Mehr Radverkehr

Für Elektroautos gibt es 6.000 Euro staatliche Förderung, für privat genutzte Lastenräder jedoch nicht. Die Grünen wollen das ändern. Die Kritik politischer Gegner lässt nicht lange auf sich warten.

Baerbock will auch Lastenfahrräder fördern


Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will den Kauf von Lastenrädern unterstützen. „Eine Förderung für Lastenräder halte ich für sehr richtig“, sagte sie am Sonntag im Online-Programm von Tagesschau24 nach der Aufzeichnung des ARD-Sommerinterviews. „Unser Vorschlag sind 1.000 Euro.“

Baerbock sagte, es solle keine „absolute Ungleichheit“ geben zu einer Förderung von 6.000 Euro für Elektroautos. Damit könnten auch Menschen, die keinen Führerschein hätten oder nicht Auto fahren wollten oder könnten, zum Beispiel ihre Einkäufe nach Hause bringen.

Eine bessere Förderung der Radinfrastruktur findet sich auch im Programm der Grünen zur Bundestagswahl, allerdings ohne Nennung eines konkreten Förderbetrags. „Wir verstärken die Bundesförderung und Beratungsangebote für den Ausbau und die Modernisierung der Radinfrastruktur, schaffen ein schlagkräftiges Kompetenzzentrum Radverkehr und bezuschussen die Anschaffung von Job- und Lastenrädern sowie S-Pedelecs“, heißt es da.

Kritik von Union und FDP

Vor Baerbocks Äußerungen hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler sich bereits in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland für eine Förderung von Lastenfahrrädern mit jeweils 1.000 Euro ausgesprochen und Kritik aus Union, FDP und Linken geerntet. Kindler sagte dem RND, dass eine Million Lastenräder vom Bund gefördert werden sollten – und zwar, anders als bislang, auch privat genutzte.

Unionsfraktionsvize Ulrich Lange (CSU) lehnte Kindlers Idee ab. Nur im innerstädtischen Bereich könnten Lastenfahrräder ein sinnvolles Instrument sein, sagte er der «Welt». Ein Großteil lebe aber auf dem Land. „Die Mehrheit der Menschen hat von dem Vorschlag der Grünen gar nichts, außer dass sie dafür zahlen soll.“

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Oliver Luksic, sagte demselben Medium: „Es gibt bereits circa 100 Fördertöpfe von Bund, Ländern und vor allem Kommunen mit Subventionen für den Kauf eines Lastenfahrrads, die Grünen wollen diesen Förderdschungel nun aber noch ausweiten, statt endlich gezielter zu fördern.“

Linke-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali sagte der «Welt», Lastenfahrräder könnten in einigen Städten eine Hilfe sein, „in den ländlichen Regionen helfen sie praktisch niemandem“. Wer glaube, mit einer staatlichen Förderung von Lastenfahrrädern die Verkehrswende einleiten zu können, der befinde sich auf dem Holzweg. „Stattdessen sollte der öffentliche Nahverkehr konsequent ausgebaut werden, und die Ticketpreise müssen sinken.“

320°/dpa

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