Jerichower Land

Vor knapp 14 Jahren ist der Müllskandal im Jerichower Land aufgeflogen. Nun hat der Landkreis seine Sanierungsmaßnahmen nahe der Tongrube Vehlitz abgeschlossen. Die Kosten in Millionenhöhe trägt der Steuerzahler.

Landkreis schließt Sanierung der Tongrube Vehlitz ab


Der Landkreis Jerichower Land hat seine Sanierungsmaßnahmen nahe der Tongrube Vehlitz abgeschlossen. In den vergangenen drei Jahren wurden rund 32.000 Tonnen „Müllbeton“ aus der Erde geholt und ordnungsgemäß entsorgt. Der Anteil der gefährlichen Abfälle betrug dabei 55 Prozent. „Ich bin froh, dass wir dieses Kapitel abschließen können – es war ein dunkles für den Landkreis“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) am Freitag. „Von diesem Areal gehen nun keine Gefahren mehr für die Umwelt aus.“

Im Frühjahr 2008 war herausgekommen, dass im Jerichower Land jahrelang Hunderttausende Tonnen Haushaltsmüll illegal in den Tongruben Möckern und Vehlitz verfüllt worden waren. Die Betreiberfirma, die Firma HRH Recycling, die damals zu Veolia gehörte, hatte den Boden mit einem Beton-Müll-Gemisch befestigt – mit dem gleichen Haushaltsmüll, der auch in den Gruben eingebracht worden war. Später ging die Firma insolvent.

Bei der Vorbereitung der Sanierungsmaßnahmen zeigte sich, dass die belastete Fläche deutlich größer war als angenommen. Statt 10.000 qm betrug der mit Müllbeton aufgefüllte Bereich rund 17.500 qm. Nach ersten Gefahrabwehrmaßnahmen Ende 2018, bei denen die oberirdisch gelagerten Abfälle fachgerecht entsorgt wurden, stimmte der Kreistag 2019 für eine vollständige Dekontamination durch Rückbau und Entsorgung des verfüllten Müllbetons. Danach erfolgte eine Profilierung des Geländes mit Oberboden sowie einer Rasenansaat.

„Lieber eine Schule gebaut“

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich den Angaben zufolge auf rund 5,94 Millionen Euro. Davon übernahm das Land Sachsen-Anhalt 1,5 Millionen Euro. „Es ist schade um das Geld, das wir hier investieren mussten. Dafür hätte ich lieber eine Schule gebaut“, sagte Burchhardt. Der SPD-Politiker rügte die ehemaligen Betreiber für ihre „kriminelle Energie“, das mache ihn immer noch „wütend“. Es habe dem Landkreis „nicht geholfen“, immer wieder mit dem Müllskandal in Verbindung gebracht worden zu sein, sagte der SPD-Politiker.

Auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in Vehlitz wurde bis 2009 eine nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigte Anlage zur Lagerung und Behandlung von Abfällen betrieben. In dieser Anlage wurden Abfälle mit Zement verfestigt, um diese als Bauersatzstoffe nutzen zu können.

Der Müllskandal ist in mehreren Gerichtsprozessen aufgearbeitet worden. Im Fall der Tongrube Möckern wurden im April 2020 sechs Angeklagte zu Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren ohne Bewährung und elf Monaten mit Bewährung verurteilt. Sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft legten Revision ein. Das Parallelverfahren zur Tongrube Vehlitz ging ebenfalls mit einem Urteil gegen die Betreiber zu Ende. Auch in diesem Prozess verhängte das Landgericht Stendal Haftstrafen. Das Urteil soll ebenfalls vom Bundesgerichtshof geprüft werden.

In einem weiteren Prozess wurde der ehemalige Landrat des Jerichower Landes, Lothar Finzelberg, wegen Bestechlichkeit zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Magdeburg sah es als erwiesen an, dass Finzelberg von den Unternehmern Gefälligkeiten annahm und dafür im Gegenzug die illegalen Müllablagerungen ermöglichte und deckte.

Abgeschlossen sind die Sanierungsarbeiten zwar für den Landkreis, in der Tongrube Vehlitz aber geht es weiter. Dort hatten sich Deponiegase und Sickerwasser gebildet. Die laufenden Arbeiten zur Oberflächenabdichtung sollen im Jahr 2023 abgeschlossen werden. Um die Gefahr von giftigen Stoffen und Gasen in Vehlitz und Möckern zu bannen, hat das Land Sachsen-Anhalt bisher rund 29 Millionen Euro ausgegeben.

320°/dpa/re

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