Neuer UN-Rapport

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Die Weltbevölkerung produziert 50 Millionen Tonnen E-Schrott im Jahr. Künftig sollen diese Müllmassen effizienter recycelt werden, haben sich sieben UN-Organisationen vorgenommen. Aus einem Umweltproblem wollen sie eine wirtschaftliche Chance machen.

E-Schrott: Die 62-Milliarden-Dollar-Chance


Aus der E-Schrott-Flut könnte ein „Tsunami“ werden. Davor warnten UN-Organisationen beim World Economic Forum in Davos. Fast 50 Millionen Tonnen Elektromüll jährlich würden bereits heutzutage weggeworfen. Im Worst Case könnte die Menge bis 2050 auf 120 Millionen Tonnen anschwellen.

Doch weniger als ein Fünftel des E-Schrotts werde laut dem Bericht „A New Circular Vision for Electronics“ offiziell recycelt. Stattdessen arbeiteten Millionen Menschen weltweit mit E-Müll – unter gefährlichen Bedingungen für Gesundheit und Natur. Diese drohende Gesundheits- und Umweltkatastrophe stellte aber zugleich eine einzigartige wirtschaftliche Chance dar, heißt es in dem Bericht.

Denn der Materialwert des weggeworfenen E-Schrotts liegt bei 62 Milliarden US-Dollar (54,5 Milliarden Euro), rechnet die UN-Koalition gegen Elektromüll und das Weltwirtschaftsforum in ihrem gemeinsam verfassten Bericht vor. Das sei dreimal so viel wie die jährliche Silberproduktion.

Batterien: Ein elektrisierendes Problem

Aber nicht nur der E-Schrott-Berg wird größer. Damit einhergehend vergrößert sich auch eine andere Herausforderung: die darin enthaltenen Batterien. Kaum ein tragbares und bewegliches technischen Gerät kommt ohne sie aus. „Sie werden jedoch nicht in den globalen E-Müll-Strömen berücksichtigt“, wie es im Bericht heißt.

Allein der Markt für Lithium-Ionen-Batterien, dem am schnellsten wachsenden Segment, werde bis 2025 einen Wert von 100 Milliarden US-Dollar haben, schätzen die UN-Organisationen in ihrem Rapport. Im selben Zeitraum soll sich das Gewicht der jährlich verkauften Lithium-Ionen-Batterien auf fast 5 Millionen Tonnen verfünffachen.

Bis zum Jahr 2030 stehen demnach über 11 Millionen Tonnen gebrauchter Lithium-Ionen-Batterien für ein Recycling zur Verfügung. Das sei eine große Herausforderung, meinen die Organisationen. Derzeit liege die globale Recyclingquote nur bei 42 Prozent.

Weltweit könnte Millionen Arbeitsplätze entstehen

Die UN-Organisationen sehen zwar bereits Fortschritte in Bezug auf den Umgang mit E-Schrott. Somit sollen insgesamt 67 Länder über Gesetze zur Entsorgung von E-Schrott verfügen. Damit seien etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung abgedeckt. Zudem gebe es viele gute Initiativen auf der ganzen Welt, die sich um das wachsende E-Schrott-Problem drehten. „Aber wir sind noch weit entfernt von dem systemweiten Wandel, den wir brauchen“, lautet ihr Fazit.

Um die Herausforderung des Elektroschrotts besser anzugehen, haben sich nun sieben UN-Organisationen zusammengeschlossen. Unterstützt werden sie vom Weltwirtschaftsforum und dem Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung. In ihrem gemeinsamen Bericht fordern sie eine neue Vision für Elektronikprodukte auf der Grundlage der Kreislaufwirtschaft.

Zugleich sehen sie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit großen Marken, kleinen und mittleren Unternehmen, Hochschulen, Gewerkschaften, der Zivilgesellschaft und Verbänden, um das System neu auszurichten und die Verschwendung von Ressourcen zu verringern.

Neue Technologien könnten dabei helfen, ein Wirtschaftsmodell aufzubauen sowie eine bessere Produktnachverfolgung zu ermöglichen und Rücknahmeprogramme zu erleichtern. Letztlich könnten dadurch weltweit Millionen Arbeitsplätze entstehen und die Folgen für die Umwelt gemildert werden.

 

© 320° | 28.01.2019
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