Stahlerzeugung
In Wilhemshaven könnte eine Eisenerz-Reduktionsanlage entstehen. Das belegt eine Machbarkeitsstudie. Als Basis würde grüner Wasserstoff dienen.
Wilhelmshaven möglicher Standort für klimaneutrale Stahlproduktion
Stahl soll in den kommenden Jahren mehr und mehr klimaneutral produziert werden – die Stadt Wilhelmshaven könnte dabei nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums künftig ein wichtiger Produktionsstandort werden. Ein Unternehmenskonsortium stellte der Landesregierung am Mittwoch Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für eine wasserstoffbasierte Eisenerz-Direktreduktionsanlage (DRI) vor.
Demnach könnten mit einer 410 Megawatt-Großelektrolyse jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen grüner sogenannter Eisenschwamm produziert werden, wie das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Bei einer „zügigen Umsetzung bereits vor 2030“ könnten demnach mehr als zwei Millionen Tonnen CO2 in der Stahlproduktion eingespart werden.
Bislang wird Stahl meist mithilfe von Hochöfen hergestellt. Im Hochofen werden Koks und Kohle als sogenannte Reduktionsmittel eingesetzt, um dem Eisenerz bei hoher Temperatur den Sauerstoff zu entziehen. Um CO2 einzusparen, entwickeln Stahlhersteller nun sogenannte Direktreduktionsanlagen (DRI), die Eisenschwamm zur Stahlproduktion herstellen. Für den Betrieb werden jedoch große Mengen Wasserstoff und Strom benötigt.
Dieser könnte laut Ministerium künftig über Offshore-Windenergie in Wilhelmshaven zugeführt werden. „Diese Machbarkeitsstudie zeigt die großen Chancen für den Aufbau eines ganz neuen Industriestandortes in Wilhelmshaven“, sagt Umweltminister Olaf Lies. „An Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen finden wir hervorragende Voraussetzungen für die klimaneutrale Herstellung von Eisenschwamm: Saubere Energie aus On- und Offshore-Wind ist hier direkt verfügbar – genauso wie der notwendige Bahnanschluss und die Industrieflächen und damit ausreichend Platz für die Direktreduktionsanlage inklusive sauberer Wasserstoffproduktion.“

Im weiteren Verlauf soll nun der Anschluss an das Gasnetz geprüft werden sowie der Umstieg auf eine 380 kV-Stromversorgung für die Elektrolyse. Wie Lies sagte, könnten mit der Anlage 200 Industriearbeitsplätze geschaffen werden. „Klimaschutz zusammen mit einer intelligenten Industriepolitik sichert den Standort Deutschland und schafft neue, gute Arbeitsplätze“, betonte er.
Die Machbarkeitsstudie wurde unter anderem von den Stahlherstellern Salzgitter und Arcelormittal erarbeitet. Als nächstes soll ein Nachweis für die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage erbracht werden. Dazu soll ein industrielles Gesamtkonzept entwickelt werden.
320°/dpa/sk


