Pandemie

Düstere Prognose für die kommenden Tage: Bundeswirtschaftsminister Altmaier erwartet steil ansteigende Corona-Infektionszahlen bis Ende der Woche. SPD-Politiker Lauterbach wirbt für einen "Wellenbrecher-Shutdown".

Altmaier rechnet mit 20.000 Corona-Neuinfektionen


Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet für Ende der Woche mit 20.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Altmaier sagte am Dienstag bei einem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag: „Wir haben es zu tun mit einem exponentiellen Wachstum.“ In Deutschland steige die Zahl der Neuinfektionen jeden Tag um rund 70, 75 Prozent im Vergleich zur Woche davor. „Und das bedeutet: Wir werden wahrscheinlich schon Ende dieser Woche 20.000 Neuinfektionen am Tag haben“, sagte Altmaier.

Dies sei eine Zahl, die man sich vor drei Wochen noch nicht habe vorstellen können. Der Wirtschaftsminister verwies auch auf die hohe Zahl von Corona-Neuinfektionen in Frankreich und betonte die enge Zusammenarbeit mit Frankreich.

Die Gesundheitsämter haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom frühen Dienstagmorgen 11.409 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche hatte die Zahl bei 6.868 gelegen. Am Samstag war mit 14.714 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht worden.

„Für eine Woche alles dicht machen“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warb für eine befristete Schließung zahlreicher Einrichtungen. „Wenn wir den Sonderweg Deutschlands retten wollen, auch besser durch die zweite Welle zu kommen, dann muss ein Wellenbrecher-Shutdown jetzt kommen“, sagte Lauterbach der dpa. Es gehe um ein Konzept, „bei dem man über zwei Wochen hinweg mit Ankündigung – in der Regel mit einer Woche Vorlauf – bundesweit Einrichtungen schließt: Restaurants, Bars, Kneipen, alle Kulturstätten, Fitnessstudios, Vereine. Offen bleiben aber Schulen, Kitas und essenzielle Geschäfte.“ Private Treffen müssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

Noch rigoroser fiel ein Vorstoß des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU, Thomas Strobl, aus. Er regte an, „dass wir auch einmal für eine Woche alles dicht machen, dass von Freitag bis Sonntag die Woche darauf gar nichts mehr geht“. Auf die Frage, ob dies auch Schulen, Kitas und Geschäfte betreffen würde, sagte der baden-württembergische Innenminister dem Nachrichtenportal «The Pioneer» (Dienstag): „Alles heißt alles.“

Das bedeute auch Einschränkungen im Grenzverkehr, sagte Strobl. Damit könne man das Infektionsgeschehen zum Stillstand bringen. Der Vorteil dieser „sehr, sehr harten“ Lösung wäre die zeitliche Begrenzung. Strobl betonte, dann wären ein Weihnachtsgeschäft und eine gemeinsame Weihnachtszeit mit der Familie wieder möglich.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa sagten 63 Prozent, dass sie einen Lockdown mit Schließungen von Geschäften, Restaurants oder Schulen erwarten. Nur 23 Prozent glauben nicht daran, 13 Prozent machten keine Angaben.

Am Mittwochmittag beginnen Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehreren Bundesministern mit den Ministerpräsidenten der Länder zur aktuellen Corona-Lage. Diese werden angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen mit Spannung erwartet.

 

© 320°/dpa | 27.10.2020
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