Chemisches Recycling
Die Forderung der Kunststoffindustrie, das mechanische und chemische Recycling von Kunststoffabfällen gleichzusetzen, stößt dem Entsorgerverband bvse sauer auf. Die Kunststoffindustrie betreibe „Greenwashing“. Sie sei nicht an Kreislaufwirtschaft interessiert.
bvse: Kunststoffindustrie drückt sich vor nachhaltiger Lösung
Erst der Verband der Europäischen Kunststoffverarbeiter (EuPC), dann auch noch mehrere Fraunhofer-Institute: In den vergangenen Tagen sind die Stimmen lauter geworden, die eine abfallrechtliche Gleichsetzung von mechanischem und chemischen Recycling fordern. Der Entsorgerverband bvse reagiert entsetzt: „Die europäische Kunststoffindustrie startet eine neue Greenwashing-Kampagne, die man ihr nicht durchgehen lassen sollte“, erklärt Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.
Der Verband wirft der Kunststoffindustrie vor, nicht an Kreislaufwirtschaft interessiert zu sein, sondern nur „an Lösungen der einfachen und billigen Entsorgung, die ihr Geschäftsmodell so wenig wie möglich tangiert“. Mit dem chemischen Recycling würden alle Bemühungen konterkariert, Verpackungen nachhaltiger durch „Design for Recycling“ zu gestalten. „Chemische Abfallbehandlungsverfahren werden letztlich, vergleichbar mit der Müllverbrennung, den Stoffstrom der Kunststoffe beseitigen, anstatt diesen zu recyceln.“
Laut bvse stehen getrennt gesammelte und sortierte Polyolefinfraktionen aus dem Verpackungsbereich im Fokus des chemischen Recyclings. Allerdings seien Kunststoffverpackungen nicht das Hauptproblem, sondern vielmehr Kunststoffe in Elektrogeräten oder Fahrzeugen. Für diese Kunststoffströme könnte das chemische Recycling tatsächlich eine ökologisch bessere Lösung darstellen als die Müllverbrennung. Doch das sei „technisch enorm anspruchsvoll“, weshalb es in diesem Bereich kaum Aktivitäten zum chemischen Recycling gebe.
Nach Auffassung des bvse ist die CO2-Bilanz des chemischen Recyclings deutlich schlechter als beim werkstofflichen Recycling von Kunststoffen. „Es wird deutlich weniger Energie eingesetzt, der bei der chemischen Behandlung erforderliche Chemiecocktail wird nicht benötigt und die im Wege des Kunststoffrecyclings hergestellten Rezyklate sind für eine große Vielfalt von Kunststoffprodukten einsetzbar“, erklärt der Verband. Das chemische Recycling sei letztlich kontraproduktiv.
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