Circular Economy

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Ohne Abfallverbrennung wird es auch in Zukunft nicht gehen, meinen Vertreter von Dechema und VDI. In einem Positionspapier listen sie auf, was die Abfallverbrennung leisten kann – unter anderem bei der Verwertung von CO2.

Dechema und VDI: Warum Abfallverbrennung unverzichtbar ist


Der Klimakiller CO2 entpuppt sich zunehmend als nützlicher Rohstoff. Allein die chemische Industrie in Deutschland wandelt etwa 21 Millionen Tonnen Kohlenstoff jährlich in Produkte wie Outdoorbekleidung, Zahnbürsten oder auch Aspirin um. Das Problem dabei: Knapp 90 Prozent davon stammen aus fossilen Quellen – bei deren Förderung und Verarbeitung erhebliche Treibhausgasemissionen entstehen.

Doch es gibt auch alternative Kohlenstoffquellen – beispielsweise in Form der thermischen Abfallverwertung. Aktuelle Entwicklungen in der Branche würden auf eine Renaissance der Wertstoffgewinnung aus dem Abgas von Müllverbrennungsanlagen hindeuten, wie es im Positionspapier „Abfallverbrennung in der Zukunft“ der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) heißt. Nach Gips und Salzsäure komme nun das Verbrennungsprodukt CO2 als neuer Rohstoff hinzu. Dieses könne beispielsweise nach einer CO₂-Gaswäsche und einer anschließenden Umwandlung in Form von Methanol zurück in den Kohlenstoffkreislauf geführt werden, erklären die Dechema-Autoren.

Durch Kombination von CO2-Abscheidung und Methanol-Synthese mit Kraft-Wärme-Kopplung und weiter reduzierten Emissionswerten könne die Abfallverbrennung dazu beitragen, auf primär fossile Kohlenstoffquellen schrittweise zu verzichten und Grundstoffe bereitzustellen, heißt es im Positionspapier. Mit dem Papier wollen die Autoren nach eigenen Angaben eine sachlich fundierte Basis schaffen für die Diskussion um die künftige Rolle der thermischen Abfallbehandlung in der Circular Economy.

Bereitstellung von Wertstoffen und Energie

Neben CO2 gebe es noch weitere Wertstoffe, die aus der Abfallverbrennung resultieren und geeignet seien, einen Beitrag für eine Kreislaufwirtschaft zu leisten:

• Rostasche kann nach einer Aufbereitung als Ersatzbaustoff verwendet werden.

• Aus der Feinfraktion der Rostasche lassen sich elementare Metalle wie Eisen, Aluminium und Kupfer abtrennen.

• Die Aschen aus der Verbrennung kommunaler Klärschlämme seien eine Ersatzquelle für Phosphat aus schwindenden natürlichen Vorkommen zur Herstellung mineralischer Dünger und anderer phosphathaltiger Produkte.

Eine andere Aufgabe der Abfallverbrennung in der Circular Economy könnte die Bereitstellung von Energie sein. Thermische Abfallbehandlungsanlagen stellten nach Dechema-Angaben 2015 fast 90 Milliarden kWh Endenergie bereit, davon rund 70 Prozent als Wärme und rund 30 Prozent als Strom. Damit habe die abfallbasierte Energie in Deutschland einen Anteil von 3,7 Prozent am Endenergieverbrauch. Damit könnten Abfallverbrennungsanlagen in lokalen Netzen neben der Verstromung von Biogas und Wasserkraftwerken zu einer gesicherten Grundlastversorgung für Strom beitragen.

Schadstoffsenken auch in Zukunft nötig

Die Hauptaufgabe von Müllverbrennungsanlagen wird aber wohl bleiben, was heutzutage noch ihr Kerngeschäft ist: „Auch künftig wird es Abfallströme und Reststoffe geben, für die eine stoffliche Kreislaufführung aus technischen, ökonomischen oder ökologischen Gründen nicht möglich ist“, schreiben die Autoren. „Hier bleibt die thermische Abfallbehandlung unverzichtbar.“

Die thermische Abfallbehandlung sorge in Form der Abfall- und Klärschlammverbrennungsanlagen gleichzeitig für:

• eine sichere und nachhaltige Elimination von Umweltschadstoffen aus dem angelieferten Abfall, z.B. Persistent Organic Pollutants (POP)

• einen aktiven Gesundheitsschutz, unter anderem im Sinne der Hygienisierung, vor allem bei zunehmender Urbanisierung und den steigenden Ansprüchen an eine umfassende Daseinsvorsorge (Siedlungsabfallhygiene)POP)

• einen aktiven Gesundheitsschutz, unter anderem im Sinne der Hygienisierung, vor allem bei zunehmender Urbanisierung und den steigenden Ansprüchen an eine umfassende Daseinsvorsorge (Siedlungsabfallhygiene)

Im Positionspapier finden sich auch Beiträge zu Verfahren für die thermische Abfallbehandlung, die sich aktuell noch in der Entwicklung befinden. Dabei handelt es sich im Einzelnen um die Pyrolyse, Vergasung, Plasmaverfahren und Verflüssigungsverfahren.

Doch diese kommen nicht besonders gut weg. Sie stellen nach Ansicht der Autoren zwar „interessante Optionen“ dar. Sie seien aber noch nicht ausgereift und erforderten zudem einen höheren Behandlungsaufwand als die klassische rostgestützte Abfallverbrennung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, „dass diese Technologien zur thermischen Abfallbehandlung der klassischen Abfallverbrennung derzeit nicht ebenbürtig sind, weil Betriebserfahrungen fehlen und weitere Optimierungen erforderlich sind“.

320°/mk

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