Kunststoffverpackungen ab 2030

Das Thema Recycling gewinnt an Fahrt, insbesondere wenn es um Kunststoffverpackungen geht. Doch allzu hoch sollte man die Erwartungen nicht hängen, meint Abfallwirtschaftsexperte Thomas Obermeier. Vor allem in puncto Recyclingfähigkeit sollte man sich keinen Illusionen hingeben.

„100 Prozent Recycling ist eine Illusion“


Die Ziele, die die EU-Kommission im Rahmen der Plastikstrategie ausgegeben hat, sind hoch gesteckt. So geben die Brüsseler Beamten vor, dass ab 2030 nur noch wiederverwendbare oder recyclingfähige Kunststoffverpackungen auf den Markt kommen sollen. Hinzu kommen weitere Vorhaben, wie etwa die Aufforderung an die Industrie, bis 2025 zehn Millionen Tonnen Recyclingkunststoffe einzusetzen. Und auch das geplante Verbot von bestimmten Einweg-Kunststoffprodukten gehört dazu.

Wie viel von diesem Maßnahmenpaket übrig bleiben wird, wenn die Vorhaben den EU-Rat und das EU-Parlament durchlaufen haben, wird sich zeigen. Gleichwohl zeigen die verschiedenen Vorhaben bereits Wirkung: Seit Veröffentlichung der Plastikstrategie mehren sich die Ankündigungen von Supermarktketten und Konsumgüterherstellern, ihren Plastikverbrauch zu drosseln oder recyclingfreundlicher zu gestalten. Zuletzt hat auch der Fahrzeugsteller Volvo mitgeteilt, dass er den Anteil an Kunststoffrecyclaten ab 2025 deutlich steigern will.

Mangel an Alternativen

Ob die Bemühungen soweit reichen, dass ab 2030 tatsächlich nur noch wiederverwendbare oder recyclingfähige Kunststoffverpackungen auf den Markt kommen, bezweifeln Branchenvertreter. Die Zweifel waren zum einen auf Seiten der Kunststoffindustrie bei einer Podiumsdiskussion auf dem bvse-Altkunststofftag in Bad Neuenahr zu hören. Aber auch Unternehmensberater und Entsorgungsexperte Thomas Obermeier glaubt nicht daran. „Trotz der Anstrengungen aller Akteure, vom Hersteller bis zum Recycler, ist es eine Illusion zu glauben, es könnte 100 Prozent Recycling geben“, sagt Obermeier.

Nach seiner Auffassung wird es weiterhin in Deutschland und weltweit eine Vielzahl an Compoundmaterialien und Mischkunststoffe geben – sei es aus Mangel an Alternativen oder aus ökonomischen Gründen. „Diese und die Unmöglichkeit einer sortenreinen Sammlung wird die Recyclingfähigkeit immer einschränken“, so Obermeier. „Deshalb werden wir der Lage alleine durch die hochwertige Verwertung mittels Recycling nicht Herr werden. Vielmehr dürfen wir die begleitende energetische Verwertung nicht verteufeln, sondern als Verwertungsweg für Materialen sehen, die nicht recyclierbar sind oder sonst Restabfall bleiben.“

Obermeier relativiert auch die Darstellung, dass Verbraucher Wert auf Nachhaltigkeit und Mehrweg bei Verpackungen legen. Das würden zwar aktuelle Umfragen von Price Waterhouse Cooper und vom Deutschen Verpackungsinstitut vordergründig bescheinigen, doch schaue man hinter die Kulissen, werde klar, dass dies vor allem für die Generation 40+ gilt. Die Mehrheit der Befragten dagegen bevorzuge verpackte Ware: aus Kostengründen, der Frische- und Hygiene wegen oder einfach weil es praktischer ist. Gerade die jüngere Generation habe wenige Ambitionen, auf Konsum und Convenience und damit auf Verpackungen zu verzichten.

 

© 320° | 19.06.2018
Mehr zum Thema
BDI: 2026 wird entscheidendes Jahr für die Industrie
KI-Sortierung ermöglicht lebensmittelechtes Tray-Recycling
EU-Kommission plant Privileg für Kunststoffrezyklate aus Europa
Neues Verfahren weist Rezyklate in Elektronik nach
Altpapierpreise auch zum Jahresende schwach
Circular Economy Winter Package: Es fehlt die Soforthilfe