Neue Studie

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Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal türmte sich der Abfall – für die Retter und den Abfallwirtschaftsbetrieb ein großer Kraftakt. Das hätte besser laufen können, meint die ehemalige Grünen-Politikerin Eveline Lemke. Die Abfallwirtschaft sollte künftig in Krisenplänen berücksichtigt werden.

Was das Abfallmanagement aus der Flutkatastrophe lernen kann


Kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal spielten die Abfälle, die durch die Zerstörung anfielen, zunächst eine untergeordnete Rolle – der zuständige Abfallwirtschaftsbetrieb AWB war überfordert, die Beseitigung lief anfangs chaotisch und schleppend. Für die ehemalige Grünen-Politikerin Eveline Lemke wäre das zu verhindern gewesen, wenn die Abfallwirtschaft – analog zu den Rettungsdiensten – in den Krisenplänen berücksichtigt worden wäre.

Wie das gelingen kann, hat die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz mit ihrem Beratungsunternehmen Thinking Circular in der Studie #Hochwasserabfall #Ahrtal #Flut2021 untersucht. „Konzepte zur Zwischenlagerung können bereits in der Schublade liegen, ebenso wie Handbücher für Krisenmanager, in denen die Regeln für gute Abfallbewirtschaftung zu finden ist“, sagt Lemke. „Abfall spielte beim Retten eine untergeordnete Rolle. Das muss sich ändern, denn das Management der Abfälle ist teuer und kann nur optimiert werden, wenn die Planung dazu bereits beim obersten Krisenmanagement mitgedacht wird.“

Bislang kein nationales Beseitigungskonzept in Krisen

Der rund hundert Seiten starke Bericht beschreibt, wie die Müllmengen beseitigt werden konnten, und gibt einen Ausblick zum besseren Umgang mit Havarieabfällen. Denn wie Lemke kritisiert, existiert derzeit weder ein nationales Konzept zur Müllbeseitigung in Krisenfällen noch ein bundesländerübergreifendes Konzept für Hilfseinsätze öffentlich-rechtlicher Entsorgungsbetriebe. Dies müsse nachgeholt werden, ebenso brauche es neue Abfallschlüssel und Regeln auch nach dem Notstand, damit der Umgang mit den Abfällen eindeutig ist und zügig abgewickelt werden kann.

Auch qualitative Unterstützung kann laut Lemke vorbereitet werden: Hilfreich wären etwa ein Notfallentsorgungskonzept, Experten für Brandschutzfragen und Fokus-Gruppen für sonstige Themen der Not-Entsorgungssituation. Ebenso nützlich sei eine direkte Kommunikation mit Bürgern, Helfern und Berichterstattern bezüglich der Hinweise zur Müllentsorgung – beispielsweise über die sozialen Netzwerke. Dafür sei die Erstellung eines Kommunikationsleitfadens notwendig.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei ein Notfallkonzept für Abfall aus mineralischen Baustoffen und Schlamm sowie ein Plan für Zwischenlager und Notfallkapazitäten, heißt es in dem Bericht. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit werden laut Lemke in die Arbeit der Enquetekommission des Landtages eingehen und auch im Katastrophenschutz behandelt.

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