Post-Consumer-PET

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Los Angeles will eine Straße in der Innenstadt mit einer Mischung aus recycelten PET-Flaschen und Recycling-Asphalt sanieren. Der neue Straßenbelag soll länger halten und günstiger sein als herkömmlicher Asphalt, verspricht der Hersteller. Die US-Amerikaner sind nicht die ersten, die Plastik im Straßenbau einsetzen wollen.

L.A. will Recycling-Kunststoffe im Straßenbau testen


Los Angeles wird experimentierfreudiger, was Recyclinglösungen angeht. Denn seit Chinas Importstopp für Plastikmüll bleibt die kalifornische Großstadt auf den Kunststoffabfällen seiner Einwohner sitzen. Bislang gingen diese größtenteils auf die Deponie. Nun scheint sich ein anderer Verwertungsweg aufzutun: als Ersatzstoff für Bitumen.

Los Angeles will dazu ein neues Verfahren für den Straßeneinbau mit recycelten PET-Flaschen als Bindemittel testen. Entwickelt wurde das Verfahren vom nordkalifornischen Bautechnikunternehmen TechniSoil Industrial. Nach Angaben des städtischen Amts für Straßenwesen soll die Teststrecke Straßenblocklänge haben und Mitte Dezember in der Innenstadt gelegt werden – ganz in der Nähe der Walt Disney Hall.

Pro Mile bis zu 500.000 PET-Flaschen

Für seinen Straßenbelag nutzt TechniSoil Industrial Einwegkunststoffe wie PET-Flaschen. „Wir wandeln das PET chemisch in ein Polymersystem um, das bis zu 30 Gewichtsprozent recycelte Inhaltsstoffe aufnehmen kann“, erläutert Geschäftsführer Sean Weaver. Das synthetische Polymer diene als Bindemittel und ersetze komplett das Bitumen. Das Polymer namens G5 könne während des normalen Einbauprozesses mit dem zerkleinerten Recyclingasphalt vermischt werden.

Noch bezieht TechniSoil Industrial seinen Input in Form von gewaschenen PET-Pellets von verschiedenen Recyclingcentern in Kalifornien. „In Zukunft wollen wir diesen Schritt aber in unseren Prozess integrieren und dann PET-Bulkware annehmen“, wie Weaver ankündigt.

Pro Fahrbahn-Mile (etwa 1,6 Kilometer) könnten mit dieser Methode aktuell zwischen 100.000 und 200.000 PET-Flaschen verarbeitet werden. „Wir hoffen, dass wir bis 2021 durch eine veränderte Rezeptur unseres G5-Polymers die Menge auf bis zu 500.000 Flaschen pro Mile steigern können.“

Preiswertere Alternative

Das neue Fahrbahnsanierungssystem soll laut Weaver sechsmal weniger Energie verbrauchen und 90 Prozent weniger Emissionen verursachen als herkömmlicher Heißasphalt. Das liege unter anderem daran, dass alle Prozesse bei Umgebungstemperatur durchgeführt würden. Auch der eigentliche Einbau geschehe quasi kalt. Die mobile Maschinenlinie haben die Kalifornier in Zusammenarbeit mit dem Hersteller von Kalt-Recyclingmaschinen Roadtec konstruiert.

Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die Festigkeit der „Plastik-Straße“ die von bituminösem Asphalt übersteige. Das wird auch vom Straßenamt der Stadt Los Angeles bestätigt. Tests hätten gezeigt, dass die „Plastik-Straßen“ 6 bis 7 Mal stärker sein als traditionelle Asphaltstraßen, wie ein Sprecher des Straßenamts mitteilt.

Der ausschließlich aus Recyclingmaterialien bestehende Asphalt soll zudem eine preiswertere Alternative im Vergleich herkömmlichem Asphalt sein. Nicht nur, dass durch die neue Polymertechnologie der Kostenfaktor Bitumen wegfällt. Der Plastik-Asphalt soll auch schneller verlegt werden können als herkömmlicher Asphalt – und länger halten. „Im Durchschnitt halten unsere Straßen mehr als doppelt so lange“, wie Weaver betont.

Wenn sich das alles bewahrheiten sollte, könnte sich L.A. eine Menge Geld sparen. Alles in allem rechnet das Straßenbauamt mit einer potenziellen Senkung der Produktionskosten um 25 Prozent. Aber auch die Wartungskosten würden weniger, da die Stadt die Straßen weniger oft sanieren müsse. Drei Monate will die Stadt den neuen Recyclingasphalt testen. Bereits im kommenden Frühjahr könnte also die Entscheidung fallen, ob die Stadt noch weitere Straßen mit dieser Methode sanieren lässt.


Recyclingasphalt mit G5-Polymer:

Foto: Technisoil Industrial

Recycling-Plastik im Straßenbau wird auch in UK erprobt

Los Angeles ist aber nicht die einzige experimentierfreudige Stadt, was Plastik im Straßenbau angeht. An einem ähnlichen Projekt versucht sich auch die englische Grafschaft Cumbria. Das britische Verkehrsministerium hat der Grafschaft Anfang des Jahres 1,6 Millionen Britische Pfund (etwa 1,85 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, um den Einsatz von Recyclingplastik bei der Reparatur von Straßen zu testen.

Das eingesetzte Verfahren stammt von der britischen Firma MacRebur. Anders als bei der TechniSoil-Technologie soll der Kunststoffabfall nicht den gesamten Bitumen ersetzen, sondern lediglich einen Teil. MacRebur nimmt dazu gemischte Kunststoffabfälle, granuliert sie und verarbeitet sie zu Polymeren. Mittlerweile hat das Unternehmen drei verschiedene auf Kunststoffabfall basierende Additive im Programm.

Niederländer testen Radwege aus Recyclingkunststoff

Einen Schritt weiter geht ein niederländisches Joint-Venture: Es verwendet Plastikmüll nicht nur als Ersatz für Bitumen, sondern auch für den Straßenbelag selbst. Das dahintersteckende „Plastic Road“-Konzept hat das niederländische Straßenbauunternehmen KWS entwickelt, das zum Bauunternehmen VolkerWessels gehört. An dem Projekt sind auch der Öl- und Gaskonzern Total und der Kunststoffverarbeiter Wavin beteiligt.

Bereits vor gut einem Jahr haben die beiden niederländischen Gemeinden Zwolle und Giethoorn Pilot-Fahrradwege aus Recyclingkunststoff legen lassen. Der jeweils 30 Meter lange Testabschnitt besteht Herstellerangaben zufolge aus modularen Hohlprofilen aus Kunststoff, der einen „signifikanten Anteil“ an Recyclingmaterial enthält: Das im Streckenabschnitt verbaute recycelte Plastik entspreche 218.000 Plastikbechern oder 500.000 Plastikschraubdeckeln, wie es heißt.

Mittels Sensoren würden Daten wie Temperatur, Anzahl der Befahrungen und Haltbarkeit des Weges gemessen. Die beiden Strecken sollen zunächst über fünf Jahre beobachtet werden. Mit den Erkenntnissen will das Unternehmen seine Technik zur Marktreife weiterentwickeln.

„Plastic Road“ soll praktisch wartungsfrei sein

Laut KWS ist Plastic Road ein praktisch wartungsfreies Produkt. Es sei unempfindlich gegenüber Korrosion und Wettereinflüssen sowie auch widerstandsfähiger gegenüber chemischen Einflüssen. Das Unternehmen verspricht eine dreimal so hohe Lebensdauer wie herkömmliche Straßenkonstruktionen.

Ein anderer Vorteil gegenüber Asphalt und Beton liegt in dem geringen Gewicht der hohlen Plastikmodule. Aufgrund des geringen Gewichts soll sich das Material auch für weniger tragfähigen Untergrund eignen. Die Elemente brauchen lediglich Sand als Untergrund, weil sie in sich biegesteif sind. Das „Untergrund-Problem“ trifft laut KWS auf immerhin knapp die Hälfte der Niederlande zu.

Die Stadtplaner in Rotterdam dürften diese beiden Pilotprojekte mit Interesse verfolgen. Denn die Stadt hatte sich bereits vor rund vier Jahren für den Bau einer Teststraße gemeldet. Wann die erste Plastikstraße in Rotterdam tatsächlich angelegt wird, steht allerdings noch immer in den Sternen.

 

© 320°/mk | 28.10.2019
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