Nachhaltige Fasern

Der Textilfaserhersteller Spinnova investiert in eine eigene Garnspinnerei. Damit sollen neue Rohstoffe getestet und die Produktentwicklung beschleunigt werden. Als Inputstoffe dienen unter anderem Abfälle.

Spezialfasern: Spinnova will F&E-Zentrum einrichten


Was die Textilfasern von Spinnova ausmacht, ist ihr Herstellungsprozess: Der finnische Textilproduzent hat ein Verfahren entwickelt, um Fasern aus Textilabfällen oder landwirtschaftlichen Abfällen wie Weizen- oder Gerstenstroh herzustellen. Dabei werden nach Unternehmensangaben keine schädlichen Chemikalien verwendet. Außerdem verursache die Faser nur minimale CO2-Emissionen, sei schnell biologisch abbaubar, enthalte kein Mikroplastik und könne immer wieder zu einer neuen Faser recycelt werden.

Angeblich funktioniert die Spinnova-Faser besonders gut in Mischungen mit anderen Naturfasern, insbesondere Baumwolle. Die ersten dieser Fasern sollen ab Ende 2022 für globale Textilmarken erhältlich sein. Ab 2031 sollen dann eine Million Tonnen nachhaltige Fasern in einer neuen Produktionsstätte in Mittelfinnland hergestellt werden.

Wie Spinnova nun mitteilt, will das Unternehmen bis Ende 2022 auch ein eigenes Zentrum für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Betrieb nehmen. In einer eigenen Garnspinnerei will der Faserproduzent künftig an Inputstoffen aus Holz und Abfall sowie an Garnen und Textilien forschen. Die Anlagentechnologie werde der Schweizer Textilmaschinenhersteller Rieter liefern. In die Anlage im industriellen Maßstab will Spinnova rund 2,2 Millionen Euro investieren, davon werden 600.000 Euro aus staatlichen Mitteln gespeist.

Von der eigenen Spinnanlage am Standort in Jyväskylä verspricht sich das Unternehmen eine schnellere Produktentwicklung. Darüber hinaus soll dadurch auch die Zusammenarbeit mit Marken sowie die Markteintrittsmöglichkeiten weiter verbessert werden. „Wir können schnell Versuche durchführen, verlieren keine Vorlaufzeit und können größere Chargen als bisher testen“, sagt Janne Poranen, CEO und Mitbegründer von Spinnova.

Das Interesse der Industrie an der neuen Faser scheint bislang groß zu sein. Spinnova ist inzwischen einige Partnerschaften mit namhaften Unternehmen eingegangen, darunter Adidas und der Outdoor-Riese The North Face sowie die Modeunternehmen Marimekko, Beststeller und H&M sowie der Hersteller von Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung Bergans. Im Oktober hatte Spinnova außerdem angekündigt, zusammen mit dem Outdoor-Label Icebreaker Spinnova zusammenarbeiten: Ihr Ziel sei es, ein „völlig neues Material“ zu entwickeln. Dabei sollen die Spinnova-Fasern mit Merinowolle kombiniert werden.

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