Elektromobilität

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Für den Warentransport auf der sogenannten letzten Meile sind Elektrofahrzeuge prädestiniert. Ein neues E-Lastenfahrzeug kann nicht nur das, es eignet sich auch für die Abfallentsorgung. Und es verspricht einen Batteriewechsel in Windeseile.

E-Lastenfahrzeug für die letzte Meile – und die Abfallentsorgung


Ob für Handwerker, Paketdienstleister oder die Müllabfuhr: Je dichter besiedelt eine Gegend ist, desto schwieriger ist das Überwinden der sogenannten letzten Meile bis zum Endkunden. Hinzu kommen Forderungen nach CO2-Einsparungen. Daher setzen viele Unternehmen immer häufiger auf kleine, elektrifizierte Fahrzeuge. Auf diesen Trend ist auch das indisch-amerikanische Unternehmen Biliti Electric aufgesprungen und steigt mit einem Elektrofahrzeug sowie einer Modifikation für die Abfallentsorgung in den deutschen Markt ein.

GMW Taskman heißt das dreirädrige Gefährt, das optisch stark an ein Tuk Tuk erinnert – auch wenn ihm sein ursprüngliches Erkennungsmerkmal fehlt. Denn ihren Spitznamen verdanken die Minitransporter eigentlich ihrem Verbrennungsmotor, da dieser häufig lautstark „tukerte“. Statt mit einem Verbrenner ist der GMW Taskman mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet. Die Reichweite liegt laut Herstellerangaben bei etwa 80 Kilometern, die Gesamtladezeit an einer herkömmlichen 240-Volt-Steckdose betrage rund 3,5 Stunden. Als Höchstgeschwindigkeit kann der Taskman mit 40 Kilometern pro Stunde unterwegs sein.

Taskman: Batteriewechsel in weniger als einer Minute (Foto: Biliti Electric)

Wie Biliti Electric betont, ist der GMW Taskman das erste dreirädrige Elektrofahrzeug, das mit einem Batteriewechselsystem – dem sogenannten Smart Swapp – ausgestattet ist. Mithilfe des Systems können die Nutzer gebrauchte Batterien in weniger als einer Minute durch vollaufgeladene Akkus tauschen. Die Austauschbatterien könnten separat gekauft und somit Lade- und Ausfallzeiten gespart werden. Die Batterie können entweder im Taskman selbst oder direkt am Stromnetz aufgeladen werden.

Insgesamt hat das Fahrzeug eine Ladekapazität von etwa 300 Kilogramm oder 2,7 Kubikmetern und wird auch in einer modifizierten Version für die Müllabfuhr angeboten. Der sogenannte Dumpstar verfüge über ein hydraulisches Entladesystem und eine Box mit zwei Fächern, die für die Trennung aller Arten von Abfällen verwendet werden könne, erklärt ein Unternehmenssprecher gegenüber 320°. Der Dumpstar eigne sich vor allem für Orte, an denen große Lastwagen schwer zu manövrieren sind, oder für kleine Gemeinden, in denen ein oder mehrere Fahrzeuge die Arbeit erledigen könnten. Wegen seines Elektroantriebs sei das Fahrzeug ebenfalls frei von Schadstoffemissionen – „vor allem in den Zentren von Großstädten können so die Auflagen für den Verkehr erfüllt werden“, wie es heißt.

Der Anschaffungspreis für den Taskman liegt bei 9.999 Euro; die Entsorgungsvariante wird für 11.990 Euro verkauft. Bei jedem Fahrzeug ist eine Batterie enthalten. Eine zusätzliche Batterie, die mit beiden Fahrzeugen kompatibel ist, kostet 2.400 Euro.

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Außerhalb von Deutschland wurde der Taskman bereits mehrfach eingesetzt. Nach Unternehmensangaben hat die globale Flotte der Elektro-Tuk-Tuks bislang eine Gesamtlaufleistung von 20 Millionen Meilen erreicht und 12 Millionen Pakete ausgeliefert. „Das GMW Taskman-Fahrzeug wurde von Online-Handelsunternehmen und Lebensmittellieferanten wie Amazon, Walmart (Flipkart), IKEA, SokoWatch, BigBasket (Tata), Zomato und einigen anderen rund um den Globus getestet“, betont das Unternehmen, das erst in diesem Jahr gegründet wurde.

Neben dem Markteintritt in Deutschland hat Biliti weitere Pläne in Europa: In Portugal soll den bisherigen Plänen zufolge eine Produktionsstätte mit einer Montagekapazität für bis zu 500 Fahrzeugen pro Monat gebaut werden. Dies bedeute eine Gesamtinvestition von rund 20 Millionen Euro in den europäischen Markt in den kommenden drei Jahren. Erst kürzlich erhielt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Investitionszusage über 400 Millionen US-Dollar durch den Investmentfonds GEM.

Ob sich der Taskman auf dem deutschen Markt behaupten kann, bleibt dennoch abzuwarten. Denn konkurrenzlos ist das Elektrogefährt nicht. Viele Entsorgungsbetriebe haben sich im Straßenreinigungsbereich oder für die für Entsorgung der Müllbehälter im Stadtgebiet bereits leichte Elektronutzfahrzeuge gekauft. So fährt beispielsweise in der baden-württembergischen Stadt Gaggenau ein E-Auto von Goupil durch die Straßen, die Berliner Stadtreinigung hat unter anderem eine vollelektrische Kehrmaschine angeschafft.

Auch Lieferdienste wie Amazon oder Zalando haben bereits einen Teil der Flotte auf Elektroautos umgestellt und nutzen dabei meist Elektro-Kleintransporter von großen Autobauern – etwa den eVito von Mercedes. Und die Deutsche Post DHL verkündetet Mitte des Jahres, bis Ende 2030 mehr als 80.000 E-Fahrzeuge einsetzen zu wollen. Damit würde der Konzern dann innerhalb von zehn Jahren den Anteil der E-Fahrzeuge auf der letzten Meile von weltweit etwa 18 Prozent (Ende 2020) auf 60 Prozent steigern.

320°/ek

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