Schwerlastbetrieb

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Als Antriebsstoff wird Ammoniak-Wasserstoff großes Potenzial bei der Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs nachgesagt. In der Schifffahrt wurde ein Sportboot bereits erfolgreich umgerüstet. Jetzt soll ein Frachtschiff folgen.

„Ammoniak-Wasserstoff schlägt alle anderen Kraftstoffe“


„Grünes“ Ammoniak könnte bei der Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs eine bedeutende Rolle spielen. Denn „grünes“ Ammoniak ist kostengünstig herzustellen und – im Vergleich zu Wasserstoff – leicht zu transportieren und zu speichern. Zudem kann Ammoniak auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen.

In einem Forschungsprojekt der Stuttgarter Firma Ammonigy wurde nun getestet, ob der Antriebsstoff auch praxistauglich ist. Dazu wurde ein Sportboot von Diesel auf einen Ammoniak-Wasserstoff-Antrieb umgerüstet – laut Ammonigy mit Erfolg.

Der Industriegasmotor ersetzt einen mit Diesel betriebenen V8-Motor. Dazu wurden in der Kabine des Bootes Ammoniakgastanks und eine spezielle Kraftstoffaufbereitungsanlage installiert. Das von Ammonigy entwickelte und patentierte Ammonigy-Fuel-Refinement-Verfahren (AFR) generiert vor Ort Wasserstoff und mischt ihn dem Ammoniak bei. Das AFR-Verfahren ist darauf ausgelegt, die positiven Energieträgereigenschaften von Ammoniak mit den guten Brenneigenschaften von Wasserstoff zu kombinieren.

 Ammoniakgastanks und Kraftstoffaufbereitungsanlage in der Kabine des Sportbootes (Foto: Ammonigy GmbH)

Christian Hermle, Gründer von Ammonigy, ist mit dem Projekt zufrieden. „Ammoniak-Wasserstoff schlägt im CO2-freien Schwerlastbetrieb alle anderen Kraftstoffe“, meint er. Der nächste Schritt bestehe nun darin, die Technologie in einem Frachtschiff umzusetzen.

Basierend auf den Forschungsergebnissen hat Ammonigy die Eignung von Ammoniak-Wasserstoff für ein typisches Frachtschiff (100 Meter Länge) berechnet. Demnach bedarf es für den Transport von 1.000 Tonnen Fracht auf einer Distanz von 1.000 Kilometern ein Tankvolumen von 26m³. „Sowohl Tank als auch eine Anlage zur Herstellung von Ammoniak-Wasserstoff sind auf einem Frachtschiff problemlos installierbar“, sagt Hermles. Ammonigy sucht derzeit nach weiteren Projektpartnern und Finanzierungsmöglichkeiten für die Umsetzung. Parallel forscht das Unternehmen auch im Bereich des Schienenverkehrs.

320°/re

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