Junge Generation

Immer wieder demonstrieren tausende junge Menschen für mehr Klimaschutz. Doch im Alltag auf klimaschädliche Gewohnheiten verzichten, wollen viele nicht. Lieber grün reden als grün leben?

Klimaschutz ja – Verzicht eher nicht


Viele junge Menschen wollen offenbar auf ihren gewohnten Komfort nicht verzichten – auch wenn dieser klimaschädlich ist. Das legt eine Umfrage nahe, die der Jugendforscher Simon Schnetzer am Montag präsentierte. Demnach macht der Klimawandel zwar vielen jungen Menschen in Deutschland Sorgen. Auf das Fliegen, Fleischessen oder Autofahren will eine Mehrheit aber dennoch nicht verzichten.

Laut Umfrage bezeichnen 56 Prozent der 14- bis 29-Jährigen den Klimawandel als wirtschaftlich-gesellschaftliches Thema, das ihnen Sorgen macht – mehr noch als die Zukunft des Rentensystems, steigende Preise oder eine drohende Spaltung der Gesellschaft. Zugleich sagen aber nur 27 Prozent, sie seien bereit, konsequent auf Flugreisen zu verzichten. 39 Prozent der Befragten lehnen das ab. Die übrigen 34 Prozent kreuzten unverbindlich „vielleicht“ an.

Beim dauerhaften Verzicht auf das eigene Auto oder tierische Produkte sagt sogar mehr als die Hälfte „nein“. Am stärksten ausgeprägt sei das auf dem Land, wo es aber auch weniger Alternativen gebe, erklärte Schnetzer.

Latente Veränderungsbereitschaft

„Die Gewohnheiten und der Wunsch nach Komfort sind zu groß“, sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Der mentale Durchbruch zum klimabewussten Leben stehe auch in der jungen Generation noch aus. Zwar gebe es diejenige Gruppe junger Leute, die sich vegan oder vegetarisch ernähren und kein Auto haben, doch diese Gruppe sei in der Minderheit und habe es noch nicht geschafft, die Mehrheit auf ihre Seite zu ziehen.

Der Umfrage zufolge bilden Vegetarier und Veganer unter jungen Leuten deutlich die Minderheit (22 Prozent) – auch wenn dieser Anteil doppelt hoch ist wie in anderen Umfragen, die die Gesamtbevölkerung abbilden. Doch immerhin geben viele junge Leute an, ihren Lebensstil „vielleicht“ zu ändern. „Die Bereitschaft der jungen Generation, ihren Lebensstil zu verändern, ist latent da“, sagt Hurrelmann. Viele warteten aber noch träge ab. Wer noch zu Hause wohne, könne oft auch nicht durchsetzen, welches Essen beispielsweise auf den Tisch komme.

„Unter diesen Umständen kann der von jungen Leuten mehrheitlich befürwortete Klimaschutz nur mit klaren Regeln und Vorgaben durch die Politik gelingen“, folgert Hurrelmann. „Jetzt braucht es Ermutigung.“ Wichtig sei, dass diese auch von den Älteren komme.

320°/dpa/sk

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