Nachhaltiges Bauen

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In der Schweiz entsteht ein Haus, das zeigt, wie der Kreislaufgedanke beim Bauen idealerweise umgesetzt werden kann. Das bezieht sich nicht nur auf die Materialien, sondern auch auf den Wohnalltag. Nach der Eröffnung können Übernachtungsgäste die Nachhaltigkeit testen.

Ein Haus, das den Kreislauf schließt


Der Bodenaushub landet auf dem Dachgarten, das Abwasser wird zum Gießen genutzt und die Baumaterialien sind allesamt kreislauffähig mit hohem Rezyklatanteil: In der Schweiz wird derzeit ein Haus gebaut, bei dem sich von den Baumaterialien bis zu den Nährstoffen aus dem Abwasser alles im Kreislauf befindet.

Errichtet wird das sogenannte KREIS Haus unter der Leitung von Devi Bühler, die am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet. KREIS Haus steht dabei für Klima und Ressourcen-Effizientes Suffizienz Haus.

Kreislaufgedanke schon beim Aushub

Der Kreislaufgedanke für das Haus hat schon beim Aushub begonnen: Der nährstoffreiche Boden wurde nicht deponiert, sondern für den Dachgarten verwendet und in der Umgebung des Hauses integriert. Außerdem wird das KREIS Haus auf einem sogenannten Schraubfundament gebaut, um Beton zu sparen. „Das Haus kann damit einfach rückgebaut werden, ohne dass langfristige Schäden entstehen. Der Untergrund des Gebäudes wird zusätzlich mit Recyclingkies bedeckt“, so die Hochschule.

Für das Haus selbst wurden ausschließlich ökologische Baumaterialien verwendet: Die Wohneinheit etwa besteht aus Vollholz, der Fußboden aus recycelten Glasscherben, die Fenster sind wiederverwendet und die Küche wird aus langlebigem Stahl gebaut.

Wintergarten im KREIS Haus (Foto: ZHAW Ecological Engineering)

Um auch den Wohnalltag kreislauffähig zu gestalten, wurden unter anderem mehrere Solarmodule eingebaut, die die gesamte benötigte Energie produzieren. Überschüssige Solarenergie wird in Second-Life-Batterien gespeichert, die zuvor in Postfahrzeugen eingesetzt wurden.

Lüftung, Heizung und Warmwasseraufbereitung wurden ebenfalls im Kreislauf designend: Die warme Gewächshausluft wird demnach über einen Wärmetauscher und die Lüftung dem Wohnraum zugeführt. Das Warmwasser wiederum wird mit einer Wärmepumpe erwärmt, die die warme Abluft vom Wohnraum nutzt.

Kreislauf-Schema im KREIS Haus (Foto: ZHAW Ecological Engineering)

Auch bei den sanitären Anlagen wurde der Kreislauf geschlossen. Laut ZHAW funktioniert die eingebaute Trockentrenntoilette mit einem Förderband, das die Fäkalien zunächst abtransportiert. Diese werden demnach mit einem speziellen Verfahren aufbereitet und im Dachgarten als Dünger eingesetzt.

Abwasser aus Küche und Bad, das leicht verschmutzt ist, wird gleich im Gebäude gereinigt und für die Bewässerung genutzt. „Besonders interessant für Menschen ohne den berühmten grünen Daumen: Im Dachgarten kultiviert ein Pflanzroboter Gemüse. Und an der Fassade im Wintergarten werden Kräuter in einer Bambus-Hydroponic direkt im Wasser gezogen“, heißt es von Seiten der Hochschule.

Aktuell ist das Haus noch im Bau, die Eröffnung ist für den 4. September geplant. Ab dann ist das Haus auch für die Öffentlichkeit für Führungen und Workshops zugänglich und steht Übernachtungsgästen offen. Diese sollen dann das kreislauffähige Wohnen ausgiebig testen und anschließend an einer wissenschaftlichen Befragung teilnehmen, um den nachhaltigen Alltag weiterzuentwickeln.

Das Interesse an dem kreislauffähigen Wohnen scheint groß zu sein: Bis auf weiteres sind alle Übernachtungen ausgebucht – für Interessenten gibt es derzeit lediglich eine Warteliste.

320°/ek

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