Kunststoffabfälle

Vor einem Monat hat der Dieselproduzent Neste einen Großversuch für die Verwertung von Kunststoffabfällen in seinen Raffinerien angekündigt. Nun ist er zwei Schritte weiter: Er hat nicht nur Partner für sein Projekt gefunden. Auch der Bau einer Recyclinganlage steht bevor.

Neste holt sich Verstärkung für chemisches Recycling


Der Dieselproduzent Neste schreitet mit seinem Projekt zum chemischen Recycling von Kunststoffen voran. Die Finnen haben inzwischen zwei Kooperationspartner für ihr Entwicklungsvorhaben gefunden. Einer dieser Partner bringt auch schon Pläne zum Bau einer Recyclinganlage mit.

Die zwei Partner sind das britische Chemie-Recyclingunternehmen ReNew ELP und der australische Technologieentwickler Licella. Zusammen mit Neste wollen sie das Potenzial von Mischkunststoffen als Rohstoff für Kraftstoffe, Chemikalien und neue Kunststoffe ermitteln. Dazu wollen die Unternehmen laut Neste eine Machbarkeits- und Nachhaltigkeitsstudie erstellen. Daneben würden die Unternehmen auch mit dem Ziel zusammenarbeiten, die behördliche Anerkennung für das chemische Recycling zu erreichen.

Recyclingprozess dauert nur 20 Minuten

Neste hatte genau vor einem Monat bekannt gegeben, neue Wege zur Nutzung verflüssigter Kunststoffabfälle zu erforschen. Die Abfälle sollen als Rohstoff für die Raffinerie von Erdölprodukten genutzt werden. Dazu will Neste im kommenden Jahr einen großtechnischen Versuch durchführen. Bis 2030 möchte das Unternehmen jährlich mehr als eine Million Tonnen Kunststoffabfälle als Rohstoff verarbeiten.

Wie es nun heißt, wird ReNew ELP eine Anlage für das chemische Recycling errichten. Die Anlage soll im britischen Teesside stehen und zunächst 20.000 Tonnen Altkunststoff pro Jahr recyceln. Darüber hinaus strebt ReNew ELP die Genehmigung für drei weitere Anlagen an. Die Planungen sehen eine mögliche Gesamtverarbeitungskapazität von 80.000 Tonnen pro Jahr vor.

Die Anlagen sollen auf der von ReNew ELP patentierten Technologie der katalytischen hydrothermalen Vergasung basieren. Diese sogenannte Cat-HTR-Technologie (nach der englischen Bezeichnung Catalytic Hydrothermal Reactor) wurde vom Technologieunternehmen Licella entwickelt und soll in einer Pilotanlage in Australien bereits ausgiebig getestet worden sein. Beim Cat-HTR-Verfahren werden laut ReNew ELP eine Vielzahl von Kunststoffen in ihre ursprünglichen Komponentenmoleküle zerlegt. Anschließend würden sie in leicht verwertbare Chemikalien und recycelte Öle umgewandelt.

„Der Recyclingprozess dauert nur 20 Minuten“, sagt Richard Daley, Geschäftsführer von ReNew ELP. Die Technologie sei einzigartig im Vergleich zu jedem anderen thermischen Umwandlungsverfahren, da sie Wasser als „Umwandlungsmittel“ verwende. Somit könne die Anlage bei weitaus niedrigeren Temperaturen betrieben werden, als sie bei der Pyrolyse oder Vergasung nötig seien. Das mache sie auch effizienter.

 

© 320°/bs | 16.08.2018

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