Mit Pflanzenabfällen

kostenpflichtig
Der Chemiekonzern Covestro will seine Produkte künftig nur noch klimaneutral herstellen. Dafür bringt der Konzern einen klimaneutralen Rohstoff für Dämmmaterial auf den Markt. Das Benzol, das dafür verwendet wird, wird auf Basis von Pflanzenabfällen hergestellt.

Covestro entwickelt klimaneutrales MDI


„Wir richten uns vollständig auf die Kreislaufwirtschaft aus“, verspricht Covestro. Dafür plant der Chemiekonzern, seine Produkte nach und nach klimaneutral herzustellen. Aktuelles Beispiel ist der Rohstoff Methylen-Diphenyldiisocyanat – kurz MDI.

MDI ist ein Rohstoff für die Herstellung von Polyurethan. Aus Polyurethan wiederum lassen sich Schaumstoffe herstellen, die vor allem als Dämmung, aber auch in Matratzen oder Schwämmen genutzt werden. Die Kunden von Covestro nutzen MDI den Angaben zufolge vor allem für Anwendungen im Bau, in Kühlketten oder in Autos.

Um MDI klimaneutral zu produzieren, habe Covestro an mehreren Stellschrauben gedreht, sagt Covestro-Sprecher Frank Rothbarth gegenüber 320°. So nutzt Covestro als Rohstoff für MDI nur noch nachhaltiges Benzol. Geliefert wird das Benzol von TotalEnergie, das dieses auf Basis von alternativen Rohstoffen wie Pflanzenabfällen herstellt. Welche das im Detail sind, sei ihm nicht bekannt, so Rothbarth. Das Benzol dient als Vorstufe für Anilin, aus dem Covestro in mehreren Prozessschritten MDI herstellt.

Zertifiziertes Benzol von TotalEnergie

„Da das Benzol von TotalEnergie ISCC Plus zertifiziert ist und wir das MDI an ebenfalls ISCC Plus-zertifizierten Standorten Krefeld-Uerdingen, Antwerpen und Shanghai herstellen, können wir die Klimaneutralität von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor nachweisen“, sagt der Covestro-Sprecher. ISCC Plus ist ein globales Zertifizierungsprogramm für die Kreislaufwirtschaft, das von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt wird.

Die Klimaneutralität erreicht MDI nicht alleine durch das nachhaltige Benzol, sondern auch durch die Produktion bei Covestro. „Hier spielen Lieferketten und die Umstände, unter denen wir herstellen, etwa mit erneuerbarem Strom eine Rolle“, sagt Rothbarth. Die Methodik der Ökobilanz basiere auf mehreren ISO-Normen und werde bald extern geprüft und zertifiziert.

Das klimaneutrale MDI können die Kunden laut Covestro ohne Umstellung ihrer Produktion sofort verwenden – „ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen“, betont Hermann-Josef Dörholt, globaler Leiter des Segments Performance Materials. Gleiches gilt auch für das klimaneutrale Polycarbonat, das Covestro Ende vergangenen Jahres auf den Markt gebracht hat. „Die Makrolon Polycarbonat-Typen sind von der Wiege bis zum Werkstor klimaneutral, dank der Verwendung von erneuerbarem Strom für die Produktionsprozesse von Covestro und der Einführung von Rohstoffen, die aus massenbilanzierten Bioabfällen und Reststoffen stammen“, betonte das Unternehmen bei der Einführung.

320°/ek

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