Zahlen für 2021

Die Organisation Shipbreaking Platform spricht von einem Umwelt- und Menschenrechtsskandal: Noch immer werden Handelsschiffe vorwiegend in Asien abgewrackt. Denn dort könnten die größten Gewinne erzielt werden.

Mehrzahl der Schiffe wird nach wie vor in Asien abgewrackt


Alte Schiffe werden nach Einschätzung der internationalen Nichtregierungsorganisation Shipbreaking Platform weiter in großem Stil unter menschen- und umweltgefährdenden Bedingungen in Asien abgewrackt. Aktuellen Daten zufolge seien im vergangenen Jahr 763 hochseetaugliche Handelsschiffe und schwimmende Offshore-Anlagen an Abwrackwerften verkauft worden, berichtet die Organisation. „Davon landeten 583 der größten Tanker, Massengutfrachter, schwimmenden Plattformen, Fracht- und Passagierschiffe an den Stränden Bangladeschs, Indiens und Pakistans, was nahezu der gesamten weltweit abgewrackten Bruttotonnage entspricht.“

Mindestens 14 Arbeiter seien beim Abwracken von Schiffen in Bangladesch ums Leben gekommen. Lokale Quellen berichteten zudem von jeweils zwei Todesfällen in Indien und Pakistan, hieß es in der Mitteilung.

„Wir erleben diesen Umwelt- und Menschenrechtsskandal schon viel zu lange. Alle Schiffseigner sind sich der katastrophalen Situation auf den Abwrackwerften und der mangelnden Kapazitäten für den sicheren Umgang mit den vielen giftigen Stoffen an Bord der Schiffe bewusst“, sagt die Geschäftsführerin der Organisation, Ingvild Jenssen. „Dennoch entscheidet sich die große Mehrheit mithilfe von Schrotthändlern dafür, ihre Altschiffe in Südasien abwracken zu lassen, da sie dort die höchsten Gewinne erzielen können.“

„Voller giftiger Stoffe“

Die Abwrackprämie – der Betrag, den ein Schiffseigner für ein Altschiff erhält – liege in Südasien im Durchschnitt beim zwei- bis vierfachen dessen, was in Europa gezahlt werde, erklärt Shipbreaking Platform. Die Organisation prangert seit Jahren Umweltschäden, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Krankheits- und Todesfälle sowie Unfälle im Zusammenhang mit der Abwrackung von Altschiffen via „Beaching“ an. „Der überwiegende Teil der weltweiten Altschiffflotte, die voller giftiger Stoffe ist, wird einfach an den Stränden Südasiens abgewrackt – von Hand“, kritisiert die Organisation.

In der EU ist das Abwracken alter Schiffe über eine entsprechende Verordnung geregelt. Danach dürfen diese nur in von der EU zertifizierten Einrichtungen recycelt werden; die Anlagen selbst dürfen sich auch außerhalb der Union befinden.

Laut Shipbreaking Platform hat die EU bisher aber nur 44 Werften in aller Welt als sicher und umweltverträglich anerkannt, darunter keine südasiatische Werft. „Im Jahr 2021 wurden nur 37 Schiffe in EU-zugelassenen Anlagen recycelt, was nur einen Bruchteil dessen darstellt, was diese Werften bewältigen können“, so die Organisation.

320°/dpa

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