Quotenberechnung

Erneut gibt es Kritik an der Berechnung der Recyclingquoten – dieses Mal von den Grünen. Sie prangern „Schummelquoten“ an, mit denen die Recyclingquote für Plastikmüll aus privaten Haushalten schöngerechnet werde.

Grüne kritisieren „Schummelquoten“ für Kunststoff-Recycling


Die Grünen haben die Berechnung der Recyclingquote als irreführend kritisiert. Während die offizielle Quote für Plastikmüll von Endverbrauchern mit 38 Prozent angegeben werde, liege die „gesicherte Recyclingquote“ nur bei 17,3 Prozent, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Bettina Hoffmann, der Frankfurter Rundschau (Mittwoch). Deutschland habe den Titel „Recycling-Weltmeister“ nicht verdient, Statistiken würden mit „Schummelquoten“ schöngerechnet.

Die Grünen kritisieren, dass die Quote auf Basis des Plastikmülls errechnet wird, der ins Recyclingsystem eingeht. Dass anschließend ein Anteil exportiert werde und ein weiterer Teil im Prozess verloren gehe, wirke sich nicht auf die Quote aus. Die Fraktion fordert, dass bis 2030 neue Kunststoffprodukte zu mindestens 50 Prozent aus recycelten Kunststoffen bestehen müssen.

Am Wochenende hatte auch Abfallwirtschaftsprofessor Peter Quicker die Berechnungsmethode auf Korn genommen. Konkret nahm er Bezug auf die Verwertungsquote für Siedlungsabfall, die für Deutschland offiziell mit 66 Prozent angegeben wird. „Diese Statistik ist ein einziger Beschiss“, zitiert der Deutschlandfunk der Aachener Professor.

Bisher habe man es in Deutschland so praktiziert: Wenn eine Tonne Kunststoffabfall in einen Betriebshof gebracht werde, wo Recycling darüber stehe, gelte es in dem Moment als recycelt. Wenn dann aber „hinten 99 Prozent wieder rausgefahren“ und verbrannt oder deponiert würden, gelte es trotzdem als recycelt, erklärte Quicker dem Deutschlandfunk. Allein daran erkenne man „den Blödsinn dieser Statistik“.

 

© 320°/dpa | 17.10.2018

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