Abfallsortierung

In der Nähe von Helsinki ist eine Sortieranlage an den Start gegangen. Das Besondere: In der Anlage werden sowohl Gewerbe- und Industrieabfälle als auch Bau- und Abbruchabfälle sortiert. Ein Teil der Komponenten stammt aus Deutschland.

„Die modernste Sortieranlage der Europäischen Union“


Es ist angeblich die „modernste Sortieranlage der Europäischen Union“: In der Nähe der finnischen Hauptstadt Helsinki ist vor wenigen Tagen im Beisein von Wirtschaftsminister Mika Lintillä ein neues Sortierzentrum eingeweiht worden. Erstmals können in einer einzigen Anlage sowohl Gewerbe- und Industrieabfälle als auch Bau- und Abbruchabfälle sortiert werden, betont der Betreiber Remeo Oy.

Remeo Oy, ein finnisches Entsorgungsunternehmen, hat die neue Anlage gemeinsam mit zwei Partnern konzipiert: dem finnischen Hersteller von Sortierrobotern ZenRobotics und dem Sortieranlagen- und Komponentenbauer Stadler, der seinen Sitz in Altshausen in der Nähe des Bodensees hat. Während ZenRobotics die KI-gestützen Sortierroboter lieferte, war Stadler für die restlichen Anlagenkomponenten zuständig.

Sortieranlage von Remeo nahe Helsinki (Foto: Stadler)

Um in der Anlage sowohl Gewerbe- und Industrieabfälle als auch Bau- und Abbruchabfälle sortieren zu können, sind die Linien speziell konzipiert worden: „Bau- und Abbruchabfälle neigen beispielsweise dazu, das System zu verstopfen beziehungsweise zu blockieren, insbesondere an den rechtwinkligen Übergangsbereichen der Transportbänder“, erklärt Nikolaus Hofmann, Vertriebsingenieur bei Stadler. „Also verzichteten wir bei der Konstruktion weitestgehend darauf. Zu diesem Zweck entwarfen wir ein schmales und langes Gebäude anstelle eines kürzeren, eher quadratischen Bauwerks.“

12 Greifroboter sortieren schweres Material

In der Anlage werden Ballistikseparatoren, Siebtrommeln, 3D-Trommeln, optische Sortierer, Windsichter, Sortierroboter, Magnetabscheider, Wirbelstromabscheider und die Roboter von ZenRobotics eingesetzt. Die Roboter übernehmen dabei sämtliche schweren Hebevorgänge, die für Menschen weder machbar noch sicher sind. „Die Anlage von Remeo ist mit 12 Greifrobotern ausgestattet, die Materialstücke mit bis zu 30 Kilo Gewicht aus den sperrigen Bau- und Abbruchabfällen herausholen. Alle zusammen schaffen bis zu 24.000 Greifvorgänge pro Stunde“, sagt Juha Mieskonen, Vertriebsleiter bei ZenRobotics.

Ballistikseparatoren von Stadler (Foto: Stadler)

Die Roboter sortieren demnach diverse Fraktionen – unter anderem Holz, Metalle, Steine und Plastik in unterschiedlicher Qualität. Mithilfe zahlreicher Sensoren und Künstlicher Intelligenz könne man sie auch darauf trainieren, neue Fraktionen zu erkennen, sagt Mieskonen. Die Anlage umfasst zwei verschiedene Verarbeitungslinien mit zwei nachgeschalteten Robotersystemen an jeder Linie.

Die Kapazität der Anlage liegt bei jährlich 120.000 Tonnen Bau- und Abbruchabfällen und bei 60.000 Tonnen Gewerbe- und Industrieabfällen. Aktuell kann die Sortieranlage rund 30 Prozent des gesamten Abfallrecyclingbedarfs im Großraum Helsinki abdecken. Künftig könnte es noch mehr werden – die Anlage ist aufgrund des modularen Aufbaus jederzeit erweiterbar.

320°/ek

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