Kreislaufwirtschaft

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Ein neues Toolkit soll Architekten und Bauherren bei der Planung kreislauffähiger Gebäude unterstützen. Ein „Nerd-Tool“ soll es nicht sein, versprechen die Macher. Den ersten Praxistest hat das Tool schon hinter sich.

Ein Werkzeugkoffer für zirkuläres Bauen


Kreislaufwirtschaft und Zero Waste sind als Leitbilder mittlerweile in vielen Bereichen fest verankert. Das Bauwesen macht da keine Ausnahme. Doch bislang gibt es nur wenige Bauprojekte, die komplett nach zirkulären Design-Prinzipien realisiert wurden. Das dürfte an der Komplexität der aus zahlreichen Komponenten bestehenden Gebäude liegen. Aber auch am fehlenden Know-how bei der Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgedankens.

Mit einer Einstiegshilfe in Form eines neuen Toolkits soll sich das ändern. „Mit unserem Circular Building Design Toolkit wollen wir die Immobilienwirtschaft dabei unterstützen, zirkuläre Prinzipien in den Planungsprozess zu integrieren, die es ermöglichen, Gebäude hinsichtlich ihres Ressourcenverbrauchs, CO2-Fußabdrucks und Materialwerts zu optimieren“, skizziert Martin Pauli vom Architekturbüro Arup die Zielsetzung. Die Arup-Ingenieure haben den zirkulären Werkzeugkoffer gemeinsam mit der Ellen MacArthur Foundation entwickelt.

Das Toolkit folgt vier grundlegenden Circular Building Design-Strategien: Vermeidung, Langlebigkeit, effizientes Bauen und die richtige Materialwahl. Bevor also ein neues Gebäude geplant und gebaut wird, sollte man zunächst überprüfen, ob es für die geplanten Anforderungen erforderlich ist und nicht ein bestehendes Objekt genutzt werden kann.

Die anderen drei Design-Strategien sind jeweils mit konkreten Maßnahmen auf Konzeptions-, Konstruktions- als auch Materialebene unterfüttert. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen für eine erhöhte Materialeffizienz. Um zu weniger Materialabfall bei der Produktion und beim Bau zu kommen, sollten vorgefertigte Module beispielswese bei der Gebäudestruktur und der Hüllkomponenten eingesetzt werden.

Maßgeschneiderte Design-Lösungen

Jede der insgesamt zehn auf die Design-Strategien verteilten Maßnahmen umfasst eine Reihe von sogenannten „Actions“. Das kann die maximale Verwendung von wiederverwerteten Komponenten für alle Gebäudeschichten betreffen oder auch die Verwendung von Beton „mit dem höchsten national akzeptierten Gehalt an Recyclingbeton, der auch alle Leistungsspezifikation erfüllt“.

Auf der To-Do-Liste für die jeweiligen Adressaten wie Architekt oder auch M&E-Ingenieur stehen auch Anweisungen wie diese: „Stellen Sie sicher, dass die Baumaterialien und -produkte nicht auf der Roten Liste der Living Building Challenge stehen.“ An anderer Stelle heißt es bezüglich der Verringerung kohlenstoffintensiver Materialien: „Legen Sie ein Ziel fest, das unter den regional empfohlenen Grenzwerten liegt.“

Nicht zuletzt empfiehlt das Toolkit, eine Art Handbuch für Gebäudeeigentümer und -verwalter bereitzustellen. Denn ein Gebäude könne zwar so konzipiert werden, dass es im Laufe der Zeit in hohem Maße anpassungs- und zuletzt demontagefähig ist. „Wenn jedoch die Informationen darüber, wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann, nicht an die Gebäudeeigentümer und Betreiber weitergegeben werden, kann dieses Potenzial letztendlich nicht genutzt werden.“

Aus Sicht der Arup-Ingenieure sinnvoll, die einzelnen Komponenten im Gebäudedesign voneinander zu trennen. Da Gebäude aus verschiedenen Komponenten mit unterschiedlichen Funktionen und Nutzungsdauern bestehen, sollte für jede Komponente eine maßgeschneiderte Design-Lösung entwickelt werden. So sollten beispielsweise bei der Konzeption des Tragwerks Langlebigkeit und Adaptierbarkeit im Vordergrund stehen, Fassaden und Gebäudetechnik hingegen nach den Prinzipien des Recyclings und der Wiederverwertbarkeit konzipiert werden.

Erster Praxistest bestanden

Den Rahmen des Circular Building Design Toolkits bilden eine Reihe anderer, bereits bestehender Tools, Rahmenwerke und Standards. Dazu zählt auch „Level(s)“ – das erste EU-weite Instrument zur Berichterstattung über die Nachhaltigkeitsleistung von Gebäuden. Hier stehen Leistungsindikatoren für Bereiche wie Treibhausgasemissionen, Ressourcen- und Wassereffizienz, aber auch Gesundheit und Wohlbefinden im Mittelpunkt.

Die für das Toolkit entwickelten Strategien orientieren sich darüber hinaus an den Empfehlungen des World Green Building Council und der einzelnen nationalen Green Building Councils zur Kreislaufwirtschaft. Weitere Grundlagen bilden die Kriterien der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen für eine einfache Verwertung und Recycling.

Das Circular Buildings Toolkit ist kostenlos und wurde laut Arup auf den Workflow von Architekten und Planern zugeschnitten. Alle Module sollen so konzipiert werden, dass sie sich nahtlos in den Designprozess einfügen. „Uns war es wichtig, kein Nerd-Tool zu entwickeln“, sagt der Architekturexperte Pauli. „Die Benutzung unseres zirkulären Werkzeugkoffers soll Spaß machen und dazu anregen, Projekte unter zirkulären Aspekten neu zu denken.“

Das Toolkit hat mittlerweile auch den ersten Praxistest hinter sich. So soll es bei der Planung und dem Bau eines Prototyps für ein neues kreisförmiges Gebäudesystem (ADPT) in Essen zum Einsatz gekommen sein. Bei diesem Projekt hat Arup mit dem Start-up Futur2K zusammengearbeitet. Das System soll multifunktional nutzbar, konfigurierbar, transportierbar und recyclebar sein. Im Mai soll der Prototyp im Rahmen eines Ausstellungsprojekts des Folkwang-Museums vorgestellt werden.

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