorität bei zukünftigen Investitionen, da sie die Verbesserung der Schlackeverwertung als eines ihrer wichtigsten Ziele für die Zukunft sehen.

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