Stabiler Umsatz

90 Prozent der Handybesitzer in Deutschland können sich ein Leben ohne ihr Smartphone kaum vorstellen. Das schlägt sich aber nicht in steigenden Absatzzahlen nieder: Der Verkauf der Computertelefone wird 2022 leicht sinken. Dafür gibt es zwei Hauptursachen.

Prognose: Zahl verkaufter Smartphones in Deutschland sinkt


Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen ein Smartphone. Doch gleichzeitig werden immer weniger neue Geräte verkauft. Das geht aus einer Marktprognose des Digitalverbandes Bitkom hervor, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde.

Demnach wird die Zahl der Smartphone-Nutzer in diesem Jahr zwar steigen – von 79 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahren auf 83 Prozent steigen. Das entspricht 57,4 Millionen Menschen und einem Plus von 1,4 Millionen.

Doch der Absatz an Neugeräten wird weiter zurückgehen. Für das laufende Jahr 2022 sagt die Studie voraus, dass der Absatz erstmals seit vielen Jahren unter die Schwelle von 20 Millionen fallen wird. Bereits 2020 sank der Absatz leicht um 0,8 Prozent auf 22 Millionen Geräte. 2021 fanden noch 20,4 Millionen neue Smartphones einen Käufer. Für das laufende Jahr sagt Bitkom ein Minus von 3,9 Prozent auf 19,7 Millionen Geräte voraus.

Das Minus beim Absatz wird allerdings beim Umsatz weitgehend ausgeglichen, weil die Käufer zu teureren Geräten greifen. So sinkt der Umsatz der Prognose nach nur leicht von 11,0 Milliarden Euro auf 10,9 Milliarden Euro – auch weil der Durchschnittspreis für ein neues Smartphone um 14 Euro auf 553 Euro steigt.

Trend zur Nachhaltigkeit

Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas, Präsidiumsmitglied von Bitkom, macht für den Absatz-Rückgang zwei Trends verantwortlich. Zum einen seien wegen der anhaltenden Chip-Lieferkrise etliche Modelle nicht in den gewünschten Stückzahlen verfügbar. Zum anderen sei ein Trend zur Nachhaltigkeit erkennbar.

„Der Wunsch nach aktuellen Smartphones mit der besten Technik ist groß, aber im Vergleich zu den vorherigen Jahren werden die Geräte im Durchschnitt später ausgetauscht“, sagt Haas. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher geben also im Zweifel lieber mehr Geld aus, um sicherzugehen, dass sie länger etwas von ihren Geräten haben.“

Insgesamt kann sich die Branche über die wirtschaftliche Entwicklung in der Corona-Krise nicht beklagen. Bitkom erwartet, dass die Umsätze der Branche rund um die Smartphones auch im zweiten Corona-Jahr auf dem hohen Niveau von 2021 bleiben: 2022 werden von der Branche in Deutschland voraussichtlich 36,8 Milliarden Euro umgesetzt – 600 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Den größten Anteil am Umsatz machen demnach Daten- und Sprachdienste mit 20,6 Milliarden Euro aus. Der App-Markt wächst laut Bitkom-Prognose auf 3,3 Milliarden Euro.

Unzufrieden zeigte sich der Verband mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Auf Kritik stießen vor allem die jüngsten Änderungen des Kündigungsrechtes, über die sich auch Fitness-Clubs und andere Unternehmen beklagen. Wer früher seinen Handyvertrag kündigen wollte, musste auf Fristen achten, damit die Kündigung mindestens drei Monate vor Vertragsende beim Anbieter einging – ansonsten verlängerte sich der Vertrag in der Regel um ein ganzes Jahr. Inzwischen können die Kunden nach Ablauf der Mindestlaufzeit monatlich Ihren Handyvertrag kündigen.

320°/dpa

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