Konjunktur

Lieferengpässe bei wichtigen Teilen und Rohstoffen belasten die Auftragslage in der deutschen Industrie. Im August schlägt ein deutliches Minus zu Buche. Bei Daimler sind die Pkw-Verkäufe eingebrochen.

Dämpfer für deutsche Industrie: Deutlich weniger Aufträge im August


Nach einem kräftigen Auftragsplus in den Vormonaten hat der August für die deutsche Industrie einen Dämpfer gebracht. Beim Auftragseingang verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe in dem Monat ein Minus von 7,7 Prozent zum Juli 2021, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Die Wiesbadener Behörde erklärte den deutlichen Rückgang damit, dass anders als im Juli und Juni des laufenden Jahres weniger Großaufträge zum Beispiel für Flugzeuge, Schiffe oder Züge eingingen. „Es gab für einen August zwar überdurchschnittlich viele Großaufträge, aber weniger als in den Vormonaten“, erklärte ein Statistiker.

Aber auch ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Großaufträge gingen die Auftragseingänge im Monatsvergleich um 5,1 Prozent zurück. Besonders stark rückläufig waren den Angaben zufolge die Bestellungen in der Automobilindustrie. Vielen Herstellern machen Lieferengpässe bei wichtigen Teilen und Rohstoffen zu schaffen: Die Bestellungen im Bereich Kraftwagen und Kraftwagenteilen sanken nach Berechnungen des Bundesamtes im August um 12 Prozent, in der Metallerzeugung und -bearbeitung gab es Rückgänge von 9,6 Prozent.

Starker Einbruch bei Daimler

„Der satte Rückgang bei den Auftragseingängen zeigt, der Materialmangel bremst auch die Auftragseingänge kräftig. Wenn ohnehin klar ist, dass nicht geliefert werden kann, bestellen viele Unternehmen erst gar nicht“, analysierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Der Mangel an Vorprodukten ist also gegenwärtig ein durchaus ernstzunehmendes kurzfristiges Konjunkturrisiko.“

Bei Daimler führte der Halbleitermangel zu einem deutlichen Einbruch der Pkw-Verkäufe. Die Stammmarke Mercedes-Benz lieferte von Juli bis September weltweit 428 361 Autos aus – das waren 30,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In vielen Regionen gab es prozentual zweistellige Rückgänge, so auch in Deutschland und Europa sowie im größten Markt China.

Im bisherigen Jahresverlauf hat Mercedes die Auslieferungen um 2,7 Prozent auf 1,59 Millionen Autos steigern können. Der Vorsprung vor dem Corona-Vorjahr ist nach dem dritten Quartal damit aber deutlich abgeschmolzen. Daimler-Chef Ola Källenius hatte bereits vor einem schwächeren Verkaufsergebnis in der zweiten Jahreshälfte gewarnt.

320°/dpa

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