Neue MVA

kostenpflichtig
Vieles, was im Wüstenstaat Dubai angepackt wird, ist spektakulär – so auch die geplante erste Müllverbrennungsanlage. Sie soll die weltweit größte werden. Für die Planer bedeutet das unbekannte Herausforderungen.

Die Super-MVA in der Wüste


Wüstenstürme, kaum Wasser und keine Erfahrung mit der Müllverbrennung: Bei der Planung der neuen Müllverbrennungsanlage (MVA) in Dubai stehen die Planer vor großen Herausforderungen. Auch deshalb, weil die MVA eine Anlage der Superlative werden soll – sie soll nicht nur die größte, sondern auch die effizienteste der Welt werden.

Den Auftrag hierfür haben der MVA-Anlagenbauer Hitachi Zosen Inova (HZI) und das belgische Bauunternehmen Besix im Januar 2018 erhalten. Sie sollen die neue Anlage entwickeln, designen und bauen. Während HZI die Technologie und damit sämtliche Prozesskomponenten beisteuert, kümmert sich Besix um den Bau selbst.

Doch der Auftrag geht noch darüber hinaus: Nach Fertigstellung soll das Konsortium die MVA 30 Jahre lang finanzieren und betreiben, erklärte Andres Kroneberg, Vizepräsident Geschäftsentwicklung bei HZI, vergangene Woche auf der Berliner Abfallwirtschafts- und Energiekonferenz. Erst dann werden sie die Anlage der Stadt übergeben. Der Grund dafür: Die lokalen Behörden haben keine Erfahrung mit dem Betrieb einer MVA.

Nachhaltigste Smart-Metropole

Die neue Anlage passt zu den Plänen Dubais, im Jahr 2021 die nachhaltigste Smart-Metropole der Welt zu werden. Im Zuge dessen soll die Anzahl der Mülldeponien um 75 Prozent zurückgehen, der CO2-Ausstoß um 16 Prozent fallen und mindestens 7 Prozent der Energie von sauberen Ressourcen kommen. Derzeit fallen in Dubai täglich etwa 8.000 Tonnen Abfall an.

Gebaut wird die Anlage im Al Warsan-Distrikt, der rund zehn Kilometer außerhalb des Stadtzentrums liegt. Die Netto-Energieeffizienz soll bei mindestens 31 Prozent liegen, berichtete Kroneberg. Das wäre eine Spitzenposition im weltweiten Vergleich. Weitere Anforderungen an die Anlage sind laut Kroneberg folgende:

  • Die MVA soll mit fünf Verbrennungslinien arbeiten
  • Täglich sollen 5.000 Tonnen Siedlungs- und Gewerbeabfälle verbrannt werden
  • Die Jahreskapazität liegt bei 1,8 Millionen Tonnen
  • Jährlich sollen bis zu 190 MW elektrische Energie erzeugt und so rund 120.000 Haushalte mit Strom versorgt werden
  • Außerdem sollen in der Anlage Metalle recycelt werden können
  • Aus der Rostasche sollen Baustoffe gewonnen werden
  • Geplant ist die Anlage neben einer Kläranlage. Das Wasser der Kläranlage wird dabei in zwei Stufen gereinigt und als Prozesswasser in der MVA verwendet. Dort wird es wiederaufbereitet und verbleibt im Wasser-Dampf-Kreislauf der Anlage – es werden also keine weiteren Wasservorräte verbraucht.

Laut Kroneberg wird derzeit bereits an der Projektentwicklung gearbeitet, auch die technische und bautechnische Konstruktion sei „in vollem Gange“. Die Mitglieder des Projektteams stehen dabei immer wieder vor Herausforderungen, welche sie „so noch nie angetroffen haben“, sagt Kroneberg.

Eine der größten Schwierigkeiten ist laut Kroneberg die Wüstenumgebung. Hohe Temperaturen und Sandstürme verkomplizieren vor allem den Bau des Luftkondensators (ACC). „Alternativ einen Kühlturm zu bauen, war im Projekt Dubai keine Option, da die nötige Nähe zu einer entsprechenden Wasserquelle nicht gegeben ist und ein Heranpumpen auf diese Distanz nicht effizient wäre“, erklärte er.

Entsprechend wurde der ACC größer ausgelegt, was einen höheren Energiekonsum und weniger Strom-Output bedeutet. Außerdem muss der ACC wegen des Wüstensands auf der Oberfläche überdurchschnittlich oft gereinigt werden. Die geplante Energieeffizienz von 31 Prozent sei daher besonders zu bewerten. Zwar sei die Zahl weltweit eher unauffällig, aufgrund der Außenbedingungen aber ein absoluter Spitzenwert.


3-D-Zeichnung der geplanten Waste-to-Energy-Anlage in Dubai:

Quelle: HZI

Unbekannte Abfallzusammensetzung

Auch die unbekannte Abfallzusammensetzung war für die Planer schwierig. Bisher gibt es keine Studien oder Untersuchungen für Dubai, da der Abfall ausschließlich deponiert wird. Als Lösung kommt nun eine Eigenentwicklung von HZI zum Einsatz.

„Neben der regulären Feuerungsleistung trägt in der Anlage Dubai die erweiterte Feuerungsleistungsregelung (CCS+) zusätzlich dazu bei, einen optimalen Ausbrand des Abfalls zu gewährleisten“, sagt Kroneberg. „Bei einem bestmöglichen Verbrennungsprozess kann in dieser Anlage mit einem Abfalldurchsatz von 46 Tonnen pro Stunde und Linie gerechnet werden.“ Der entsprechende Rost mit einer Dimension von 12 mal 15 Meter sei das größte Modell, das der Anlagenbauer je entwickelt hat.

CCS+ verfügt laut Kroneberg dank verfeinerter Kontroll-Algorithmen und zusätzlichen Sensoren über einen höheren Automatisierungsgrad und liefert detailliertere Daten als bisher möglich war. So können anlagenspezifische Sicherheitsmargen wirksamer ausgereizt und der Betrieb optimiert werden. Grundsätzlich kann aber weiterhin manuell in den Verbrennungsprozess eingegriffen werden.

Besucherzentrum geplant

Neben der neuen Anlage muss sich das Konsortium auch darum kümmern, dass der Müll, der bisher von Subunternehmern gegen eine Abladegebühr zu Deponien gefahren wird, künftig auch in der neuen Anlage ankommt. Laut Kroneberg soll nun die Stadt den Sammlern Geld für den Müll geben und zusätzlich den MVA-Betreibern Gebühren überweisen. „Die große Herausforderung dabei ist es, die Abladegebühren so zu kalkulieren, dass sie von der Stadt akzeptiert und getragen werden. Das bedingt eine kontinuierliche, aber sehr moderate Erhöhung gegenüber den Deponierungskosten“, so Kroneberg.

Um auch die Bevölkerung von der neuen Anlage zu überzeugen, wird ein Besucherzentrum geplant. Darüber hinaus sollen viele einheimische Arbeiter eingestellt werden. Wenn das Großprojekt fertiggestellt ist, dürfte es mindestens 700 Millionen Euro gekostet haben.

 

© 320°/ek | 06.02.2019
Mehr zum Thema
Bunker-Brand im Müllheizkraftwerk Stavenhagen
TotalEnergies: Der Mineralölkonzern und sein Null-Öl-Megaprojekt
EGK wird zum Biomethan-Lieferanten
Scheinwerfer aus recyceltem Kunststoff
Aus CO2 wird Methanol: Weltgrößte Anlage geht in Betrieb