Schwächere Nachfrage

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Die schwächere Stahlkonjunktur drückt sich inzwischen in konkreten Zahlen aus. Allein in drei großen EU-Ländern wird die Produktion deutlich zurückgefahren. Noch stärker könnte die Kürzung ausfallen, wenn ab Juli noch mehr Stahl in die EU importiert werden darf.

Große EU-Länder fahren Stahlproduktion zurück


Mitarbeiter und Unternehmensführung des Bremer ArcelorMittal-Stahlwerkes haben am Dienstag (18. Juni) gegen die geplante Anhebung der Stahl-Importquote für die Europäische Union demonstriert. Seit 2017 seien die Einfuhren um 30 Prozent gestiegen und am 1. Juli solle die Importquote erneut um 5 Prozent steigen, sagte der Vorstandschef von ArcelorMittal Bremen, Reiner Blaschek, am Dienstag vor knapp 2.000 Demonstranten auf dem Bremer Marktplatz. Dies müsse verhindert werden.

„Die europäische Stahlindustrie steckt in einer schweren Krise“, beschreibt ArcelorMittal die aktuelle Situation. An mehreren Standorten in Europa sei es bereits zu Einschränkungen der Produktion gekommen. Auch am Standort in Bremen gebe es Produktionskürzungen, die weitere Rohstahlproduktion sei in Gefahr.

ArcelorMittal hatte kürzlich angekündigt, die Produktion in seinem Bremer Werk um 400.000 Tonnen zu kürzen. Im vierten Quartal soll der wegen einer Reparatur geplante Stillstand von einem der beiden Hochöfen verlängert werden. In Bremen werden pro Jahr bis zu 3,5 Millionen Tonnen Flachstahl produziert.

Bis 1,5 Millionen Tonnen weniger

Grund für die Produktionskürzungen seien die schwache Stahlnachfrage und die hohen Stahl-Importe. Betroffen ist allerdings nicht nur ArcelorMittal. Insgesamt soll in den drei Ländern Frankreich, Spanien und Deutschland die Produktion um 1 bis 1,5 Millionen Tonnen Stahl in einem Zeitraum von zwölf Monaten gesenkt werden.

„Die Maßnahmen zum Schutz der Stahlindustrie, die die Europäische Union im Februar dieses Jahres eingeführt hat, haben offensichtlich ihre stabilisierende Wirkung verfehlt“, erklärt ArcelorMittal. Wenn tatsächlich die Importquote zum 1. Juli erhöht wird, würde dies die „Stahlkrise weiter verschärfen und Arbeitsplätze bedrohen“.



Insbesondere der Klimaschutz stellt die Stahlindustrie vor Herausforderungen. Die EU-Stahlwerke könnten dauerhaft nur konkurrenzfähig bleiben, wenn EU-Importe von Stahl ebenfalls einer CO2-Abgabe unterliegen, betont ArcelorMittal. Der Konzern habe das Ziel, bis 2050 Stahl in Europa klimaneutral herzustellen. Mit den heute gängigen Verfahren zur Stahlerzeugung werde dies aber nicht gelingen. „Die Dekarbonisierung der Stahlproduktion kann nur durch neue Verfahren und Technologien erreicht werden.“

Gesamtbetriebsratschef Klaus Hering betonte bei der Demonstration am Dienstag, dass Klimaschutz und Stahlproduktion zusammen gehörten. Es sei Zeit für ein CO2-Label auf Stahlprodukte. „Das ist doch ein schlechter Witz: Wir holen dreckigen Stahl nach Europa und wir produzieren sauberen Stahl und müssen noch eine Auflage zahlen.“

 

© 320°/dpa | 19.06.2019
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