Konjunktur

Steigende Energiepreise und wachsende Unsicherheit: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird zur Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft. Das DIW ist aber dennoch zuversichtlich - zumindest was die Produktion angeht.

Volkswirte: Wachsende Unsicherheit ist Gift für den Aufschwung


Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine kann nach Einschätzung von Volkswirten zur Bremse für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft werden. „Die Ukraine-Krise hängt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Konjunktur“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Deutschen Presse-Agentur. „Dabei sind nicht die deutschen Exporte nach Russland das Problem, die nur zwei Prozent aller deutschen Ausfuhren ausmachen. Stattdessen geht von einer Eskalation der Ukraine-Krise eine große Unsicherheit aus, die Gift für die Wirtschaft ist.“

Da Russland ein großer Gaslieferant für Deutschland und Europa ist, sieht Krämer zumindest mittelfristig „ein gewisses Risiko, dass es zu einer Energiekrise kommt, die den Aufschwung zumindest unterbrechen würde“. Auch ING-Deutschland-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist auf eine „sehr hohe Abhängigkeit“ der deutschen Wirtschaft vom russischen Gas und anderen Rohstoffen: „Die möglichen Folgen einer weiteren Eskalation sieht man jetzt schon: ein Anstieg der Gaspreise, höhere Inflation und zunehmende Unsicherheit, die sich wiederum in weniger Konsum und schwächeren Investitionen in Deutschland äußern könnten.“

Bislang gehen Ökonomen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Winter infolge der Omikron-Welle im Frühjahr wieder zulegen wird. „Die aktuellen Spannungen und eine mögliche Eskalation sind vielleicht nicht der ganz große Game-Changer, sie verstärken aber die aktuellen Risikofaktoren für die deutsche Wirtschaft: Inflation und Unsicherheit“, sagt Brzeski. „Der erwartete Frühjahrsaufschwung würde große Dellen bekommen.“

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) rechnet trotz der neuen Belastungen durch den Russland-Ukraine-Konflikt mit einer weiteren Erholung. Die Corona-Pandemie habe die deutsche Wirtschaft zwar nach wie vor im Griff, dennoch werde sich „die wirtschaftliche Lage Richtung Frühsommer wohl deutlich verbessern“, prognostizierte das DIW am Mittwoch. „In Mittel- und Osteuropa verzeichnet die Industrie gut gefüllte Auftragsbücher. Mit dem allmählichen Auflösen der Lieferproblematik dürfte die Produktion ab Frühsommer daher deutlich an Fahrt gewinnen.“

Für das Gesamtjahr 2022 sagt das DIW für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent voraus. Das wäre etwas mehr als im vergangenen Jahr, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europas größter Volkswirtschaft um 2,8 Prozent zugelegt hatte.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater hält eine weitere Verteuerung von Energierohstoffen aus konjunktureller Sicht für verkraftbar. „Schwieriger könnte es werden, wenn sich Sanktionen und Gegensanktionen aufschaukeln“, meint Kater. „Physische Lieferkürzungen können in Europa und anderswo die Produktionsbänder schnell anhalten lassen und sind daher für die Konjunktur problematischer als steigende Preise.“

Im Schlussquartal 2021 war die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach vorläufigen Daten um 0,7 Prozent zum Vorquartal gesunken. Detaillierte Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal will das Statistische Bundesamt an diesem Freitag (25.2.) veröffentlichen.

320°/dpa

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